Alte Leitungen müssen raus

Die Wasserleitungsarbeiten in der Geltendorfer Bahnhofstraße sind laut Planer nur ein erster Schritt hin zur Gesamtsanierung des Leitungsnetzes. Foto: Osman

Eigentlich sollte Planer Rainer Irrgang dem Gemeinderat über den Fortgang der Wasserleitungsarbeiten in der Bahnhofstraße berichten. Das tat er auch, nutzte aber gleichzeitig die Gelegenheit, das Gremium zum wiederholten Male an nicht gemachte Hausaufgaben zu erinnern. „In der gesamten Gemeinde sind 20 Kilometer innerörtliche Was­- ser­leitung älter als 50 Jahre“, so Irrgang. „Sie müssen in den nächsten 20 Jahre erneuert werden, sonst bricht das Netz zusammen.“ Je länger man den Beginn der Arbeiten hinausschiebe, desto größer werde der Investitionsstau, warnte der Ingenieur.

Die Liste der Mängel, die angegangen werden müssen, ist lang und beschert der Gemeinde Jahr für Jahr Wasserverluste von rund 30 Prozent. Die Ortsleitungen in Walleshausen und Kaltenberg sind laut Irrgang in einem verheerenden Zustand. An vielen Stellen in der Gemeinde sind überalterte und defekte Grundstücks- und Haus­anschlüsse zu erneuern. Diese hätten sich gerade bei den Arbeiten an der Bahnhofstraße gezeigt, erläuterte Irrgang. „Teilweise hatten die Anwohner beim Abschieben der neuen Leitung plötzlich einen Springbrunnen im Vorgarten.“ An der Wasseraufbereitungsanlage in Peztenhofen müssen außerdem Steuerungsdefeke beseitigt werden. Und schließlich sollte sich die Gemeinde auch über einen neuen Brunnen Gedanken machen. Der derzeitige Trinkwasserbrunnen funktioniere zwar gut, werde dies aber nicht ewig tun. „Brunnen überaltern irgendwann“, erklärte Irrgang. Und da der Vorlauf für eine neue Bohrung gut und gerne zehn Jahre betragen könne, müsse man mit den Planungen rechtzeitig beginnen. Die Sanierungsarbeiten am Leitungsnetz auf die lange Bank zu schieben, werde den Handlungsspielraum der Gemeinde immer weiter einengen. Irrgang warnte deshalb davor, mit dem Beginn der Arbeiten noch Jahre zu warten, denn in dieser Zeit altert das Netz weiter. „In zehn Jahren sind unsere 30 Jahre alten Leitungen schon 40“, rechnete der Ingenieur den Räten vor. Der Bürger bezahlt Christian Engelstädter (CSU) bezweifelte, dass das Alter allein so entscheidend sei. Statt großflächig zu erneuern, solle man lieber gezielt nach Lecks suchen und diese sanieren. „Die Liste kommt mir sehr lang vor“, sagte auch Eckhart-Georg Miehle (SPD), der sich darüber sorgte, welchen Wasserpreis man den Bürgern zumuten könne. Die Kosten der Sanierungsarbeiten müssen entweder per Verbesserungsbeitrag oder über den Wasserpreis wieder hereingeholt werden. „Zahlen wird es immer der Bürger“, so Irrgang. Bürgermeister Willi Lehmann (CSU) möchte das Sanierungsprojekt lieber heute als morgen in Angriff nehmen. „Die Wasserversorgung gehört, genau wie die Feuerwehr, zu unseren Pflichtaufgaben“, erinnerte der Rathauschef. „Wer von uns wollte den Bürgern erklären, dass sie sich mit dem Kanister am Tankwagen versorgen müssen?“ Auch Christian Scheifele (CSU) unterstrich die Dringlichkeit. „Je länger es dauert, desto größer wird der Groll bei den Bürgern, und desto höher werden die Rechnungen.“ Derweil hinken die Arbeiten an der Bahnhofstraße zwar zwei bis drei Wochen hinter dem Zeitplan her, werden aber laut Irrgang dennoch wie vorgesehen in diesem Jahr abgeschlossen sein. In zwei Wochen sei die neue Leitung komplett verlegt, dann müssten nur noch Hausanschlüsse gemacht sowie Druck- und Hygieneprüfungen durchgeführt werden. Vor einem Wintereinbruch hat Irrgang keine Angst. „Wenn es nicht gerade wochenlang minus 20 Grad hat, werden wir keine Probleme bekommen.“ Die Qualität der Arbeiten sei gut, und auch der Kostenrahmen sei bisher eingehalten worden.

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