Hasenjagd im Regen

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Wird das Bett in dieser Nacht gebraucht? Noch sind Léontine (Petra von der Beek) und Moricet (Steffen Reuber) unschlüssig.

Landsberg – Ein Mann betrügt seine Frau, geht angeblich zur Jagd. Der Hausfreund liebt die Ehefrau und wittert daher seine Chance, die Frau ist bereit, sich zu rächen. Eine klassische Komödienkonstellation, von Georges Feydeau (1862 – 1921) als turbulentes Vaudeville geschrieben, von Roberto Ciulli in ein kühles Drama verwandelt, eine unbarmherzige Vivisektion bürgerlicher Moral.

Es regnet, unaufhörlich, auf einer transparenten Wand im Bühnenhintergrund perlen die Tropfen, bilden kleine Rinnsale. Umso absurder: Auf einem ebenfalls transparenten Tisch werden Gewehrkugeln für die anstehende Jagd vorbereitet. Dass die Jagdausflüge von Duchotel (Albert Bork) nur ein Vorwand sind, ahnt man bereits, dass diese Tatsache dem „Freund des Hauses“ Moricet (Steffen Reuber) nur allzu recht ist, ebenfalls, erhofft der sich dadurch ein Rendezvous mit Duchotels Gattin Léontine (Petra von der Beek). Aus dieser scheinbar einfachen Dreierkonstellation ergibt sich ein heilloses Chaos, das nach Klamotte klingt, nach Versteckspielen, nach schlagenden Türen, wenn, ja wenn… 

Wenn der Regisseur nicht Roberto Ciulli heißen würde. Ciulli, der konsequent das Tempo drosselt und die Temperatur hinunterkühlt, von hitzigen Liebeswirren oder gar Leiden- schaft nichts zu spüren, hier ist nur noch Kälte und Kalkül, absurde Situationen prallen auf Dialoge, die durch lange Pausen den Blick auf emotionale Abgründe eröffnen – Ionesco trifft Ibsen. Eine Gratwanderung, die funktioniert; funktionieren kann dank überzeugender Darsteller, die die Balance zwischen Sachlichkeit, Absurdität und Komik in allen Facetten auszuspielen wissen. 

In Gegensatz zu der betonten Nüchternheit setzt Ciulli auch in dieser Inszenierung kleine surreale Elemente, Traumsequenzen, Menschen mit Tierattributen, und komponiert aus alldem einen absurden Reigen, einen ganz eigenen Danse Macabre. Denn die Handlung dreht sich im Kreis. Nach den unzähligen Verwicklungen, dem Zusammentreffen in einer Pariser Absteige, dem Vertauschen von Hosen und Schlüsseln treffen die Akteure wieder in der Wohnung der Duchotels aufeinander, der schöne Schein wird gewahrt, bis zum nächsten Mal?

Patricia Eckstein

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