Aufgebrezelt und abgezockt

Anfangs sehen sich Petra (Friederike Hartwein), aber auch Maren (Marisa Wienert) und Lilly (Jana Weers) bereits als coole Moderatorin einer neuen Trendfashionmusicshow. Zu guter Letzt werden aber nur jene Augenblicke, in denen sie beim TV-Casting die Fassade fallen lassen, zu einem billigen Trailer verwurstet – für eine Show, die eine Andere moderiert.

In seinem Jugendtheaterstück „Creeps“ erzählt Autor Lutz Hübner wie aus Möchtegern- Medienstars im Handumdrehen Medienopfer werden. Die Theaterwerkstatt des Landheimes Schondorf machte daraus „Creeps meets Schiller – ein Experiment“, und brachte das Thema temporeich und mit viel Musik auf die Bühne. Schließlich, so Deutschlehrerin Sabine Flad-Miltner im Gespräch hinter der Bühne, wollten auch ein paar Jungs bei der diesjährigen Produktion mitspielen, die neben vier Frauenrollen allerdings nur eine Männerrolle vorsah. Und da kamen der alte Moor (Philip Weinert), seine Söhne Franz (Marc Bernreuther) und Karl (Ruben Schlembach) sowie dessen verführerischer Freund Spiegelberg (Philip Weinert) aus Schillers Drama „Die Räuber“ als Studiogäste gerade recht. Denn wo lässt sich ein Vater-Sohn-Konflikt besser plattwalzen, als in einer Reality-Show – schließlich machen Medien, insbesondere private Fernsehsender, wie nie zuvor Jagd auf menschliche Schicksale und Emotionen. Um diesen Stoff, aus dem die zeitgenössische Massenunterhaltung besteht, zu liefern, müssen die Hauptdarsteller von „Creeps“ durchweg bühnenwirksam Federn lassen: Es geht unter die Haut, wenn Franz seinen Bruderhass im Schillerschen O-Ton von der Bühne rappt oder wenn die 17-jährige Lilly, völlig abgeklärt ihre vermeintliche Konkurrentin Petra anraunzt: „Was ist das hier? Happy Hippos? Das ist la grande Verarsche. Wenn du das nicht checkst, ist das eine Nummer zu groß für dich.“ „Verarscht“ wurden letztlich alle drei – die schicke, coole Lilly, die sich gerne als angehende Journalistin ausgibt, ebenso wie Petra oder Maren: Im Personalityshow-Fake outet sich Lilly als vereinsamte, shoppingsüchtige Tochter aus reichem Hause. Maren, die Gefühlvolle mit Ökotick, trällert für ihre alleinerziehende Mama „I´ll allways love you“ ins Mikrophon: Bald weiß nicht nur Mama, sondern die ganze Nation, dass Maren auch heuer das Klassenziel nicht erreichen wir. Und Petra, „Miss Big Apple“ und Kumpeltyp aus „Karl-Marx-Stadt“, so das zynische Regieteam (Lena Drotleff und Laurin Pfau), die das Wort „Lohfparade“ nicht nach Wessi-Manier aussprechen kann, liefert in einem provozierten Wutanfall endlich die gewünschte frustrierte Ossi-Mieze für den Trailer. Ziel erfüllt „Creeks meets Schiller“ ist ein kurzer, aber extrem vielschichtiger Bühnentext. Die jungen Darsteller der Landheim-Theaterwerkstatt sind ihm – in der Regie von Sabine Flad-Miltner – auf wunderbar unterhaltsame Weise gerecht geworden. Und so hat sich einmal mehr ein Ziel der Theaterwerkstatt – nämlich in eine Rolle zu schlüpfen, dabei Neues zu lernen, Vieles zu verstehen und gleichzeitig die Zuschauer zu unterhalten – erfüllt. Applaus!

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