Landsberger Orgelsommer feiert Jubiläum

Eine Sommernacht mit Orgel-Gala

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Johannes Skudlik: „In der Orgelwelt ist Landsberg eine feste Größe und ein bekannter Name.“

Landsberg – Bei der „Jubiläumsgala“ zur Eröffnung des 30. Landsberger Orgelsommers am 20. Juni wird auch festliche Barockmusik an allen drei beteiligten Orgeln erklingen. Der KREISBOTE unterhielt sich darüber mit Johannes Skudlik; ihm obliegt nicht nur die Leitung, er hat sich auch das Gesamtkonzept erdacht.

Herr Skudlik, warum startet der Orgelsommer in diesem Jahr mit einer abendlichen Gala?

Skudlik: „30 Jahre müssen gefeiert werden! Wir sind durchaus stolz, dass sich der Orgelsommer aus bescheidenen Anfängen mit jährlich fünf Konzerten über die Jahre zu einer überregional bekannten Konzertreihe entwickelt hat, die jedes Jahr nicht nur zwischen 1500 und 2000 Besucher in die Stadtpfarrkirche lockt, sondern auch renommierte Interpreten aus der ganzen Welt, die gerne in unsere schöne Stadt kommen und alle von der Orgel in der Stadtpfarrkirche schwärmen. In der Orgelwelt ist Landsberg eine feste Größe und ein bekannter Name.“

Was gibt es Besonderes bei der Gala?

Skudlik: „Die Maxime, die für den Orgelsommer grundsätzlich gilt, nämlich den gesamten Reichtum der Orgelliteratur auf hohem Niveau abzubilden, die unvergänglichen Schätze ebenso wie immer wieder neue Überraschungen, diese Maxime gilt natürlich auch für die Gala. Wir haben also fünf renommierte Organisten da, die solistisch und mit Kammermusikpartnern spielen und auch die hohe Kunst der Improvisation vorführen. Ausgesprochen exotisch wird der Besuch von Boudewijn Zwart und seinem riesigen Carillon mit 50 Bronzeglocken, der Originalwerke spielen wird und auch Bearbeitung bekannter Werke mit mir zusammen im Duo. Ziemlich spekta- kulär wird auch das Finale.“

In der Stadtpfarrkirche mit vier Orgeln…

Skudlik: „Genau. Die Überlegung war: Wenn man schon so viele tolle Musiker beieinander hat, sie auch zusammen musizieren zu lassen, zum Beispiel das immer wieder begeisternde Konzert für vier Cembali und Streicher von Bach, das wir mit vier Truhenorgeln spielen. Es gibt außerdem ein Werk für vier Orgeln, vier Trompeten, vier Hörner und Pauke aus dem Jahr 1787, das der Trompeter Otto Sauter ausgegraben hat und das wir in Landsberg als Erstaufführung in moderner Zeit darbieten. Auch die Bläser sind hochkarätig besetzt, sie kommen unter anderem von den Berliner Philharmonikern und dem Chicago Symphony.“

Deshalb das Zwillingswerk von Enjott Schneider?

Skudlik: „So ist es. Ich habe ihn gebeten, quasi ein Zwillingswerk für die gleiche Besetzung zu schreiben, das hat er dann gemacht und gleich noch eine Stimme für Flöte und einen Streichersatz dazu komponiert, so dass wir uns im Finale zu neunzehnt im Zentrum der Kirche versammeln und das Werk aus der Taufe heben. Darauf freue ich mich besonders. Das Programm wird vom BR mitgeschnitten, daran sieht man auch, dass es nicht alltäglich ist, was wir hier bieten.“

Thierry Escaich aus Paris wird als „Stargast“ angekündigt…

Skudlik: „Nun ja, eigentlich widerstrebt es mir, aus den vielen tollen Kollegen einen Musiker besonders hervorzuheben, aber Escaich ist wirklich einer der Größten, die derzeit in Sachen Orgel unterwegs sind. Ich kenne ihn seit vielen Jahren – er war auch 2003 schon einmal mit einem Abendkonzert in Landsberg – aber letztes Jahr war ich für eine längere Fortbildung in Paris und hatte dort Gelegenheit, ihm sozusagen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Wenn er nicht gerade auf Reisen ist, spielt er jeden Sonntag die Messe in Saint-Etienne-du-Mont, wo er als Titularorganist Nachfolger des legendären Maurice Duruflé ist. Ich war oft bei ihm auf der Empore, und es ist wirklich spektakulär, wie er mit seiner Liedbegleitung und mit Improvisationen dort den Gottesdienst bereichert.“

Durften Sie auch seinen Unterricht mitverfolgen?

