Aktive Hilfe gefordert

Detlef Großkopf ist der 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Landsberg. Foto: kb

Ein Leben ohne Tiere ist für Detlef Großkopf kaum vorstellbar. Seit November letzten Jahres ist er Vorsitzender des Tierschutzvereins Landsberg mit seinen 920 Mitgliedern. Am vergangenen Wochenende unterhielt sich Großkopf beim Sommerfest des Tierheims, welches der Verein betreibt, mit Kreisbotenmitarbeiterin Janina Bauch über den Tierschutz und die Herausforderungen, die das Tierheim zu bewältigen hat.

Gibt es derzeit größere Projekte, die in naher Zukunft angegangen werden oder in letzter Zeit begonnen wurden? Großkopf: „Durch eine Schenkung haben wir ein an das Gelände des Tierheims angrenzendes großes Grundstück hinzubekommen. Dieses Grundstück bietet uns viele zusätzliche Verwendungsmöglichkeiten. Aus finanziellen Gründen können wir allerdings zur Zeit keine der zahlreichen Optionen realisieren.“ Haben sich die Aufgaben des Tierschutzvereins Landsberg in den letzten Jahren verändert? Was konkret ist anders (vielleicht sogar besser oder schlechter) geworden? Großkopf: „Es gab keine einschneidenden Änderungen. Der Betrieb des Landsberger Tierheims ist nach wie vor eine unserer Hauptaufgaben.“ Das Tierheim hatte im vergangenen Jahr einen hohen Verlust – wieso hat er sich so erheblich erhöht? Großkopf: „Im vergangenen Jahr sind neben den Infrastrukturkosten insbesondere die Personalkosten überproportional angestiegen. Die Förderungen durch die Agentur für Arbeit wurden weitestgehend eingestellt, so gibt es kaum noch Einarbeitungszuschüsse oder geförderte, ABM- oder Qualifizierungsmaßnahmen. Auch die Unterstützung durch sogenannte Ein-Euro-Jobber wurde eingestellt. Gleichzeitig waren die Rücklagen, die aus einer großen Erbschaft stammten, durch die laufenden Kosten aufgebraucht.“ Mit welchen Maßnahmen will man ihn nun wieder senken? Großkopf: „Neben einem konsequenten Kostencontrolling steht eine Reduzierung der Personalkosten im Vordergrund. Hierzu benötigen wir noch mehr ehrenamtliche Mitarbeiter, die regelmäßig Arbeiten übernehmen. Gleichzeitig versuchen wir neue Mitglieder und bei den Firmen im Landkreis Sponsoren zu gewinnen.“ Was hat sich im Tierheim in den letzten Jahren, abgesehen von den Finanzen, verändert? Ist die Zahl der Tiere höher/niedriger geworden? Großkopf: „Die Anzahl der aufgenommenen und dementsprechend auch die Anzahl der vermittelten Tiere ist im Vergleich 2011 zu 2010 deutlich zurückgegangen. Die Anzahl der Tiere in 2010 lag allerdings weit über den durchschnittlichen Jahreszahlen. Insoweit dürften die Zahlen für 2011 auch für die Zukunft eine realistische Annahme bilden.“ Wie sieht es mit den Mitarbeitern und Helfern aus – gibt es viel Unterstützung? Großkopf: „Wir haben ein sehr engagiertes hauptberufliches Team von Tierpflegern. Da ein Verein aber ohne ehrenamtliche Mitarbeiter auf Dauer nicht existieren kann, sind wir dankbar für die Hilfe zahlreicher Damen und Herren, ohne die das Tierheim in der heutigen Form nicht betrieben werden könnte.“ Werden heutzutage mehr oder weniger Haustiere wieder abgegeben – hat sich das Verhalten der Menschen diesbezüglich geändert? Leistet der Verein dazu Aufklärungsarbeit? Großkopf: „Die Tendenz, Haustiere schon beim kleinsten Fehlverhalten abzugeben hat deutlich zugenommen. Statt angebotene Hilfe, unter anderem auch durch Tiertrainer, anzunehmen, werden die Tiere abgeschoben. Um derartigen Problemen vorzubeugen vermitteln wir unsere Tiere nur nach ausführlichen Beratungsgesprächen. So erhält zum Beispiel jeder neue Hundebesitzer ab sofort eine Mappe mit sehr ausführlichem Informationsmaterial.