Akrobatische Anfänge

Zwei Feuerwehrmänner beim simulierten Rettungseinsatz mithilfe der Drehleiter. Fotos: Kruse

Wer heutzutage ans Turnen denkt, dem fällt wohl sofort der deutsche Turnfloh Fabian Hambüchen ein, der am Reck durch die Lüfte schwingt, als wäre es die einfachste Sache der Welt. Oder es kommen Erinnerungen hoch an die eigene Schulzeit, als man selbst in der miefigen Sporthalle ungelenk über Matten rollte und über Kästen sprang. Die Landsberger Feuerwehr dürften dagegen nur die wenigsten mit dem Wort Turnen assoziieren, dabei spielt diese Sportart in ihrer Geschichte eine wichtige Rolle. Denn genau vor 150 Jahren gründete eine Augsburger Turnerschar die „Freiwillige Turnerfeuerwehr Landsberg“ und legte damit den Grundstein für die heutige Wehr.

Dass sich von den Anfängen im Jahr 1861 bis heute einiges verändert hat, davon konnten sich die Landsberger am vergangenen Wochenende selbst ein Bild machen. Beim „Tag der offenen Tür“ demonstrierte die Freiwillige Feuerwehr ihr gesamtes Leistungsspektrum, das sich längst nicht mehr wie früher auf das Löschen von Bränden beschränkt. Zwei Drittel der Einsätze mache mittlerweile die technische Hilfeleistung aus, sagt Kom­man­dant Karl-Heinz Novy. „Die Feuerwehr ist zum Mädchen für alles geworden.“ Die Feuerwehrmänner und -frauen befreien Personen aus stecken gebliebenen Aufzügen, bergen Autowracks nach Verkehrsunfällen, pumpen vollgelaufene Keller leer, räumen umgestürzte Bäume weg. Spezialisten für einzelne Aufgaben gibt es bei der Landsberger Feuerwehr nicht. „Jeder muss bei uns alles können“, erklärt Novy. Eine Herausforderung für die 75 Aktiven des Vereins, die den Dienst ehrenamt­- lich neben ihrem Beruf bestreiten. „Wir sind mittlerweile an einer Grenze angelangt, wo wir keine neue Aufgabe mehr dazu nehmen können.“ Allein im vergangenen Jahr zählten die Floriansjünger der Lechstadt 360 Einsätze. Jedes aktive Mitglied leistete im durchschnittlich 134 Einsatz- und Übungsstunden. Die Anforderungen sind hoch, in kaum einem anderen Verein wird eine ähnlich große Einsatzbereitschaft vorausgesetzt. „Entweder man ist mit hundert Prozent dabei oder man lässt es bleiben“, bringt es Novy auf den Punkt. Kein Nachwuchsmangel Da mag es verwundern, dass es der Landsberger Feuerwehr nicht an Nachwuchs mangelt. Einzig die Fluktuation habe in den vergangenen Jahren unter den Jugendlichen zugenommen, sagt der Vereinsvorsitzende Franz Geier. „Bei vielen kommt jetzt nach zwei bis drei Jahren das Studium oder der Beruf dazwischen.“ Der Wandel der Zeit ist nicht nur beim Personal zu spüren. Die technologische Entwicklung hat auch vor der Feuerwehr nicht Halt gemacht. Unter dem Dach des Feuerwehrhauses an der Saarburgstraße zeugen in einem kleinen Museum liebevoll gesammelte Ausrüstungsgegenstände der vergangenen 150 Jahre vom wachsenden Fortschritt. Wo früher ein Holzkarren voller Schläuche das Maß der Dinge war, kommen heute hoch technisierte Spezial­fahrzeuge zum Einsatz. Doch nicht alles hat sich im Laufe der Zeit verändert. Noch immer hängt im ersten Stock die allererste Vereinsfahne aus dem Jahr 1862 hinter dickem Glas, direkt daneben prangt ihre Nachfolgerin, die der Verein 1936 zum 75-jährigen Bestehen anfertigen ließ. Ein weiterer Glaskasten ist noch leer, dort soll bald die neue Fahne Platz finden, die die Feuerwehr eigens zum runden Jubiläum in Schierling bei Regensburg anfertigen ließ. „Das ist quasi unser eigenes Geburtstagsgeschenk“, sagt Geier lachend. Festabend und Festzug Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird die neueste Errungenschaft am kommenden Sonntag, wenn die Fahne ab 9.15 Uhr in einem festlichen Zug vom Feuerwehrhaus zur Stadtpfarrkirche getragen wird, wo sie in einem Gottesdienst geweiht werden soll. Es ist der Höhepunkt des Festwochenendes, dessen Auftakt am Samstag ein Festabend mit Ehrungen verdienter Mitglieder bildet. Arbeiten müssen die freiwilligen Helfer dabei ausnahmsweise einmal nicht: Die Straßensperrung übernimmt die Polizei.

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