Ausfälle bringen Schüler aus dem Tritt

Irgendwie wird’s schon klappen… Cartoon: Pfeffer

Endlich Sommerferien – doch während Schüler und Lehrer die wohlverdiente Erholung genießen, werfen Missstände, die im neuen Schuljahr zu erwarten sind, bereits ihre Schatten voraus. Der Elternbeirat des Ammersee-Gymnasiums (ASG) wendet sich deshalb jetzt an die Öffentlichkeit und an Kultusminister Ludwig Spaenle, um Alarm zu schlagen. Der Unterrichtsausfall am ASG drohe im neuen Schuljahr skandalöse Ausmaße anzunehmen, warnt Elternbeiratsvorsitzender Wolfgang Salzmann.

Schon im abgelaufenen Jahr sei der Stundenausfall massiv gewesen. „Praktisch jede Klasse war davon betroffen“, so Salzmann, der selbst drei Kinder am ASG hat. Er zählt auf, dass in einzelnen Klassen zeitweise 20 Prozent des Unterrichts ausfielen und die Schüler praktisch täglich früher heimgeschickt wurden. Einzelne Klassen seien in Kernfächern wie Mathematik über sechs Wochen nicht regulär unterrichtet worden. Vertiefungsunterricht und praktische Übungen blieben ebenfalls auf der Strecke. „Der Lehrplan des nächsten Schuljahres nimmt auf diese Versäumnisse natürlich keine Rücksicht. Wer nicht entsprechend vorgebildete Eltern hat oder Nachhilfe bezahlen kann, kommt ganz schnell aus dem Tritt – so viel zu Thema soziale Selektion im Gymnasium“, merkt Salzmann an. Im kommenden Schuljahr drohe nun alles noch viel schlimmer zu werden. Für den Mathematikunterricht stünden von Anfang an nicht genügend Lehrer zur Verfügung – hier seien etwa 15 Wochenstunden nicht gedeckt. Kurz nach Schuljahresbeginn entfallen durch Mutterschutz weitere 48 Wochenstunden, und auch bereits angemeldete Elternzeiten von Lehrkräften reißen gähnende Lücken in den Unterrichtsbetrieb. „Obwohl dies der Kultusverwaltung seit Monaten bekannt ist, hat das ASG bislang keine Ersatzkräfte in Aussicht“, so Salzmann empört. Für die ganz normalen Stundenausfälle durch Krankheit, Fortbildung und Klassenfahrten stünden selbstverständlich auch keine Vertretungen zur Verfügung, „aber das ist ja überall gewohntes Elend“. Doch die Situation am ASG sei kritischer als anderswo. „Das ASG ist eine reine G8-Schule und verfügt deshalb nicht über frei werdende Lehrerstunden aus der 13. Jahrgangsstufe“,erklärt Salzmann. „Genau darauf ist aber das Personalkonzept des Kultusminsteriums abgestellt und geht damit an der Wirklichkeit des ASG vorüber.“ Außerdem habe die Schule noch immer kein stabiles Kollegium, sondern arbeite mit einer ständig wechselnden Schar an Referendaren und auf Zeit angestellten Lehrkräften. Aktuell ge­- hen 24 von 69 Lehrern „mit entsprechenden, zum Teil enormen Reibungsverlusten“, kritisiert Salzmann. Dem Elternbeirat reicht es jetzt. Im kommenden Schuljahr soll eine „massive und langfristig angelegte Mobilisierung der Schulfamilie“ dafür sorgen, dass alle Missstände abgestellt werden. Angesichts der wachsenden Lehrerarbeitslosigkeit wäre das noch nicht einmal schwierig. „Legte man auf die Sozialleistungen für einen arbeitslosen Lehrer noch 500 bis 600 Euro drauf, wäre man bereits beim Nettoeinkommen eines angestellten Junglehrer“, rechnet Salzmann vor. „Aber einem solch vernünftigen Gedanken stehen traurigerweise die eifersüchtig gepflegten Zuständigkeiten von Bundesarbeits- und Landeskultusbürokratie entgegen.“

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