Ammersee Skulpturenweg

Grand Canyon am See

+
Letzte Besprechung vor der Eröffnung: Künstler Thomas Lenhart vor seinem Objekt „Großer Fadenschein“ und Mitinitiatorin Manuela Freifrau von Perfall.

Schondorf – Wer zur Abwechslung mal nicht durch klimatisierte Museen oder trendige Vernissagen flanieren will, sollte sich auf den Weg nach Schondorf machen. Hier erwartet den Besucher der „Ammersee Skulpturenweg“, eine 1,5 Kilome-ter lange Wanderstrecke bis Eching, für die 17 Künstler aus der Region 21 Objekte erschaffen haben, die stimmig in die Landschaft integriert wurden.

Dem staunenden Betrachter öffnet sich am Skulpturenweg ein breites Spektrum an Kunstrichtungen, sowohl ästhetisch ansprechend wie auch ökologisch wertvoll. Aus Materialien wie Metall, Bronze, Aluminium, Glas, Holz, Ästen aus dem Wald und Schwemmhölzern aus dem See sind Objekte entstanden im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten.

Skulpturen von Schondorf bis Eching

Die Erlebnistour in der frischen Herbstluft wurde lange und sorgfältig geplant und geht zurück auf die Initiative von Schondorfs Ex-Bürgermeister Peter Wittmaack, seinen Nachfolger Alexander Herrmann, Gemeinderat Walter Mayer, Künstler Joachim Dürler sowie die Waldbesitzer Manuela Freifrau von Perfall und Benedikt Freiherr von Perfall. Firmen und Geschäfte aus der Region stiegen als Sponsoren ein und ermöglichten so den hochkarätigen Kunstpfad von Schondorf nach Eching. Die nächsten fünf Jahre, solange bleiben die Objekte installiert, werden sicher auch viele kunstinteressierte Touristen den Weg nach Schondorf suchen.

Ausgangspunkt der sinnlichen Wanderung ist die Seepromenade, wo die Anne Frank-Skulptur „Treibgut“ aus Schwemmholzstelen interessante Ausblicke bietet. Wie auch das Objekt „Großer Fadenschein“. Der Schondorfer Metallkünstler Thomas Lenhart hat zwischen zwei gegenüberstehenden Stahlrahmen in einer regelmäßigen Systematik 500 Meter Edelstahlseil scheinbar schwebend eingearbeitet. Blickt man genau durch die Mitte, entdeckt man auf dem anderen Ufer Andechs.

Nach der 3,60 Meter hohen Skulptur „Schwelle“ aus Untersberger Marmor von Thomas Link, ebenfalls mit Durchblick, verlässt der Besucher die Seepromenade und biegt in den Weingartenweg Richtung Eching ein. Neben den Schildern „Durchfahrt verboten“ und „Landschaftsschutzgebiet“ irritiert den Betrachter das Schild „Ende sämtlicher Streckenverbote“, das Axel Wagner mit fünf farbigen Linien zum „Zeichen 282 ½“ erweitert hat. Der Kinderreim „Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten“ verliert bei vielen Kunstobjekten am Skulpturenweg seinen Sinn.

Kunst zum Anfassen und Fühlen sind neben Stahlrahmen und Marmor vertreten zum Beispiel mit Johanna Widmanns Kettensägearbeit „Auftakt“, wo ein Baumstamm die Symbiose von Natur, Mensch und Tierwelt zeigt – dank den Akzenten von pickenden Vögeln. Oder der „Turmbau zu Pappel“ von Hannes Kinau. Die „sägensreiche Arbeit“ besteht aus einem blauen Turm aus vier Ringen, scheinbar planlos aufgetürmt aus einem Stück Holz. Schlicht „Eisentür“ ist die Skulptur am Ende des Weges benannt. Zehn schwenkbare Rahmen bilden die Türe mit geheimnisvollen Ausblicken auf das Seeufer. Alles zum Anfassen.

Man muss die Augen offen halten auf der Wanderung nach Eching. Da hängt plötzlich an den Bäumen ein blaues Boot aus Ästen des Waldes, von Hilde Seyboth gestaltet. Oder eingebettet in einen vertrockneten Bachlauf strahlt einem eine leuchtend blaue „Welle“ aus Holzplanken entgegen, geschaffen von Hans Illner. Überdimensionale detailgenaue Wäscheklammern halten da Bäume… oder umgekehrt, wie Künstler Franz Hartmann fragt. Ein Zaun aus dünnen Ästen durchzieht scheinbar sinnlos einen Bachlauf und regt zum Nachdenken an – zumal Daisy Fischer ihre Installation „Grand Canyon“ betitelt hat… „Magic Mushrooms“ in Gelb und Orange erleuchten in der Dämmerung knorrige Baumstämme. Glaskünstler Harry Zengeler hängte zwischen die Bäume farbige Glasscheiben, imposant kontrastierend zum Grün des Waldes.

Es gibt für Erwachsene und Kinder noch viel mehr zu entdecken auf diesem im Fünfseenland einmaligen Erlebnis- weg unter dem Motto „Die Kunst liegt in der Natur“.

Wer sich der offiziellen Eröffnungswanderung mit den Initiatoren, Künstlern, Gemeinderäten sowie Bürgermeister und Landrat Thomas Eichinger anschließen will, ist eingeladen. Start ist am Mittwoch, 21. Oktober, um 11 Uhr an der Seepromenade in Schondorf.

Dieter Roettig

Meistgelesene Artikel

Aufprall auf Lkw

Buchloe/Landsberg – Ein Unfall auf der A96 bei Wiedergeltingen im Landkreis Unterallgäu hat am vergangenen Dienstag für einen 53-jährigen Autofahrer …
Aufprall auf Lkw

Der Entwurf steht

Landsberg – Die Hochwasserschutzmauern oberhalb der Karolinenbrücke sind 1913 erbaut worden – nach über hundert Jahren sind sie marode und müssen …
Der Entwurf steht

Vollgas auf eisiger Piste

Reichling – Frostiges Motorsportspektakel unter Flutlicht: Am Freitag, 20. Januar, richtet der MSC Reichling wieder die Zugspitzmeisterschaft im …
Vollgas auf eisiger Piste

Kommentare