Auskunft dringend erwünscht

Bemühten sich nach Kräften, die Fragen der Bürger zu beantworten: Architekt Axel Lohrer (links) und Oberbürgermeister Ingo Lehmann.

Nachdem im Juli die Ergebnisse der Bürgerbefragung zum Hauptplatzumbau bekannt gegeben worden waren und teils heftige Diskussionen ausgelöst hatten, ist zuletzt ein wenig Ruhe eingekehrt um das kontroverse Projekt. Dass der Infor­- mations- und Redebedarf der Landsberger Bürger allerdings noch längst nicht gestillt ist, zeigte die Info-Veranstaltung am Donnerstag, zu der die Stadt alle Interessierten ins Historische Rathaus geladen hatte.

Der Festsaal platzte aus allen Nähten, sodass manch einer, der nicht rechtzeitig erschienen war, mit einem Platz im Foyer vorlieb nehmen musste, wo die Veranstaltung live per Videoübertragung ausgestrahlt wurde. Ein so großes Interesse schien selbst Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) ein wenig zu überraschen, der sich noch während der Versammlung genötigt sah, eine Wiederholung der Veranstaltung anzuberaumen – für Mittwoch, 29. September, um 19 Uhr im Rathausfestsaal). „Es ist ein heißes Thema“, stellte er fest. Kein Wunder, dass sich das Stadtoberhaupt im Laufe der Veranstaltung fleißig darum bemühte, die Bedenken der Bürger gegen das Bauvorhaben zu zerstreuen. Dazu hatte sich Lehmann namhafte Unterstützung ins Boot geholt: Professor Joachim Vossen erläuterte noch einmal die wichtigsten Ergebnisse der Bürgerbefragung, ehe Norbert Köhler, Vorstand der Stadtwerke Landsberg, die unausweichlichen Sanierungs­maß­nahmen an der Kanalisation des Hauptplatzes ausführen durfte. Zuletztes warb Axel Lohrer, dessen Landschaftsarchitekturbüro aus München als Sieger aus der Befragung hervorgegangen war, für seinen Entwurf für eine Umgestaltung des Hauptplatzes. So oder so müssten sich die Bürger auf eine längerfristige Baustelle am Hauptplatz einstellen, machte Köhler klar. Denn die über 100 Jahre alten, an vielen Stellen maroden Rohrleitungen ließen keinen weiteren Aufschub zu. Rund 530000 Euro sehen die Planungen für den Aufbruch und die Wiederherstellung des Platzes in seinem alten Zustand vor, Geld, das direkt in den Umbau fließen könnte. Köhler machte daher erst gar keinen Versuch, seine Sympathie für eine Neugestaltung des Platzes zu verhehlen. „Wir wollen den Leuten eine zweijährige Bauzeit nicht ohne einen Mehrwert zumuten.“ Damit war der Weg für Lohrer bereitet. In seinem Vortrag versuchte er mit einer genauen Beschreibung seiner Vision eines neuen Hauptplatzes den Anwesenden die Angst vor dem Umbau zu nehmen, sie vielmehr von dem Projekt zu begeistern. Der Platz müsse wieder das Zentrum Landsbergs werden, forderte er, was vor allem der jetzige Verlauf der Straße verhin­- dere. Die Kurve vor dem Schmalztor verglich der Architekt in ihrer aktuellen Form mit der einer Carrera-Bahn und er wiederholte immer wieder, wie wichtig es sei, dem Platz eine viel ruhigere Topografie zu verleihen. So soll künftig ein einheitliches Pflaster mit engen Fugen den Lärm verringern und dem Autoverkehr keine Priorität mehr verleihen. Es klang tatsächlich verführerisch, wie Lohrer sein Produkt anpries und dazu schöne computeranimierte Bilder an die Wand warf, auf denen viel Platz und kaum Autos zu sehen waren. Vielen der Anwesenden gingen die Erläuterungen Lohrers jedoch nicht weit genug. In der offenen Diskussionsrunde musste sich der Stadtplaner und OB Lehmann zahlreichen Fragen stellen. So forderte ein Anwesender, die Anrainer mehr einzubinden, was Lohrer zusagte, sobald genauere Pläne vorlägen. Ein anderer schlug gar vor, den Hauptplatz zu einem Amphitheater umzugestalten und dafür die Schlossergasse zweispurig befahrbar zu machen. Für Lehmann keine Alternative: Ein autofreier Hauptplatz werde immer ein Traum bleiben. Überhaupt stand der zukünftige Verkehr im Mittelpunkt der Diskussion. Ob jedoch Anzahl und Ort der Behindertenparkplätze, die Zukunft des Taxistandes, die aus Sicht der anwesenden Vertreter von Busun­- ternehmen und Fahrschulen kritische Verengung der Kurve am Schmalztor durch die neue Straßenführung oder die Schulbussituation: In vielen Fällen blieben Lohrer und Lehmann einzig der Verweis auf die anstehenden Detailplanungen. An diesen sollen laut Stadtratsbeschluss auch die Bürger weiterhin teilhaben. Im Oktober und Dezember soll der Planungsentwurf in Bürgergruppen optimiert werden. Für die Anmeldung liegt ein Flyer im Rathaus aus. Im Januar soll der erste Zwischenstand vorliegen und die Planungen in die konkrete Phase übergehen. Im Juli werde dann der Stadtrat über die endgültige Realisierung entscheiden, erklärte Vossen. Wie er selbst abstimmen wird, daran ließ Lehmann keinen Zweifel. Der Oberbürgermeister appellierte daher noch einmal eindringlich an alle Anwesenden, keine Fragestellung als „k.o.-Kriterium“ zu sehen: „Eine eierlegende Wollmilchsau gibt es nun mal nicht.“

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