"Lebenshilfe" für beide Seiten

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Gemeinsam feierten Bewohner und Betreuer im privaten Rahmen das zehnjährige Bestehen der Arche Landsberg.

Landsberg – „Das Leben in der Arche in Landsberg unterscheidet sich nicht von dem einer Durchschnittsfamilie“, erzählt Thomas Eggers. Er ist als Assistent in der Einrichtung tätig. Ende August feierte das Haus in Landsberg sein zehnjähriges Jubiläum. Beinahe gleichzeitig übernahm auch ein neuer Gemeinschaftsleiter das Ruder der Arche: Christoph Gewinner trat damit die Nachfolge von Markus Dietl an, der die Arche als Gemeinschaftsleiter aufgebaut hat.

Die Idee der Arche ist es, mit Menschen, die eine Behinderung haben, zusammenzuleben. Die Bewohner und ihre Betreuer leben in Landsberg unter einem Dach in der Erpf- tinger Straße. „Man teilt hier nicht nur das Leben der Bewohner, sondern auch das der Mitarbeiter“, schildert der Heiler­- ziehungspfleger und Theologe Thomas Eggers. Das ist es auch, was die Einrichtung auszeichnet: die familiäre Atmosphäre. Auch der Sozialarbeiter und Religionspädagoge Christoph Gewinner, der seit Anfang Sep­tember als Leiter der Einrichtung tätig ist, kann das bestätigen. Seine ersten Eindrücke sind positiv: „Es ist eine lebendige Gemeinschaft hier, die Bewohner haben mich sofort freundlich aufgenommen“, erzählt Gewinner. 

In dem Haus in der Erpftinger Straße leben derzeit acht Menschen mit Behinderung und vier sogenannte „Hausassistenten“. Jeder der Bewohner hat unter den Mitarbeitern „seinen“ Bezugsassistenten. „Für einige Bewohner ist es sehr wichtig zu wissen, wer heute da ist und ihn betreut“, erklärt Gewinner. 

Besonders gefördert 

Zwei ehemalige Bewohner der Erpftinger Straße sind nun in einem anderen Haus der Arche gleich um die Ecke in der Karlsbader Straße untergebracht. Sie werden dort besonders gefördert und auf ein selbstständigeres Leben vorbereitet. Überhaupt ist die Förderung in der Arche Landsberg sehr wichtig, so Thomas Eggers. Das liegt vor allem daran, dass ausschließlich junge Leute zur Gemeinschaft gehören. Die jüngste Bewohnerin ist gerade einmal 21 Jahre alt, der älteste ist 38. 

Volles Programm 

Alle Bewohner arbeiten Vollzeit in den IWL-Werkstätten in Landsberg beziehungsweise bei Regens Wagner in Holzhausen. „Der Traum vieler wäre ein Job auf dem ersten Arbeitsmarkt“, erzählt Eggers. Doch das gibt der Markt derzeit leider nicht her. Trotzdem: Die Bewohner übernehmen an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz durchaus verantwortungsvolle Aufgaben: Sie fertigen Bohrer und Möbel. Zwei der Arche-Bewohner arbeiten sogar in einem strikten Hygienebereich, wo sie medizinische Geräte verpacken. 

Teilweise machen sich die Behinderten selbstständig auf den Weg zur Arbeit: zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit Bus und Bahn. Andere werden mit einem extra organisierten Kleinbus abgeholt. Nach einem Achtstundentag beginnt für viele dann der „Freizeitstress“, meint Eggers. Jeden Tag stehen andere Aktivitäten auf dem Programm: Walken, Blockflöte, Chor, Schwim­men, Fußball und noch einiges mehr. Für die Betreuer bedeutet das vor allem eines: Organisation. Denn die meisten müssen zur ihren Hobbies gebracht und danach auch wieder abgeholt werden. 

Auch am Wochenende ist immer etwas los in der Arche: Man unternimmt kleine Ausflüge oder Spaziergänge. Außerdem gibt es Angehörigennachmittage, an denen Familien und Freunde zu Besuch kommen und gemeinsam Kaffee trinken. Fester Bestandteil ist einmal im Monat ein Hausgottesdienst. Die Konfession spielt dabei keine Rolle, meint Gewinner. „Gemeinsam ist der Glaube, dass jeder Mensch wertvoll ist“, fügt der neue Gemeinschaftsleiter hinzu. Auch die Mitarbeiter profitieren von dieser Art der Wohngemeinschaft, erklärt auch der Hausassistent Thomas Eggers. „Wir kommen her, um Menschen mit Behinderung zu helfen, aber das bedeutet auch eine Art Lebenshilfe für uns. Die Bewohner haben oft eine andere Sicht auf die Dinge.“

Astrid Erhard

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