Behördliche Hürden:

Viel Wirbel um das kleine Windrad

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Alois Weber ist der erste Privatmann im Landkreis, der eine genehmigungspflichtige Kleinwindkraftanlage betreibt. Die unauffällige Anlage (Hintergrund) sorgte bei den Behörden zunächst für reichlich Wirbel.

Kaufering – Alois Weber gehört zu den Menschen, die die Energiewende selbst umsetzen. Mit der Auszahlungssumme aus seiner Lebensver­sicherung wollte er in die Windkraft investieren, nicht in Aktien oder Beteiligungen von Konzernen oder „windigen Firmen“, sondern in ein eigenes kleines Windkraftwerk auf seinem Grundstück.

Seit wenigen Tagen dreht es sich und diese Woche soll der Anschluss für Einspeisung ins Stromnetz fol­gen. Dann kann Weber pünktlich zur Heizsaison seine Elektroöfen mit eigenem ökologisch erzeugtem Strom beheizen.

Der gebürtige Kauferinger ist mächtig stolz auf seine Anlage. Wie das Landratsamt bestätigte, ist es das erste private Windkraftwerk im Landkreis, zumindest bei den genehmigungspflichtigen Kleinanlagen. Der Mast ist 11,60 Meter hoch, die Rotorblätter ragen in der Spitze 14 Meter in den Himmel. Dafür bedarf es einer Baugenehmigung.

Eigentlich ist Alois Webers Ärger ja schon wieder verflogen. Er hatte sich fast ein dreiviertel Jahr über den vielen Gegenwind aus den Behörden aufgeregt. Während die Marktge­meinde das Projekt heuer im Januar schnell absegnete, hatte ihm das Landratsamt, zuständig für die Baugenehmigung, „jede Menge Steine in den Weg gelegt“, so zumindest empfindet er es. Dagegen verwehrt man sich im Landratsamt. Pressesprecher Wolfgang Müller betont, dass man viele Beratungs­- gespräche mit Weber geführt habe. Das Landratsamt als Baugenehmigungsbehörde stehe Bauanträgen grundsätzlich positiv gegenüber, sagt Müller und ergänzt, dass man „immer konstruktiv nach einer Lösung sucht, wenn im Verfahren Hindernisse auftreten“.

Gerüst, Ballon, Müllsack

Die Hindernisse traten dann tatsächlich auf, in Gestalt der Denkmalpfleger. Als „Träger öffentlicher Belange“ mussten sie ebenso befragt werden wie die Naturschutzbehörde oder das Wasserwirtschaftsamt. Nach „zeitlichen Verzögerungen“, die Müller einräumt, entschieden die Denkmalschützer, dass ein „Phantomgerüst“ aufgebaut werde müsse. Alois Weber sah das nicht ein, weil sich heutzutage, so argumentiert er, mit einer Fotomontage viel billiger beweisen lässt, wie das Windrad in der Umgebung wirkt. Die Behörden aber saßen am längeren Hebel. Weber musste einen 14 Meter hohen Mast als Holzkonstruktion mit bunten Luftballons und Müllsäcken an der Spitze bauen. Im Ergebnis störte das Windrad nie­mand, da die viel höheren Bäume in der Umgebung das Bild dominieren und auch der Blick auf die Alt-Kauferinger Kirche ebenfalls nicht beeinträchtigt wird.

Windkraftanlagen über zehn Meter Höhe sind im Gesetz als „privilegierte Anlagen“ definiert. Das heißt, sie müssen genehmigt werden, wenn keine öffentlich-rechtlichen Bedenken dagegen stehen. Sind Windräder kleiner als zehn Meter, ist noch nicht einmal eine Genehmigung erforderlich.

„Über meine Idee haben wir erstmals am Stammtisch beim Brückenwirt vor zwei Jahren diskutiert“, verrät Alois Weber. Da ich mein Haus mit Elektroöfen beheize, war die Idee gar nicht so abwegig, den Strom zumindest zum Teil selbst herzustellen. Die Nachbarn hatten auch kein Problem mit einem kleinen Windmast. Auch seitens der Verwaltung gab es keine Probleme. Bürgermeister Erich Püttner fand die Idee gut und bestätigte auf Anfrage, dass das Projekt im Bauausschuss einvernehmlich unterstützt wurde.

Nach Internetrecherchen und einem Besuch auf der Augsburger Umweltmesse „Renexpo“ im Herbst vergangenen Jahres entdeckte Alois Weber seine Anlage für rund 20000 Euro bei der Firma „Windenergie Oberland“ aus Günzburg. In Geschäftsführer Werner Schramm fand Weber dann auch einen Partner, der ihm half, die behördlichen Steine aus dem Weg zu räumen.

Gutes Ergebnis

Wie bei Großanlagenplanungen hat auch Weber ermitteln lassen, ob es in Kaufering überhaupt genug Wind gibt. Zwischen Juni 2011 und April 2012 wurden die Messungen mit einem kleinen, etwa neun Meter hohen Mast gemacht. Das Ergebnis überraschte nicht nur Weber selbst, sondern auch die Fachleute der Herstellerfirma. Obwohl es unten windstill war, drehte sich das Messgerät in neun Meter Höhe munter vor sich hin. Das Windgutachten besagte dann, dass Weber bis zu 4850 Kilowattstunden im Jahr aus der Anlage herausholen kann. Das entspricht dem Durchschnittsverbrauch für ein Einfamilienhaus. „Ein gutes Ergebnis für ein Schwachwindgebiet“, sagt der Hersteller. Weber wohnt in Alt-Kaufering direkt am Ortsrand.

Einen Wermutstropfen gab es für Alois Weber am Schluss dennoch. Für sein Windrad sollte er für den Fall eines Rückbaues eine unbefristete Bankbürgschaft beim Landratsamt vorlegen. Man einigte sich letztlich darauf, dass Weber ein Kautionssparbuch über 2500 Euro beim Landratsamt hinterlegte. Damit wurde die Baugenehmigung rechtskräftig.

Siegfried Spörer

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