St. Florian soll’s richten

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Das ehemals gewerbliche genutzte Gebäude in der Kolpingstraße 26 (rechts) will der Landkreis für die Unterbringung jugendlicher Flüchtlinge nutzen.

Kaufering – In der Marktgemeinde regt sich Widerstand gegen Überlegungen des Landkreises, „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ (umF) in einem bisher gewerblich genutzten Haus in der Kolpingstraße 26 unterzubringen. In einer E-Mail an Landrat Thomas Eichinger, Bürgermeister Erich Püttner und an die Mitglieder des Kreistages sowie des Marktgemeinderates übermittelte Michael Rietig aus der Kolpingstraße insgesamt 48 Unterschriften von Nachbarn gegen die Pläne.

In dem zweiseitigen Papier schreibt der Kauferinger unter anderem, im Landkreis gäbe es ausreichend Gebäude für die Unterbringung. Er verweist auf nicht genutzte Bundeswehrgebäude und auch auf das Nebengebäude des Kauferinger Schwimmbades. Desweiteren liege das Grundstück in einem Mischgebiet. Eine reine Wohnnutzung des derzeit gewerblich genutzten Gebäudes sei im Bebauungsplan nicht vorgesehen. Ein Flüchtlingsheim führe darüber hinaus zu einem „Wertverfall der Grundstücke“.

Ohnehin bietet Michael Rietig alle gängigen Argumente gegen Flüchtlingsunterkünfte auf. „Die erwartete Emissionsbelastung durch die geplanten 24 bis 30 Bewohner aus unterschiedlichen Kulturkreisen, insbesondere der Grundstücke Kolpingstraße 24 und 30, wird als nicht zumutbar erachtet“, schreibt er. Rietig und die Unterzeichner des Papiers fordern den Landkreis auf, vom Ankauf des Grundstückes Kolpingstraße 26 Abstand zu nehmen, keine „Massenunterkunft“ in diesem bisher rein gewerblich genutzten Gebäude zu errichten. Ferner soll keine Containeranlage auf dem freien Grundstücksteil errichtet und von einer Anmietung des Gebäudes soll Abstand genommen werden. Kritisiert wird auch die Informationspolitik: Die Nachbarn seien weder informiert noch einbezogen worden.

Wolfgang Müller, Pressesprecher im Landratsamt, bestätigte, dass überlegt werde, für rund 25 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Kaufering eine Jugendhilfeeinrichtung in Zusammenarbeit mit dem SOS-Kinderdorf-Verein einzurichten. „Selbstverständlich“ werde vorher geprüft, ob die baurechtlichen Voraussetzungen für eine Änderung des bisher als Gewerbehaus genutzten Gebäudes vorliegen. Müller verwies in diesem Zusammenhang auf die jüngste Sitzung des Kreistages (nach KREISBOTEN-Redaktionsschluss), in der das Thema auf der Tagesordnung stehe.

Der Marktgemeinde liegt bisher keine offizielle Anfrage des Landratsamtes vor, so Bürgermeister Erich Püttner in einer E-Mail an Rietig. Derzeit finde im Kreistag eine Prüfung und Entscheidungsfindung statt. „Wir sind nicht Herr des Verfahrens“, betonte Püttner. Er kenne das Thema auch nur als Mitglied des Kreisausschusses. Landrat Thomas Eichinger (CSU) habe ihm aber angetragen, Anfang Juni eine Bürgerinformation zu dem Vorhaben abzuhalten.

„Allerdings ist das ,Florian-Prinzip‘ für die direkt Betroffenen nachvollziehbar, aber leider nicht zielführend. Wir haben nun einmal die gesellschaftliche Aufgabe, für die Menschen, welche bei uns Asyl suchen, eine Lösung anzubieten“, gab der Rathauschef den Beschwerdeführern zu bedenken.

Siegfried Spörer

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