Filmmusik im "Quarta-Style"

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Das Alessandro Quarta 5et zauberte mit Filmmusik romantische Stimmung ins Olympiakino. Die Band (von links): Alessandro Quarta, Michele Colaci, Christian Martina, Franco Chirivì und Giuseppe Magagnino.

Landsberg – Audrey Hepburn auf dem Fenstersims, „Moon River“ klimpernd und leise dazu singend – „Frühstück bei Tiffany“ in Reinform. Beim Konzert des Allessandro Quarta 5et (Quintett) erwacht die Romantik schon bei den ersten Tönen des Songs zum Leben. Und auch noch unterm Sternenhimmel… Schön wär‘s gewesen. Wegen Gewittergefahr fand das Konzert im Olympia Filmtheater statt. Weniger romantisch, aber trotzdem schön. Der charmante Punkgeiger in Jeans und T-Shirt verzauberte mit seinen neu arrangierten Melodien aus Kinohits wie „Der Pate“ oder „Titanic“ die gut 250 Zuhörer. Am zweiten Konzertabend kamen Actionfans auf ihre Kosten.

Dass die Komponisten vorwiegend Italiener seien, habe nichts mit ihm zu tun, lacht Quarta: „Aber der beste Filmmusikkomponist ist eben nun mal Nino Rota.“ Dass das nicht gar so falsch ist, kann jeder in „Der Pate“ hören. Natürlich zählt zu den Meisterkomponisten auch Ennio Morricone mit seinem eingängigen Panflötenthema aus „Es war einmal in Amerika“, dem letzten Film Sergio Leones. Quarta imitiert die Flöte durch eine nur ganz leicht angestrichene Saite. Ein rauher, schräger Ton, der wunderbar zu sepiagetönten Bildern, Robert de Niro und rauchenden Fabrikschloten passt. „Das ist Quarta-Style“, beschreibt er seine Spielweise. Dabei streiche er die Saite „mit nur einem Haar des Bogens“.

Aber vor Rota und Morricone schwelgt Quarta in den Klängen aktuellerer Filme: ein volksliedähnlicher Titel aus „Il Postino“, einem Film, der in Süditalien spielt und in dem es – wie könnte es anders sein – um Poesie und Liebe geht. Quarta spielt die Melodie schlicht, lässt die Töne wirken. Bei einem anderen Song ist das Erkennen schwieriger: Quarta beginnt am E-Piano, zu dem er dann gleichzeitig auf seiner Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1761 spielt. Auch hier „rauschige“ Töne, die nur langsam zur Melodie finden. Doch dann ist es da, „My Heart will go on“ aus „Titanic“, und jetzt hält das süditalienische Quintett nichts mehr vom Schwelgen ab: ­Schmalz und Schmelz, mehr geht fast nicht. Und dennoch: Dank Quartas Spielweise und der lässigen Begleitung seiner vier Profimusiker ist das Stück viel mehr Musik und weniger Kitsch als das Original.

Alle fünf Musiker stammen vom „Stiefelabsatz“: von der Halbinsel Salento, aus der Stadt Lecce. Der gerade vierzig gewordene Quarta begann schon mit vier Jahren Geige zu spielen und studierte traditionelle und klassische Violine. Unter anderem war er Konzertmeister des Toscanini Symphonieorchesters unter Lorin Maazel, spielt aber auch mit anderen großen Orchestern zusammen. Klassik liegt ihm: Bach, Mozart – und natürlich der Teufelsgeiger Paganini. „Aber am liebsten spiele ich meine eigenen Kompositionen“, gibt er zu. Jazz, Blues, Funk und Bossa Nova sind die Stilrichtungen, die Quarta beeinflussen: Mit seinem 33-köpfigen Orchester begleitete er schon Liza Minelli, Joe Cocker oder Tina Turner, seine neue CD nimmt er mit Jazzsängerin Sarah Jane Morris auf.

Quartas Vielseitigkeit ist vor allem in der zweiten Hälfte des Konzerts zu hören. Er beginnt mit „Spiel mir das Lied vom Tod“. Aber nicht mit „der Mundharmonika“, sondern mit dem Finale, in dem Claudia Cardinale von Charles Bronson mit den unvergesslichen Worten „Einer wartet immer“ abgekanzelt wird. Die Musik dazu kann nicht romantischer sein, Quartas Geige imitiert die hohe Frauensingstimme ideal. Wenn er seinen Lieblingskomponisten Rota spielt und das Quintett die den Filmen Fellinis ganz eigene Stimmung entstehen lässt, ist Quarta zu Hause: „Amarcord“, „La Dolce Vita“, „Achteinhalb“ und natürlich: „Der Pate“. Quarta beginnt ganz langsam mit dem Thema, steigert das Tempo, bis es nicht mehr schneller geht. Und dann legt er noch einen Zahn zu. Das gefällt und löst Begeisterungsstürme aus. Bei den Zugaben verlässt Quarta den Film: Seine eigenen Kompositionen lassen aufhorchen: Filmmusik ist schön, aber die Zugaben, die sind noch besser.

Susanne Greiner

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