Conchita Wurst in Dießen

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Sogar Conchita Wurst (alias Birgit Ostermeier) trat beim Faschingstheater des Dießener Frauenbunds auf.

Dießen – „Atemlos und schwindelfrei. Großes Kino für uns Zwei.“ – Wer außer der Theatertruppe des Dießener Frauenbundes kann den marktgemeindlichen Fasching in atemlose Stimmung versetzen: Am Premierenabend haben die „coolen Frauenbündlerinnen“ mal wieder die Bühne im Drei Rosen-Saal kraftvoll gerockt. Alltagskomik, Tanzerei, Singerei, Spitzfindigkeiten, Ortspolitik - nichts haben sie verschont und letztlich noch Superstars auf die Bühne geholt. Ein Feuerwerk von Ideen brannte ab und das Publikum leuchtete auf: „Es ist immer unser ganz persönlicher Faschingshöhepunkt“, hörte man. „Eine heiße Nacht, auf die wir uns freuen und von der wir lange zehren“, meinten andere. 100 Besucher verschwanden nach einem dreistündigen Unterhaltungsmarathon mit einem Lächeln in der kalten Winternacht.

Große Bälle, Revuen in legendären Bars und prächtige Kostüm-Konkurrenzen sind leider Vergangenheit am See. Aber das Faschingstheater vom Dießener Frauenbund ist und bleibt berühmt. Rund um den See. Wenn der Vorverkauf beginnt, schellen die Telefone schon frühmorgens, damit man für die sieben Veranstaltungen auch ja eine Karte ergattert. Und die ist kostbar. Heuer allein schon wegen der Begegnung mit Conchita Wurst und Helene Fischer. Sogar der größte Entertainer aller Zeiten schaute noch kurz vorbei – posthum haben ihm die Dießener Schauspielerinnen noch die Ehre geben. Als sie ihren Spielplan festzurrten, rechneten ja alle noch mit einem Udo Jürgens-Gastspiel in Deutschland. Aber daraus ist nichts mehr geworden. Umso mehr Applaus für „Aber bitte mit Sahne“.

Yoga im Kornkreis

Viele trauten ihren Augen nicht, als Tom Neuwirth auf der Bühne erschien. Der österreichische Travestiekünstler, der als Conchita Wurst mit „Rise like a Phoenix“ den 59. Eurovision Song Contest in Kopenhagen gewann, hauchte in Dießen ins Mikrofon. Die androgynen Bewegungen, die dunkelrote Glitzerrobe und die Körperbehaarung des Doubles (alias Birgit Ostermeier) waren vom Original kaum zu unterscheiden.

Auch das blonde Showtalent aus Krasnojarsk (als Kind von Sibirien nach Deutschland übersiedelt) raubte dem Publikum den Atem. Unverkennbar Helene Fischer – nicht nur, weil sie atemlos durch die Nacht eilte, sondern weil Petra Rauch einfach unschlagbar in die Rolle von Deutschlands derzeit wohl berühmtester Entertainerin geschlüpft ist. Unterschied? Nur für die Plätze am vorderen Bühnenrand erkennbar.

Als Udo Jürgens saß Margot Grötz hinter dem weißen Flügel. Sie ist bekannt als Andreas Gabalier und Hansi Hinterseer – jetzt kommt sie bei der Zugabe im weißen Bademantel auf die Bühne.

Große Stars und kleine Alltagsszenen. Da bleibt kein Auge trocken, wenn die Frauen vom Ammersee auf der Suche nach Kerls sind. Großartig natürlich immer wieder Resi Gerum, die schauspielernde Wirtin aus Dettenschwang, die wieder einmal das untere nach oben kehrt, um ihren Fritz zu erotisieren, der auf dem heimischen Kanapee schon lange nicht mehr hinschaut, was seine Angetraute unterm Dirndl trägt. Selbst die neuen XXXL-Spitzendessous lassen ihn kalt.

Weniger kalt geht’s im Raistinger Kornkreis zu. Da wird’s den neugierigen Dießnerinnen ganz schön heiß, wenn sie ihren Raistinger Frauenbunds-Kolleginnen folgen. Obwohl sie „der ganze Esoterik-Krampf ja gar nicht interessiert“, schauen sie doch mal vorbei und lassen sich einführen in Yoga unter dem Zeichen derer, die für die Vermarktung des Kornkreises zuständig sind. Schnell merken sie, dass die Mistgabel-Stellung, der Stierschwanz, oder die Kuhstalltüren-Variante beim Yoga ganz schön anstrengend sind.

Stammtische, Schullehrer, das Hohe Gericht oder der Pflegenotstand werden unter die Lupe genommen, auseinandergepflückt, belächelt, kritisiert und kommentiert. Lachsalven, wenn sich der Vorhang senkt. Im Handbetrieb natürlich, wie auch die Kulissen, Kostüme und Requisiten mit dem Charme des Improvisierens begeistern. Als nach gut drei Stunden langsam aus ist, ist die Theatertruppe sicher, dass „Da Kas‘ gessen ist.“ Doppeldeutig: einmal, weil die Kommunalwahl gelaufen ist im letzten Jahr und wir in Dießen jetzt noch fünf Jahre auf neue Chancen warten müssen und zum andern: Das Theater ist aus. Hans Thiess packt die Ziach z’am, mit der er den ganzen Abend über das Bühnengeschehen begleitet und in den Pausen mit Ohrwürmern, Schlagern, die immer Schlager bleiben werden (Rote Lippen soll man küssen, Aber dich gibt’s nur einmal für mich) zum Mitsingen und Mitschunkeln animiert hat.

Im Saal gehen die Lichter aus und die Stars des abends sind glücklich: Weder Pleiten, Pech noch Pannen bei der Premiere. Der Frauenbund ist einfach große Klasse, die monatelange Vorbereitung hat sich gelohnt. Dießen sagt danke an die Mitwirkenden Resi Gerum, Margot Grötz, Brigitte Haugg, Birgit Ostermeier, Brigitte Preußer, Petra Rauch, Irmi Reitinger, Edeltraud Scheidl und Maria Steinle. Danke an Hans Thiess für die Musik, an Luise Metz für Haare und Maske, an Susanne Emmersberger für Choreographie und Ramona Schweiger für die Gestaltung des Programmblattes.

Gespielt wird täglich bis Freitag, 13. Februar.

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