Altstadt ohne Autos?

Mit ihrer Gehzeug-Demo sorgten drei Grüne am Samstag in der Altstadt, hier Schlossergasse, für Aufsehen. Foto: Osman

Im Straßenraum werden Radfahrer und Fußgänger ganz selbstverständlich an den Rand gedrängt, während das Auto den meisten Platz einnimmt. Wie viel Platz das ist, führten drei Landsberger Grüne am Samstag Vormittag den Passanten in der Altstadt vor Augen – mit einer Gehzeug-Demo.

Das Gehzeug ist ein Holzrahmen, der in seinen Abmessungen der Größe eines Pkw entspricht. Entwickelt wurde es von Professor Hermann Knoflacher, Verkehrsplaner an der Technischen Universität Wien, der im September ein Verkehrskonzept für Landsberg vorstellen wird. Das Gehzeug ersann der Experte bereits 1975, um die Problematik vor allem des städtischen Straßenverkehrs bildlich darzustellen. Mit dem Gehzeug beansprucht ein Fußgänger so viel Platz wie ein Autofahrer. Was bei dem einen als normal erschient, sieht bei dem anderen wie Spinnerei aus. Viel hat sich offenbar seit 1975 nicht geändert, denn auch die Landsberger Grünen fordern: „Wir müssen endlich diskutieren, ob wir die Altstadt auch weiterhin rund um die Uhr den Autos überlassen wollen.“ Vorstandsmitglied Jan Bentele weist darauf hin, dass die meisten Landsberger sich etwas anderes wünschen. „Alle Umfragen zeigen, dass den meisten Bürgern flanierende Menschen, spielende Kinder, Außengastronomie und ein florierender Einzelhandel wichtiger sind.“ Doch selbst auf so beliebten Plätzen wie etwa dem Flößerplatz könne kein Kind angstfrei spielen, denn dort fahren Tag für Tag weit über 1000 Autos. Auf die Stellfläche eines Mittelklassewagens passen laut Knoflacher bis zu 20 Menschen. „Hinzu kommen CO2-Ausstoß, Lärm, Gestank und Lebensgefahr, die von Autos ausgehen. Das sind ständige Belastungen, die wir allzu klaglos hinnehmen“, findet Miguel Bertoll. Auch er gehörte am Samstag zu den Gehzeug-Demonstranten, die mit Holzrahmen in der Größe eines Opel Corsa und eines 1er BMW durch die Stadt marschierten. Von der Schwiftinger durch die Münchener Straße führte der Weg durch die Alte Bergstraße zur Schlossergasse und weiter durch Hinter- und Vorderanger zur Schulgasse. Die vom Landratsamt in einer Pressemitteilung prophezeite „erheblichen Verkehrsbehinderungen“ blieben aus, verwunderte Blicke und Kommentare der Passanten gab es dafür umso mehr – ganz im Sinne der Organisatoren. „Wir wollten mit den Gehzeugen zum Nachdenken anregen“, sagt Bentele. Die Aktion sollte Aufsehen erregen und provozieren. Es könne nicht angehen, dass Landsberger Verkehrsplaner die Stadt vor allem durch die Windschutzscheibe betrachten. „Die Altstadt ist für Menschen da, nicht für Autos“, so der Grünen-Vorstand.

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