Spiel mit dem Rokoko

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Marmor nachahmende Säulen samt Muschelwerk: Die 30 RBK-Künstler setzten sich auf der Ausstellung „Look at Dominikus Zimmermann“ in der Säulenhalle mit dem berühmten Baumeister Landsbergs und seiner Zeit auseinander.

Landsberg – „Look at Dominikus Zimmermann!“ Der Titel der sehenswerten Ausstellung des Regionalverbands Bildender Künstler Oberbayern West in der Säulenhalle ist Programm: 30 RBK-Künstler stellen die Werke aus, die in Auseinandersetzung mit dem berühmten Baumeister Landsbergs entstanden sind. Ein bunter „Punkaltar“ spielt auf die Wieskirche an, Alabasterscheiben schimmern zwischen Licht und Schatten, ein Altärchen verehrt „O Donna“. Und ein der Johanniskirche entflohenes „Lech-Engerl“ balanciert frech auf der Mauer der Lechpromenade. Die Künstler haben viel geleistet – spielerisch.

„Am Anfang hatten sich gar nicht so viele Künstler zu diesem Thema gemeldet“, erzählt die erste Vorsitzende des RBK Silvia Großkopf auf der sehr gut besuchten Vernissage am Sonntagmorgen. Das Thema Rokoko ist ein zwiespältiges in der Kunstgeschichte: Wegen der reichen Ornamentik als Zuckerbäckerkunst in Pastell verschrien, scheint Rokoko viel zu sein, aber eben keine „echte Kunst“. „Die Künstler des RBK haben zurückhaltend reagiert“, sagt auch Kunsthistorikerin Birgit Kremer in ihrer Einführung, „das Thema sei fremd, sperrig, ganz weit weg“. Aber man könne diese Epoche nur aus der Zeit heraus verstehen, nämlich als Reaktion auf das Schwere und Pompöse des Barock. Rokoko, das heißt Leichtigkeit und Spiel.

Da sind dem Marmor nachempfundene Säulen im Grundriss der Wieskirche als Verweis auf Zimmermanns Marmelierarbeiten – dem Vortäuschen von Marmor. Eine davon ist mit Muschelwerk, Französisch „Rocaille“, besetzt, der Namensgeber des Rokoko. Die Farben des Marmelierens zitiert ein abstraktes Gemälde, das jedoch jegliche Rokoko-Ornamentik auf die Linie reduziert. Einige Gemälde arbeiten damit, Licht durch Farbe zu ersetzen. Fast frech wirkt ein kleiner schwebender Terracotta-Puttenkopf, in gewisser Weise einem Schellenclown ähnelnd. Andere Werke widmen sich der Gegenwart in all ihrer Vergänglichkeit.

Altare gibt es natürlich auch. Der Auffälligste stellt sich als „Rokokopunkaltar“ vor: Die zentrale Christusfigur ist aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzt – wie auch der Christus in der Wieskirche, den zwei Mönche aus Überbleibseln bastelten. Angekettet ist die Figur an einen Holzklotz, daneben hängt ein Beitel. Votivtäfelchen verkünden von geschlossenen Türen und leeren Thronen, rechts unten im Glaskasten noch zwei gebogene Nägel und vier Knochen aus Alufolie – die Reliquien. Je länger man davorsteht, umso mehr kann man entdecken. Ein zynischer Umgang mit dem Thema, auf jeden Fall erfrischend.

Ein Foto, das den aus der Johanniskirche entflohenen Putto zeigt, geht letztendlich spielend mit dem Baumeister Landsbergs um. Der Fotograf hatte den Engel in den Stuckarbeiten Zimmermanns in der Johanniskirche entdeckt: „In einer warmen Juninacht traf ich des Engerl wieder, drüben am Lechwehr beim Mühlbach-Abzweig. Es war gerade fröhlich beim Plantschen, mein Lech-Engerl.“ Und hüpfte dem Künstler fotogen vor die Linse. Man könne das Thema sicher auch ernster sehen – aber ob Zimmermann das immer gefallen habe?

Mit dieser Ausstellung pünktlich zum 250. Todestag des Baumeisters am 16. November 1716 enden die offiziellen Veranstaltungen zum Dominikus-Zimmermann-Jahr. Kulturreferent Axel Flörke dankte der engagierten Arbeit des Kulturbüros und allen Beteiligten. „Wir hatten ein vielfältiges und umfangreiches Programm.“ Die Ausstellung in der Säulenhalle läuft noch bis zum 27. November.

Susanne Greiner

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