Alleinstellungsmerkmal gesucht

Dr. Guntram Schönfeld (Mitte), Kreisheimatpfleger für Bodendenkmäler, erläuterte, dass die echten Steinzeithäuser damals nicht länger hielten als 15 Jahre, insofern sei der Nachbau in Pestenacker realistischer als geplant. Foto: Osman

Die Zukunft der prähistorischen Siedlung Pestenacker ist kürzlich Thema einer Sitzung des Kulturbeirates des Kreistags gewesen. Um einen unmittelbaren Eindruck von den Gegebenheiten vor Ort zu bekommen, begaben sich die Beiratsmitglieder zum Lokaltermin an den Ortsrand von Pestenacker in der Gemeinde Weil und begutachteten das Museumsgebäude und das mittlerweile arg mitgenommene nachgebaute Steinzeithaus.

Der Status des Unesco-Welterbes verpflichtet. Das fand zumindest Kulturbeiratsmitglied Norbert Kreuzer (CSU). Die Welterbestätte in Pestenacker und Unfriedshausen sei nicht nur regional von Bedeutung. „Jeder, der so etwas hat, kann sich die Finger abschlecken, aber man muss auch investieren. Wir haben gar keine andere Wahl, als das zu tun.“ Was genau getan werden soll, ist indes völlig offen. Das vorhandene Gebäude in ein vollwertiges Museum zu verwandeln, sei wahrscheinlich „ein Ding der Unmöglichkeit“, befand Professor Rupert Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung. Das Haus verfügt weder über Stromanschluss noch über Sanitäran­- lagen. Gebhard hielt eine finanzierbare Aufrüstung höchstens dann für machbar, wenn keine Originalfunde ausgestellt würden, sondern Duplikate. Wichtig sei, dass eine Konstruktion für eine langfristige Finanzierung gefunden werde. Kreiskämmerer Jürgen Felbinger berichtete von Überlegungen, ein Gutachten in Auftrag zu geben, das Machbarkeit und Zukunftspotential etwaiger Museumspläne untersuchen soll. „Wir müssen wissen, worin das Alleinstellungsmerkmal liegen würde und was Besucher veranlassen könnte, hierher zu kommen.“ Für das Gutachten lägen drei Angebote vor, von denen das niedrigste 13000 Euro und das teuerste 42000 Euro koste. Das billigste Gutachten erfülle aber wahrscheinlich nicht die Voraussetzungen für staatliche Fördergelder. Landrat Walter Eichner (CSU) betonte, es sei auch eine klare politische Aussage der Entscheidungsgremien erforderlich. „Die Frage ist, soll zuerst das Gutachten erstellt und dann der politische Wille formuliert werden oder umgekehrt.“ Klar ist für Eichner aber auch: Die Aufbereitung des Welterbes kann nicht Sache der Gemeinde Weil oder des Landkreises alleine sein. „Wir müssen sehen, wer sonst noch mit im Boot ist.“ Vielfalt darstellen Dass man sich im Verein Prähistorische Siedlung Pestenacker schon Gedanken darüber gemacht hat, wie man Besucher in größerer Zahl anlocken könnte, berichtete der Vereinsvorsitzende Dr. Ernst Rieber. Er sprach von den Möglichkeiten experimenteller Archäologie, in die Besucher aktiv mit einbezogen werden könnten. Um die Vielfalt des Steinzeitlebens darzustellen, könne man Interessierte zum Beispiel selbst Werk­- zeug herstellen lassen. Auch Sonderausstellungen seien vorstellbar, zum Beispiel zum Thema Medizin in der Steinzeit. Das Interesse der Öffentlichkeit an Pestenacker sei durchaus groß, so Rieber. „Unser bisher weitester Besucher kam aus Vancouver.“

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