Asyl-Wohncontainer Iglinger Straße

Niemand weiß, wann sie kommen

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Die Rot-Kreuz-Mitarbeiter bei der Asyl-Planung im Containerbüro an der Iglinger Straße (von links): Renate Grenwelge, Heike Roletschek und Hubert Hirschauer.

Landsberg – Bei der Einquartierung der ersten Asylbewerber am Mittwoch vergange- ner Woche im Containerbau an der Iglinger Straße haben die Helfer mit vielen Problemen kämpfen müssen. Eigentlich sollten es an diesem Tag 28 bis 34 Asylbewerber aus Eritrea sein. Bis Nachmittag waren aber nur fünf der erwarteten Eritreer beim Landratsamt angekommen, wo die Ersterfassung stattfindet. Die Einquartierung von weiteren 30 Flüchtlingen war dann für Montag vorgesehen.

An diesem Mittwochmorgen musste zunächst noch ein Wasserschaden im oberen Stockwerk des Containerbaus be- hoben werden. In eine Lampe war von außen Wasser eingedrungen. Viele der Zimmer sind geflutet und auch die Strom-versorgung ist nicht mehr ohne weiteres möglich. Die Helfer wischen das Wasser weg, ein Elektriker kümmert sich um den Strom. Woher das Wasser genau kam, weiß man noch nicht. Zum Glück wird heute hauptsächlich nur das untere Stockwerk benötigt.

Diplomsozialpädagogin Heike Roletschek von der Asylsozialberatung des BRK kommentiert den Wasserschaden: „Im Moment haben wir hier mit den typischen Problemen eines Neubaus zu kämpfen.“ Während der Elektriker noch die Lampe anschraubt, räumen sie und Renate Grenwelge sowie Hubert Hirschauer vom BRK notwendige Utensilien in die Küchen und Toiletten. Roletschek koordiniert auch die Arbeit der Ehrenamtlichen. 20 haben sich gemeldet, um zu helfen. Zwei junge Frauen sind schon dabei, die Zwei- und Vierbettzimmer mit Mülleimern zu bestücken.

Ein "Welcome"?

Kurz darauf steht eine Anwohnerin vor der Tür: „Ich wollte mal fragen, ob es auch so etwas wie ein Welcome für die Asylsuchenden gibt.“ Roletschek gibt ihr zu bedenken, dass die Menschen, die heute ankommen, sicherlich erst einmal Zeit zum Einleben brauchen. „Man sollte diese Menschen nicht gleich überfordern“, sagt sie, so sehr sie das Angebot der Anwohnerin zu schätzen weiß.

„So etwas wie ein Welcome wird es frühestens im September geben“, meint Roletschek. Auch deshalb, weil die Stimmung einiger Anwohner im Moment angeblich eher abweisend ist, wie ein Ehrenamtlicher berichtet. Zum ersten Informationsabend kamen nur sechs Personen, aber beim zweiten waren schon 20 da. Roletschek glaubt, dass sich die Stimmung noch positiv verändern wird: „Wir haben im Moment eine Zeitenwende. Die Welt wird bunter. Damit sollten wir zurechtkommen“

Das Zweibett-Zimmer im Wohncontainer an der Iglinger Straße.

Dann eine letzte Besprechung im Büroraum, wie der Empfang ablaufen soll. Kulturelle Unterschiede machen es notwendig, die Benutzung von Reinigungsmitteln zu klären. Aufgrund schlechter Entwässerung ist es in vielen Ländern wie zum Beispiel auch in Griechenland üblich, Toilettenpapier in den Mülleimer zu werfen. Roletschek vergleicht das mit ihrem Besuch als Achtjährige in Amerika: Sie konnte die Sprache nicht, kannte niemanden, alles war neu: „Ich hab mich gefühlt wie auf den Mond gebeamt.“

Im nächsten Atemzug bespricht Roletschek die Aufteilung der Migranten auf Küchen und Zimmer, klärt die Schlüsselübergabe. Sie informiert, welche Daten wichtig sind, dazu gehören auch Beruf und Ausbildung. „Vor allem die Hobbys sind wichtig“, gibt sie zu bedenken. Man möchte den Asylsuchenden die richtigen Angebote machen können. Ein Ehrenamtlicher fragt nach der Religion der Asylsuchenden. Größtenteils werden es Christen sein, denen man auch eine Gemeinde bieten möchte. So zum Beispiel Windach, die regelmäßig englischsprachige Gottesdienste abhält. „Schön wäre natürlich, wenn so etwas auch in Landsberg möglich wäre“, sagt Roletschek.

Am BRK-Laden

Um die Mittagszeit steht dann plötzlich einer der Asylsuchenden vor der Tür. Warum er nicht mit den anderen beim Landratsamt zur Ersterfassung ist, weiß niemand. Er spricht weder Englisch noch Französisch. Ein Dolmetscher muss her, den Roletschek über Dritte finden kann. Er wird gleich mit seinem Rad losfahren, sagt er, und vor der Rot-Kreuz-Zentrale warten. Es ist dann aber der Rot-Kreuz-Laden in der Katharinenstraße, weshalb der Dolmetscher erst eine Stunde spä- ter an der Containersiedlung ankommt.

Man braucht eben Geduld und viel Engagement bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge. Die Informationen fehlen teilweise, manche sind sie falsch. Alles wird eben so gut es geht geplant, obwohl niemand genau weiß, wer wann wie ankommen wird. Für alle Beteiligten, Asylsuchende, Rot-Kreuzler, Mitarbeiter des Landratsamtes und Ehrenamtliche, wird es wieder mal ein langer Tag…

Susanne Greiner

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