Auftrag erfüllt

Linde Koch, Vorsitzende und „gute Seele“ des AKE. Foto:AKE

Weil sich keine Kandidaten für den Vorsitz finden, geht der AKE-Kindergarten ab Januar 2012, im 40. Jahr seines Bestehens, aus seiner Vereinsstruktur in städtische Obhut. Erstmals übernimmt damit die Stadt Landsberg die Trägerschaft für einen Kindergarten. Da sich Personalmehrkosten und Fördermittel kompensieren, wird es laut Stadtkämmerer Manfred Schilcher „keine zusätzliche Haushaltsbelastung im Jahr 2012“ geben.

„Vorbei sind die Zeiten“, freut sich Linde Koch, Gründungsmitglied und langjährige Vereinsvorsitzende der Elterninitiative Arbeitskreis kritischer Eltern und Erzieher e.V. (AKE), „in denen Mütter Kindergärten gründen mussten, wenn sie ihren Nachwuchs gut untergebracht und betreut wissen wollten“. Gerademal acht Einrichtungen habe es im Gründungsjahr 1972 in der Stadt und im Landkreis gegeben. Ganz am Anfang, erinnert sich Koch, sei damals die Diskussion um die „Fremdbetreuung“ von Kindern gestanden und nicht immer sei man dem Ansinnen der Frauen mit seriösen Argumenten begegnet. Heute lacht die über 70-Jährige über den Bürgermeister einer großen Gemeinde, der die Einrichtung eines Kindergartens mit den Worten ablehnte: „Ich baue doch keinen Kindergarten für die faulen Weiber, die bloß im Liegestuhl liegen wollen“. 15 Jahre später hat er ihn doch gebaut; und nicht nur er folgte „dem Druck der Straße“. Inzwischen gibt es über 60 Kindergärten in Stadt und Landkreis Landsberg. Eine Vorreiterrolle übernahm der AKE, noch im Gründungsjahr, mit der Einrichtung eines Schulkindergartens für Sechsjährige, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht eingeschult werden konnten. Auch der wird von der Stadt weitergeführt. „Das war uns ganz wichtig“, betont Koch, „davon gibt es nur noch ganz wenige“. Tupfengenaue Übergabe „Anders als die Anderen“ war der AKE seit jeher personell gut besetzt „und wird es bleiben“. Diesen „Bestandsschutz“ bestätigt auch Landsbergs OB Ingo Lehmann. Und sein Stadtkämmerer, Manfred Schilcher, beeilt sich hinzuzufügen, dass zumindest im Anfangsjahr, die neuentstehenden Personalkosten durch Fördermittel vollständig kompensiert seien. „Das heißt, dass es für den städtischen Haushalt vorerst keine Zusatzbelastungen geben wird“. Für die je 25 Kinder einer Gruppe sind im AKE immer eine Erzieherin und eine Kinderpflegerin verantwortlich. Sollte eine der beiden ausfallen, springt sofort eine Ersatzkraft aus dem Aushilfepool ein. „Nach der offiziellen Regelung sei es noch immer erlaubt, dass eine Erzieherin bis zu sechs Wochen lang alleine mit einer Kindergartengruppe bleibt“, entrüstet sich Linde Koch, und gibt zu bedenken: „Auch Erzieherinnen haben menschliche Bedürfnisse!“ Während der Schulzeiten hat sich das AKE-Personal strikte Urlaubssperre auferlegt. „Wir müssen da sein, wenn unsere Kinder da sind“, heißt das Motto. Auch das war „nicht verhandelbar“. Da bei allem betriebenen Aufwand die Einrichtung sehr gut dastehe, habe die Stadt sie „tupfengenau“ übernommen. Auch weiterhin werden deshalb die Kinder täglich von „ihren Köchinnen“ mit frisch zubereiteten Gerichten versorgt werden. Ein großes Geschenk Egal, mit welchem Sachbearbeiter man zu tun gehabt habe, die Stadt sei in all den Jahren immer hilfsbereit gewesen, darin waren sich auf der Mitgliederversammlung des AKE im vergangenen Mai alle einig. Und auch, dass in Landsberg ein überkonfessioneller Kindergarten fehle, war das einhellige Urteil der Anwesenden. So folgte man einstimmig dem Vorschlag des Vorstandes, die Einrichtung der Stadt als Geschenk anzutragen. Ebenfalls ohne Gegenstimme nahm einen Monat später der Stadtrat in einem vorläufigen Beschluss das „große Geschenk“ an. Viele Faktoren hatten bei der Entscheidung den Verein aufzulösen mitgespielt. Allen voran der Umstand, dass die Aufgaben der Vorstandsmitglieder über die Jahre so umfangreich geworden waren, dass sie „von einfachen Ehrenamtlern“ nicht mehr zu erfüllen sind. Mindestens zwei Jahre brauche es, bis sich ein Nachfolger eingearbeitet habe, sagt Linde Koch, so lange könne sich in Zeiten der Doppelberufstätigkeit in den Familien kaum jemand festlegen. „Eine glückliche Fügung“ nennt es Koch, dass das Nachfolgerproblem in eine Zeit falle, in der die Gründungsmitglieder alle ehemals gesteckten Ziele erfüllt sähen. Daher gibt es keinen Groll bei den Altvorderen des AKE, allenfalls etwas Wehmut. Wenn der Stadtrat am heutigen Mittwoch die Übernahme des AKE erwartungsgemäß absegnet und OB Ingo Lehmann danach zur Vertragsunterzeichnung schreitet, weiß man „sein Baby“ in guten Händen.

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