Skudlik: „Ja, auch in diesen Genuss kam ich. Mehr noch, ich habe bei seinem Unterricht am Conservatoire national supérieure hospitiert, und das war noch beeindruckender. Ungemein inspirierend, wie Escaich seine Kunst an seine Schüler weitergibt. Da konnte ich wirklich hautnah erleben, wie lebendig die Kunst des Orgel- spiels ist, wie sie einerseits die Tradition hochhält und sich andererseits zeitgemäß wandelt. Auch wenn es eine Nische im klassischen Konzertbetrieb ist, in Frankreich genauso wie in Deutschland und überall.“

Und was wird Escaich bei der Gala spielen?

Skudlik: „Er spielt zu Beginn um 20 Uhr in der Stadtpfarrkirche eigene Werke – er ist nebenbei auch einer der renommiertesten zeitgenössischen Komponisten, nicht nur für Orgel – und um 21:40 gibt es noch eine halbe Stunde Improvisation. Die Themen werden übrigens kurz vorher aus Publikumswünschen ausgewählt. Und: Wer ein musikalisches Thema hat, das er Escaich und seiner fast magischen Improvisationsgabe anvertrauen will, soll einfach eine kurze E-Mail an mail@landsbergerkonzerte.de schreiben.“

Die gesamte Orgelgala findet in drei Kirchen statt?

Skudlik: „Ja, außer in der Stadtpfarrkirche gibt es auch Konzerte in der wunderbar intimen Atmosphäre der Johanniskirche sowie in der Klosterkir- che, die eine kleine, aber feine und original erhaltene romantische Orgel beherbergt, die leider meistens im Dornröschen- schlaf versunken ist…“

Also quasi eine Orgelnacht?

Skudlik: „Das Prinzip ist das gleiche wie bei unseren Klassik-Nächten, Konzerte im Zeittakt in der Innenstadt. Aber wir wollen den Begriff ,Nacht’ nicht überstrapazieren, der mittlerweile ziemlich inflationär verwendet wird… Und ,Gala’ trifft es ja genauso: den ganzen Reichtum der Musik, stiller Glanz und rauschende Pracht. Das Programmheft steht übrigens schon seit einiger Zeit auf unserer Homepage www.landsbergerkonzerte.de. Da kann man sich jetzt schon einlesen und auf den 20. Juni freuen.“

Herr Skudlik, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg!


Barocker Festschmaus


Bei der Jubiläumsgala am Samstag, 20. Juni, die ab 20 Uhr den „30. Landsberger Orgelsommer“ einläutet, wird auch festliche Barockmusik an allen drei beteiligten Orgeln erklingen. Der KREISBOTE verlost dafür 3x2 Eintrittskarten.

In der Johanniskirche spielt der Bad Kissinger Stadtkantor Burkhard Ascherl an der Truhenorgel zwei Orgelkonzerte von Händel und wird dabei in kammermusikalischer Intimität von einem exquisit besetzten Streichquartett begleitet (Julia Dausacker, Christiane Hörr, Nathalie und Andreas Schmalhofer). Dazu noch eine virtuose Kirchensonate von Mozart – und fertig ist eine halbe Stunde köstlicher musikalischer Kurzweil.

In der Klosterkirche musizieren ein Organist und drei Trompeter zusammen. Die Klang- brillanz des weltweit renommierten Trompetenvirtuosen Otto Sauter mit seiner Piccolo-Trompete zeigt sich in zwei selten gehörten Barocksonaten von Molter und Telemann. Die Trompeter Franz Wagnermeyer (Wien) und Marek Zvolanek (Prag) finden sich mit dem Organisten Roberto Marini zu einer funkensprühenden Trioso- nate des italienischen Barock von Franceschini zusammen.

Auch im großen Finale in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt kommt Barockmusik zu ihrem Recht. Johann Sebastian Bach hat aus einer Vivaldi-Vorlage für vier Violinen sein berühmtes Konzert für vier Cembali gemacht, das auch in der Fassung für vier Orgeln und Streicher nichts von seiner glitzernden Klangpracht verliert. Roman Perucki, Roberto Marini, Jürgen Geiger und Burkhard Ascherl, alle vier meisterhafte Virtuosen, treten in einen musikalischen Wettstreit der perlenden Läufe, Triller und Akkorde, dass es eine Freude ist.

Das ausführliche Programm der Jubiläumsgala mit allen Konzerten ist auch im Internet auf www.landsbergerkonzerte.de einsehbar. Karten gibt es im Vorverkauf beim KREISBOTEN Rossmarkt 195 in Landsberg, und, sofern noch vorhanden, an der Abendkasse.

Karten zu gewinnen

In Zusammenarbeit mit den Landsberger Konzerten verlost der KREISBOTE 3x2 Eintrittskarten für die Orgel-Jubiläumsgala am Samstag. Wer gewinnen will, sollte bis Freitag, 19. Juni, 12 Uhr unsere Hotline (50 Cent pro Anruf aus dem dt. Festnetz-Mobilfunkpreis ggf. abweichend) wählen und das Lösungswort „Barocker Festschmaus“ nennen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


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