Altkleidersammlung neu geregelt

Geschäft oder guter Zweck?

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Die Aktion Hoffnung möchte im Landkreis weiterhin Altkleider für einen guten Zweck sammeln, auch wenn sie ihre Container nun auf privatem Grund – wie hier bei der Pfarrei „Zu den Heiligen Engeln“ – aufstellen muss (von links): Geschäftsführer Gregor Uhl, Stefanie Eicke, Schwester Michaela, Prälat Dr. Bertram Meier und Schwester Jeena.

Landkreis – Für die einen eine lukrative Branche, für die anderen ein guter Weg, ärmeren Menschen zu helfen: der Handel mit Altkleidern. Nachdem der Landkreis Landsberg ab dem 1. Juli des kommenden Jahres selbst Altkleidercontainer aufstellen möchte, müssen die bisherigen – auch die von caritativen Organisationen – weichen.

Die „Aktion Hoffnung“ ist im Landkreis mit 26 Containern auf Wertstoffhöfen betroffen. 26 Container, die nach Ansicht von Prälat Dr. Bertram Meier, vielen Menschen auf der ganzen Welt helfen könnten. Die Aktion appelliert nun an Privatleute und Firmen, dort ihre Container aufstellen zu dürfen.

Die Aktion Hoffnung ist eine Hilfsorganisation der Diözese Augsburg und unterstützt bereits seit über 25 Jahren Entwicklungsprojekte in ärmeren Ländern. Zur Finanzierung ihrer Arbeit sammelt die Organisation modische Secondhand-Kleidung und vermarktet diese sinnvoll, erklärt Dr. Meier. Nun beschloss aber der Kreisausschuss im März einstimmig, dass der Landkreis die Altkleidersammlungen selbst übernimmt beziehungsweise aus­- schreibt und an ein Unternehmen vergibt. Die Sammelcontainer der karitativen Organisa­tionen müssen von den Wertstoffhöfen weichen. Das gefährde für die Aktion Hoffnung die Konkurrenzsituation. „Wir verlieren Standorte“, beklagt der Prälat.

Bislang habe man mit dem Landkreis eine „stabile und treue Kooperation“ gehabt, so Dr. Meier, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Aktion Hoffnung ist. Nun über­- nimmt der Landkreis die Altkleidersammlungen selbst – man erhofft sich so einerseits, eine geordnete Verwertung nach den Kriterien des Dachverbandes „FairWertung“. „Wir wissen ja im Moment oft nicht, wo die Altkleider tatsächlich hinkommen“, sagt Wolfgang Müller, Pressesprecher im Landratsamt. Andererseits könne den Bürgern auch eine flächendeckende, dauerhafte Entsor­- gungs­möglichkeit mit einer geordneten Verwertung angeboten werden.

Geht es ums Geld?

„Natürlich geht es auch ums Geld“, räumt Pressesprecher Müller ganz offen auf Nachfrage des KREISBOTEN ein. Die zusätzlichen Einnahmen aus der Altkleidersammlung sollen dann auch dem Gebührenhaushalt des Landkreises zugute kommen. Es handelt sich dabei nach Abzug der Kosten für die Sammlung selbst um einen Gewinn zwischen 170000 bis 275000 Euro.

Allerdings könne der Landkreis mit der Vergabe an ein Unternehmen illegale Sammlungen sogar verbieten. „Bisher mussten Sammlungen zwar beim Landratsamt angezeigt werden“, erklärt Müller, „aber sie mussten nicht genehmigt werden.“ Wenn der Landkreis die Sammlungen beziehungsweise die Container für Altkleider selbst verwaltet, können sonstige Haussammlungen verboten werden.

Als Alternative dürfen die Sammelbehälter der wohltätigen Organisationen weiterhin an ihren sonstigen Standorten stehen bleiben – nur eben nicht auf den Wertstoffhöfen des Landkreises. Zu wenig für die Aktion Hoffnung. Weder Meier noch das gesamte Team hinter der Aktion Hoffnung wollen jetzt ein Politikum aus ihrer Situation machen, sondern für die Werte der Hilfsorganisation werben. „Es geht uns um die Sache. Was dem einen hilft wird hier auf einem Altar der Gewerblichen geopfert“, meint Dr. Bertram Meier. „Landrat Eichner hat für uns immer ein offenes Ohr“, betont er dabei. Dennoch sei die Aktion Hoffnung auf die Kleiderspenden angewiesen. So appelliert Meier an Privatleute, Kirchen, Gemeinden und Firmen, einen Platz für einen Kleidersammelbehälter bereitzustellen. Notwendig sind nur 1,44 Quadrat- meter Fläche.

Container auf Privatgrund

„Wir sind getrieben vom Ehrgeiz“, sagt jetzt der Geschäftsführer der Aktion Hoffnung, Gregor Uhl. Auch wenn 26 Standorte im Landkreis geräumt werden müssen, werde er nicht aufgeben. „Wir hatten eine ähnliche Situation im Landkreis Pfaffenhofen. Dort haben wir es geschafft, in drei Monaten die gleiche Anzahl an Behältern auf Privatgrund unterzubringen.“ Die Aktion Hoffnung habe auch den Landkreis bisher intensiv beraten, weil viele illegale Behälter im Umlauf seien – die Nachricht aus dem Landratsamt, dass die Container im kommenden Jahr abgebaut werden müssen, kam laut Uhl somit sehr überraschend.

Seit der vergangenen Woche sucht die Aktion Hoffnung neue Standorte für ihre Altkleiderbehälter. „Mit ungefähr 60 Kleiderbehältern auf privatem und kirchlichem Grund will es die Aktion Hoffnung ermöglichen, dass alle Bürger weiterhin ihre Kleiderspende der aktion hoffnung übergeben können“, erklärt Michael Meier, Pressesprecher der Aktion Hoffnung. „Viele Bürgermeister unterstützen uns“, freut sich Uhl, Landrat Walter Eichner habe das auch ausdrücklich erlaubt. Wer selbst 1,44 Quadratmeter in einer guten Lage für einen Container der Aktion Hoffnung bereitstellen kann, wird gebeten, sich bei Standortmanagerin Stefanie Eicke unter der Telefonnummer 0151/62449125 oder bei Johannes Müller unter 08249/968514 zu melden.

Weitere Informationen gibt es auch auf der Homepage www.aktion-hoffnung.de.

Wichtige Finanzierung

Wenn der Landkreis ab dem kommenden Jahr die Altkleidersammlungen an den Wertstoffhöfen selbst übernimmt , dann fallen auch für das Rote Kreuz viele Container weg. Jetzt sucht das Landsberger BRK gemeinsam mit Landrat Walter Eichner einen Kompromiss.

„Das Rote Kreuz ist von der Entscheidung des Landkreises genauso stark betroffen, wie die Aktion Hoffnung“, erklärt die stellvertretende Kreisgeschäftsführerin Marianne Asam. 63 Altkleidercontainer des BRK müssten von den Wertstoffhöfen weichen – damit falle eine wichtige Geldquelle weg. Etwa werde der Gewinn aus den Altkleidersammlungen für die Ausbildung ehrenamtlicher Helfer genutzt oder fließe direkt in den Katastrophenschutz im Landkreis, sagt Asam.

„Wir sind aber in Kontakt mit dem Landkreis und suchen nach einer Lösung, mit der alle Beteiligten zufrieden sein können.“ Wie genau ein Kompromiss aussehen könnte, darüber möchte sich Asam noch nicht äußern, da erst in dieser Woche ein Gespräch zwischen Landrat Walter Eichner und den BRK-Verantwortlichen angesetzt ist.

Janina Bauch

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