Keine "Parkstraße"

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Die Altöttinger Straße soll keine Parkstraße sein: Dafür haben sich die Anlieger in einer Versammlung vergangene Woche ausgesprochen.

Landsberg – Es hätte schlimmer kommen können – das war der Tenor am Ende der Anliegerversammlung der Altöttinger Straße, zu der die Stadtverwaltung am Donnerstag ins Sportzzentrum eingeladen hatte. Zwar sind viele Eigentümer über die fünfstelligen Beiträge zum Straßenausbau erschrocken, die auf sie zukommen. Sie erkennen aber an, dass die Stadt „keine Extras“ plant, sondern die Straße im Wesentlichen so belässt, wie sie bisher ist.

Nur drei Änderungen sind vorgesehen. Die Einmündung zur Schwaighofstraße wird umgestaltet, die Gehwege werden wegen des Baumbestands etwas schmäler (was den Beitrag der Bürger leicht verringert) und an den Einmündungen werden barrierefreie Übergänge geschaffen.

Auch die Parkplätze sollen im gleichen Umfang und an den gleichen Stellen wieder entstehen. Das begrüßen die Anlieger, aber sie würden gerne selbst dort parken. Bislang nutzten viele Mitarbeiter des Landsberger Einzelhandels die Altöttinger Straße als kostenlose Parkmöglichkeit. „Sie ist die Parkstraße von Landsberg“, sagten Anwohner. Manche Autos würden dort wochenlang abgestellt; jeden Tag kämen von Neuem Autos mit Augsburger und Mindelheimer Kennzeichen. Tiefbauamtschef Hans Huttenloher blieb nur, diesen Wunsch an Ordnungsamtschef Ernst Müller weiterzuleiten.

Die meisten Anwohner gaben zu erkennen, dass sie die von den Grünen im Stadtrat vorgeschlagene Verkehrsberuhigung nördlich der Hopfengartenstraße nicht wünschen. Dies hat auch finanzielle Gründe: Die Maßnahme würde zu einer Trennung der Abrechnungsgebiete führen; dadurch müssten die nördlichen Anlieger über den bei einer Verkehrsberuhigung ohnehin leicht erhöhten Anteil hinaus mehr zahlen, als wenn die Straße als Einheit behandelt wird. Der Süden würde hingegen um rund 20 Prozent günstiger wegkommen.

Der Stadtrat hatte die Anregung der Grünen zum Anlass genommen, die Planung im nördlichen Teil noch einmal zurückzustellen. Davon profitieren die Anlieger im Süden nun insofern, als die Vorauszahlungsbescheide frühestens im September erlassen werden können. Die Stadt will 70 Prozent der voraussichtlichen Kosten sofort berechnen – „das ist üblich“, sagte Stefan Dacher von der Landsberger Kämmerei.

Bitte Verrentung!

Allerdings befürworten die Anlieger dringend, dass der Stadtrat die Möglichkeit der Verrentung der Beiträge schafft – an der Altöttinger Straße wohnten viele alte Menschen, die nicht mal eben 13.000 Euro und mehr zahlen könnten. Außerdem sei die Verrentung gerechter, wenn ein Grundstück verkauft werden solle. Einen entsprechenden Antrag hatte die UBV wenige Stunden vor der Versammlung in den Stadtrat eingebracht; auch die CSU hält diesen Weg dem Vernehmen nach für richtig.

Dacher machte den Anwesenden hingegen keine Hoffnung darauf, dass die Stadt sich für „wiederkehrende Beiträge“ aller Grundstückseigentümer entscheidet. Am Vortag hatten die kommunalen Spitzenverbände in Bayern erneut dafür plädiert, dass Städte in der Größenordnung von Landsberg wegen der Problematik der Definition der Abrechnungsgebiete beim alten Verfahren bleiben und nicht umsteigen.

Kein Protokoll

Hans Huttenloher, Stefan Dacher und Christian Neumann vom Tiefbauamt bemühten sich erkennbar, alle Fragen zu beantworten und beruhigend auf die Anlieger einzuwirken. Freilich ist nicht vorgesehen, den Bürgern Unterlagen zur Verfügung zu stellen (sie können sie lediglich einsehen); einige Teilnehmer griffen daher zum Smartphone und fotografierten die gezeigten Folien ab. Auch sollte offenbar kein Protokoll über die Anliegerversammlung erstellt werden; auf Anregung der Bürger wird das nun noch einmal überprüft. Viele Anlieger, die an diesem Abend nicht teilnehmen konnten, wären ansonsten aufs Hörensagen angewiesen.

Wozu schlechte Information führt, lässt sich am Beispiel der Johann-Arnold-Straße erkennen. Dort sind allerdings auch wesentlich mehr Umgestaltungen geplant als in der Altöttinger Straße. Huttenloher stellte am Rande der Versammlung klar, dass die Johann-Arnold-Straße nicht in Richtung Hang verschwenkt worden sei; diese Vermutung der Anwohner sei falsch. Klar ist allerdings auch: Mit guter Information und Planunterlagen ließe sich manche Sorge im Vorfeld ausräumen.

Werner Lauff

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