“ Kommen auch Tiere aus dem Ausland ins Tierheim? Welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus? Großkopf: „Tierschutz im Ausland kann grundsätzlich nur da vorgenommen werden wo die Probleme bestehen, also direkt im Ausland. Nur umfangreiche Kastrationsmaßnahmen in den betroffenen Ländern, insbesondere in Süd- und Osteuropa, sind geeignet, die Population freilebender Hunde und Katzen auf ein Normalmaß zurückzuführen. Solange dies nicht flächendeckend umgesetzt ist, übernehmen wir immer wieder auch herrenlose Hunde und bewahren diese vor Tötungsstationen. Hierbei arbeiten wir mit wenigen ausgesuchten Organisationen zusammen.“ Wie läuft hier die Vermittlung ab? Großkopf: „Eine Übernahme von Hunden aus dem Ausland nehmen wir nur unter drei wesentlichen Voraussetzungen vor: das Tier muss gesund, gechipt und geimpft sein und einen europäischen Heimtier-ausweis besitzen. Wir müssen die Gewissheit haben, das Tier auch in ein neues Zuhause vermitteln zu können und zudem müssen genügend freie Plätze und personelle Kapazitäten vorhanden sein.“ Hatten Sie auch schon schlimme Erlebnisse in Bezug auf den Tierschutz? Großkopf: „Besonders schlimm finde ich die Aussetzung von Tieren jeder Art oder deren nicht artgerechte Haltung. Hierzu drei Beispiele: In einem Landsberger Industriegebiet wurde ein Hund in einem sehr schlechten Pflege- und Gesundheitszustand freigelassen und seinem Schicksal überlassen. In der zurückliegenden Silvesternacht haben Unbekannte zwei kleine Hunde am Zugang zum Tierheim angebunden. Es vergeht fast keine Woche im Tierheim ohne den Besuch der Polizei, die wieder einmal ein aufgefundenes Tier vorbeibringt. In Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt wurden zwei Schäferhunde aus ihrem jämmerlichen Dasein durch unzureichende Haltung, Ernährung und Gesundheitspflege befreit.“ Was war Ihr schönstes Erlebnis als Tierschützer? Was motiviert Sie, sich für die Tiere einzusetzen? Großkopf: „Es ist immer wieder schön zu erleben, wenn ein Tier aus dem Tierheim ein neues Zuhause in einer verantwortungsvollen Familie findet. Vor wenigen Wochen ist es uns gelungen, einen großen und nicht ganz unproblematischen Hund nach mehreren Jahren im Tierheim neuen Besitzern zu übergeben. Vorausgegangen waren mehrere Monate des intensiven Kontaktes und „Gassi-Gehens“ mit den künftigen Hundehaltern und viele Gespräche mit unseren Tierpflegern und Hundetrainern.“ Welche Möglichkeiten gibt es sich ganz einfach im Tierschutz zu engagieren? Großkopf: „Mitglied im Tierschutzverein zu werden ist eine Möglichkeit. Der Jahresbeitrag liegt für Einzelmitglieder bei nur 25 Euro und für Familien bei 35 Euro. Auch Geld- und Sachspenden unterstützen unsere Arbeit sehr. Leider meinen immer noch viele Mitbürger, das Tierheim Landsberg würde von der Stadt betrieben. Richtig ist aber: Alleiniger Betreiber des Tierheims ist der Tierschutzverein, der sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Abgaben der Kommunen für Fundtiere und dem Erlös aus der Vermittlung von Tieren finanziert. Auch als ehrenamtlicher Mitarbeiter kann man sich hervorragend engagieren. Einzelheiten über einen möglichen Einsatz können bei einem Besuch des Tierheims oder auf www.Tierheim-Landsberg.de in Erfahrung gebracht werden.“

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