Ein Audi A8 soll’s schon sein

Lass’ sie nur kommen… Cartoon: Pfeffer

Was hat eine Finanzaffäre mit einem Luxusklassewagen zu tun? Vordergründig rein gar nichts, hin­tergründig aber doch ein wenig – zumindest in der Lechstadt. Dort nämlich war der Derivatenskandal ein „Weckruf für alle möglichen Gegenkandidaten“, sagt SPD-Kreisvorsitzender Dr. Albert Thur­ner im Hinblick auf die OB-Wahl. Eine „wohlfeile demokratische Übung“ sei’s, doch dränge sich da auch die Frage nach Qualifikation und Kompetenz auf. Thurner sieht ein Wettrennen zwischen einem Audi A8 (Lehmann) und „einigen kleineren Volkswagen“ – Tillmann, Lembeck, Neuner und Hartmann.

Dieses Bild Dr. Thurners stieß nicht bei allen 160 Gästen des SPD-Neujahrsempfanges im Rathausfestsaal auf Wohlgefallen. Selbst Amtsinhaber Ingo Lehmann, der aktuell im Dienst nur einen Mercedes fährt, sieht sich eher als „Ackergaul oder Rennpferd“. Immerhin zeigte der Gastgeber gewisse Sympathien für VW Polos oder Käfer, „aber wenn man gut und vor allem zuverlässig vorankommen möchte, dann empfehle ich doch den Audi.“ Wer sich ungeachtet dessen lieber eines Klein- oder Mittelklassewagens bediene, müsse bald zusehen, wie ihn die anderen überholen, so der SPD-Kreis­vor­sitzende. Und die nächste Fahrt, sprich Amtszeit, könne gleich acht Jahre dauern, sofern Lehmann nicht wiedergewählt wird. Doch mit diesem Gedanken wollen sich die Sozialdemokraten nicht tragen. Andere Städte würden sich laut Thurner die Finger nach einem Oberbür­ger­meister abschlecken, der nach zwölf Jahren im Amt eine Arbeits- und Erfolgsbilanz wie Ingo Lehmann vorlegen könne. Und daran ändere auch die Finanzaffäre nichts. Lehmann werde „unbeschadet“ aus den Untersuchungen der Landesanwaltschaft hervorgehen. Sehr optimistisch gehe die SPD Landsberg in die bevorstehenden Wahlkämpfe. „Bessere Akteure und bessere Inhalte“, das gelte nicht nur für Landsberg, sondern gleichermaßen für die beiden anderen Bürgermeisterwahlen. In Schondorf habe die SPD mit Amtsinhaber Peter Wittmaack einen Kandidaten, der sich in seiner ersten Amtszeit „große Anerkennung weit über die eigene Person“ hinaus erworben habe. Und in Kaufering kandidiere mit Thomas Salzberger ein „Verwaltungs- und Haushaltsexperte“, wie ihn die Gemeinde jetzt sehr gut brauchen könne. Mit seiner sympathischen, verbindlichen Art sei Salzberger zudem in der Lage, so manche politische Gräben wieder zu schließen. Sachkundige und kompetente Bürgermeister hätten die beiden Gemeinden und die Lechstadt verdient, so Thurner, schließlich stünde große Herausforderungen an: Ausbau der Kinderbetreuung, Veränderungen im Bildungssystem, demografischer Wandel, weiter wachsende Verkehrsprobleme, Klimawandel und die Energiewende. Letztere stand im Mittelpunkt des Neujahrsempfanges, hatten die Sozialdemokra­- ten doch den Kaufmännischen Geschäftsführer der Stadtwerke München GmbH, Dr. Florian Bieberach, zum Referat geladen. Unter dem Titel „Starke Stadtwerke – Kommunen als Betreiber der Energiewende“ zeigte er die Spielräume von Städten und Gemeinden auf. Zuvor hatten die Abgeordneten Klaus Barthel (MdB) und Kathrin Sonnholzner (MdL) sowie OB Lehmann ihre Grußworte an die Neujahrsgäste gerichtet. Das Stadtoberhaupt ging dabei nur kurz auf die Finanzaffäre ein. Sein Fehler sei es gewesen, zu viel Vertrauen in Mitarbeiter gehabt zu haben. Aber Vertrauen sei nötig, denn mit absoluter Kontrolle, soweit sie überhaupt möglich sei, würde man jede Motivation und jede Kreativität ersticken. Dies bestätigte auch Dr. Bieberbach: Kommunale Unternehmen wie die Stadtwerke könnten nur erfolgreich arbeiten können, wenn sie die nötigen Freiräume hätten und OB und Stadtrat nicht ständig hineinregierten, sondern der Arbeit und der Kompetenz der Verantwortlichen vertrauten.

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