Ganz besondere Anziehungskraft

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Künstlerin Rita de Muynk demonstrierte bei der Ausstellungseröffnung, wie es sich anfühlt im Schwarzen Loch zu verschwinden.

Dießen – Mit der Ausstellung „Das Schwarze Loch“ hat der Heimatverein Dießen an den letzten beiden Wochenenden einmal mehr gezeigt was er kann. Initiator der Schau in der Grafischen Kunstanstalt Huber, im Taubentrum und im Traidtcasten war der Fotograf, Grafiker und 2. Vorsitzende des Vereins, Jörg Kranzfelder. Mit seinen fotografischen Arbeiten möchte er „eine andere Sicht auf normale Dinge“ eröffnen. Das gelang ihm auch mit der aktuellen Ausstellung, durch die ein altes, umstrittenes Gebäude durch Kunst neu belebt wird.

Ähnlich wie die schwarzen Löcher in unserer Atmosphäre scheint auch der Heimatverein über eine ganz besondere Anziehungskraft zu verfügen. Allerdings werden Künstler die sich dem Verein nähern, nicht restlos verschluckt und zu hochkomprimierter Materie verdichtet, sondern sie erhalten eine angemessene Plattform, um ihre Arbeit zu präsentieren – wie die über 20 Maler, Bildhauer und Performance-Künstler, die sich an der jüngsten Ausstellung beteiligten.

Fast annähernd so geheimnisvoll wie das astronomische Phänomen der schwarzen Löcher, die in den vergangenen Jahren viele Künstler zu eigenen Interpretationen und Deutungen inspirierten, wirken die stillgelegten Produktionsflächen der Grafischen Druckanstalt Huber, zu denen die Gemeinde als Verwalterin des Gebäudes den Künstlern Zutritt gewährte.

In der Druckerei Huber, die seit 2003 leer steht, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vergangenheit, Gegenwart und moderne Kunst verschmelzen auf geheimnisvolle Weise zu einer ganz eigenen Atmosphäre. Im Erdgeschoss begegnete der Ausstellungsbesucher unter anderem einer Arbeit von Ben Goosens. Sein Video „Cosmic Vortex“ lenkt den Blick weit hinaus. Die Welt ist rund, aber die Zeit ist ein Strudel und der Kosmos ihr Material. Ein hypnotischer Wirbel, der den Betrachter mit auf die Reise nimmt.

Konkret wird der junge Bildhauer Josef Pleier. Er veranschaulicht Physik in Stein- oder Holzskulpturen. Eine runde Holzku­gel, mit 370 Metallstäben bestückt, zeigte die Entfernung der hellsten Sterne, die im Jahresverlauf von Süddeutschland aus sichtbar sind. Während man moderne Installationen, Videos, Fotografie, Malerei, Zeichnung, Skulptur und Performance auf sich wirken ließ, stapelten sich in Ecken und Winkeln die Hinterlassenschaften der früheren Nutzungsgeschichte, vergammelter Bürobedarf, kaputte Werkzeuge oder einfach nur Müll, der von den Ausstellungsmachern mit rotweißen Absperrbändern und der Aufschrift „Achtung! Weltraumschrott unbekannter Herkunft“ versehen wurde. Eine ganz eigene Performance.

Zu den zentralen Arbeiten die im Taubenturm zu sehen waren auch die „geostationäre Raumfahrt“ von Hans Olsen. Zwischen räumlich-visueller und zeitlich-akustischer Regelmäßigkeit schuf Olsens Installation eine irritierend und zugleich elegant kühl gestaltete Erfahrungsmöglichkeit. Das zentrale, den Raum bestimmende Objekt der Arbeit ist ein kreisrundes Bett. Es funktioniert als drehender Zeiger, der die Umlaufbahnen der Himmelskörper über unseren Köpfen erfahrbar werden lässt. Ob man sich im Bett liegend auf die Spuren eines Satelliten, des Mondes oder der Venus heften möchten ist frei wählbar.

Zur Ausstellungseröffnung im Traidtcasten war auch „Das Schwarze Loch“ in der Gestaltungsvariante der Künstlerin Rita De Muynck zu sehen, das aus einer riesigen, mit Weltraumfarbe bemalten Baumscheibe gestaltet wurde. Es korrespondierte mit einer Bildtafel, auf der geschrieben steht: „Jedes Geschöpf sondert seine eigene Leere ab / die im Weltall dunkle Materie bildet, bis dieses vollgerotzt ist.“ Man muss sich nicht unbedingt einen Weltraumflug leisten können, um ein atmosphärisch angehauchtes Abenteuer zu erleben.

Ursula Nagl

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