Das Spiel von Liebe und Tod

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Nachtigall oder Lerche? Romeo (Natey Jones) muss sich von seiner Juliet (Georgie Ashworth) losreißen.

Landsberg - Die Gastspiele der American Drama Group sind mittlerweile Highlights auf dem Spielplan des Landsberger Stadttheaters. So dürfen sie auch im Shakespeare-Jahr nicht fehlen und zeigten das wohl berühmteste Stück des Meisters „Romeo und Julia“– natürlich in Originalsprache.

Der Tod ist immer dabei, in der Inszenierung von Paul Stebbings als Person auf der Bühne, der allgegenwärtige Sensenmann, ebenso wie sein „Gegenspieler“ Cupido. Zwischen diesen beiden Polen, Tod und Liebe, bewegt sich Shakespeares berühmte Liebestragödie „Romeo and Juliet“, die – strenggenommen – gar keine Tragödie ist, denn das klassische Tragödienmotiv, das Scheitern der Helden an ihrer Hybris, fehlt. Was hier den Untergang der Protagonisten herbeiführt, ist eine Verkettung fataler Umstände, taumeln doch die Figuren hilflos in einem Reigen aus sinnlosem Hass. Und bis zum Tod Mercutios gleicht der Aufbau des Stücks den unvergleichlichen Komödien aus der gleichen Feder. 

In dem Sinn überwiegen in der Inszenierung der American Drama Group Europe auch die klamaukigen, derben und frivolen Elemente, auch die wenigen romantischen Aufeinandertreffen des Liebespaares sind eher amüsante Spielchen als emotionsgeladene Liebesszenen. Verstärkt wird dieser Ansatz durch die Besetzung: Natey Jones‘ Romeo ist ein übermütiger, großer Junge, der mit den ganzen Streitigkeiten wenig anfangen kann, nicht, weil er feige wäre, sondern weil es doch viel besser ist, mit den Freunden um die Häuser zu ziehen und mit dem ein oder anderen Mädchen anzubandeln als zu kämpfen. Juliet (Georgie Ashworth) ist ein verspieltes Mädchen, das mit Puppen spielt und mit dem Werben des Grafen Paris total überfordert ist. Die Romanze mit Romeo ist Rettung und neues Spiel zugleich. 

Kein Wunder also, dass in dem Moment, als das Spiel „kippt“, der Tod die Regie übernimmt, die Welt der beiden zusammenbricht. Eindrucksvoll Romeos Wandel: versucht er zunächst, Tybalt friedlich zu stimmen, lässt ihn Mercutios Tod (Jude Owasu) förmlich „rot“ sehen. Tybalt fällt nicht im Gefecht, sondern wird von Romeo förmlich abgeschlachtet. Auch Ashworth Darstellung gewinnt zusehends an Intensität, je mehr es auf das Ende zugeht. Die Gruft-Szene, berührend und erschreckend zugleich. 

Wie immer bei der American Drama Group Europe: Der schnelle Wechsel der Figuren, die Mehrfachbesetzung des kleinen Ensembles und die daraus folgende sehr gute schauspielerische Leistung, wenn auch die hohe atmosphärische Dichte und Intensität, die man bei „Macbeth“ erleben durfte, fehlte. Ebenfalls ein Markenzeichen ist das Einfügen zeitgenössischer Musik, hier beispiels- weise von Liedern John Dowlands. Eine gut umgesetzte, werkgetreue Inszenierung, die trotz mancher Längen, fesseln konnte.

Patricia Eckstein

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