Flüchtlinge im Ortsteil am Lech

Pitzling als "Ghetto"?

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Die Alte Schule in Pitzling steht momentan auf Platz 6 bei der Unterbringung von Asylbewerbern. Bevor dort Flüchtlinge einziehen, tauchten nun in der Bürgerversammlung Bedenken bezüglich der Anbindung an die Stadt auf.

Pitzling – Die Landsberger scheinen momentan ganz zufrieden zu sein: Das lässt sich zumindest daraus schließen, dass die erste Bürgerversammlung zum einen nicht allzu gut besucht war und zum anderen von den Bürgern nicht viele Fragen oder Wünsche vorgetragen wurden. Einzig aus Pitzling tauchte von mehreren Seiten die Frage auf, was die 60 Flüchtlinge denn im Ort machen sollen, wenn es wirklich zu einer Unterbringung in der Alten Schule kommt.

Wenn es bei den aktuellen Hochrechnungen bleibt, müssen bis Ende des Jahres rund 690 Flüchtlinge im Stadtgebiet verteilt werden. Momentan sind etwa 411 Asylbewerber in Landsberg untergebracht. Nach der erst kürzlich beschlossenen Prioritätenliste der Verteilung steht die Alte Schule in Pitzling auf Platz 6, also an vorletzter Stelle.

Es habe keine negative Reaktion auf Flüchtlinge in Pitzling gegeben, meldete sich Ortssprecher Franz Daschner in der Bürgerversammlung zu Wort. Wofür die Pitzlinger aber keine Verständnis hätten, sei: „Was sollen die in Pitzling machen?“ Seiner Ansicht nach habe man das bei der geplanten Verteilung „vergessen“, so Daschner. Ein weiterer Pitzlinger bezeichnete die Unterbringung von Flüchtlingen im Ort als „inhuman“. In dem Ortsteil gebe es weder Einkaufsmöglichkeiten noch Ämter, die Anbindung an Landsberg sei für die Flüchtlinge auch nicht leicht zu bewältigen. Er befürchte gar die Bildung eines „Ghettos“.

Oberbürgermeister Mathias Neuner und Landrat Thomas Eichinger steuerten entgegen: In ähnlich strukturierten Ortschaften wie Bischofsried oder Hurlach gebe es auch keine Probleme, führte Eichinger an. In Bischofsried sei beispielsweise extra ein Busverkehr eingerichtet worden, damit die Asylbewerber Möglichkeiten zum Einkauf bekommen. Für Pitzling sei das nicht einmal nötig, argumentierte auch Neuner: Es gebe eine Anruf-Sammel-Taxi-Verbindung in die Stadt. Außerdem werde man sich wieder bemühen, die Flüchtlinge mit Fahrrädern auszustatten. Und die Fahrradverbindung von Pitzling nach Landsberg sei zudem sehr gut, so der Oberbürgermeister.

Den außerdem eingebrachten Vorwurf, die Pitzlinger hätten keinerlei Informationen erhalten, schwächte Neuner deutlich ab: Der Beschluss sei immerhin ganz neu. Bei der Bürgerversammlung im Ortsteil vor einigen Wochen sei eine Unterbringung in der Alten Schule noch gar nicht im Gespräch gewesen. Wenn es allerdings dazu kommen sollte, werde man selbstverständlich eine Bürgerinformationsveranstaltung in Pitzling abhalten, wie man das auch in allen anderen Orten macht, die Asylbewerber aufnehmen.

Astrid Erhard

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