Zu modern für die Lechstadt?

Im Dialog eine Lösung suchen

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Die ehemalige Bahnhofgaststätte in der Katharinenstraße soll diesem modernen Neubau für eine Anwaltskanzlei weichen. Der Bauausschuss hat dem vorliegenden Entwurf erst mal einen Riegel vorgeschoben.

Landsberg – Der Unterschied liegt im Detail: „Ein privates Gebäude hat nicht die gleiche Bedeutung wie ein öffentliches oder eine Kirche.“ Referatsleiter Claus Müller sagt’s, doch einige Ratsmitgliedern sehen das ganz anders. Allemal wenn es um die ehemalige Bahnhofsgaststätte in der Katharinenstraße geht.

Eigentümer des verwaisten Gebäudes am Bahnübergang in der Katharinenstraße sind Anne und Christian Becker. In zweiter Reihe haben sie bereits mit dem Segen der Stadt einen auffallenden Neubau errichtet – moderne Architektur, Flachdach, viel Glas. Jetzt wollen sie die Gaststätte abreißen und einen Neubau für ihre Anwaltskanzlei errichten – hervorstechendes Merkmal des Entwurfes eines Dachauer Architekturbüros ist die Fassade: ein „Metallvorhang“ schirmt das Glas dahinter ab. Die Stadt selbst hat dieses Gestaltungselement für den Erweiterungsbau im Hof des historischen Rathauses gewählt.

Im Zuge des Aufstellungsverfahrens für den einfachen Bebauungsplan „Katharinenvor­stadt“ stößt das Becker-Vorhaben nun aber auf erheblichen Widerstand seitens der Verwaltung. Ein Flachdach etwa käme an dieser Stelle nicht infrage, signalisierte Referatsleiter Müller. Und Stadtbaumeisterin Annegret Michler warnte: „Wenn wir im B-Plan nichts reinschreiben, wäre ein Metall-Glas-Bau möglich.“ Man wolle ja keine Nostalgie entwickeln, aber das Einfügeprinzip gelte es in der Katharinenstraße als „sehr eindrucksvollen Stadteinfahrtsbereich“ zu erhalten.

Nicht verteufeln

Derlei Vorgaben konnte UBV-Fraktionsvorsitzender Christoph Jell nicht nachvollziehen. Ihm missfiel, dass dem Privatmann hier ein modernes Bauwerk verweigert würde, und nur einen Steinwurf weiter stünde ein solches direkt neben einem alten Gebäude: der Verwaltungsneubau. Reinhard Skobrinsky (BAL) sprach von „starkem Tobak“, wenn in diesem Fall das öffentliche Gebäude nicht relevant sein solle. Metall und Glas in einem B-Plan zu „verteufeln“ sei nicht mehr zeitgemäß, übte Jonas Pioch (Landsberger Mitte) Kritik. Die Stadtbaumeisterin dazu: „Wir haben jetzt die Chance, für beide Seiten etwas rauszuholen.“

„Etwas Zurückhaltung“ legte Dr. Reinhard Steuer (UBV) dem Bauherrn nahe. Grundsätzlich aber sei das Vorhaben eine „gute Idee“. Er, Steuer, könne auf Anhieb zehn „exorbitant ausfallende Gebäude“ in der Stadt aufzählen, „von Leuten, die zeigen wollen, was sie haben.“ CSU-Chef Helmut Weber sieht das differenzierter: „Wir reden im B-Plan nicht über den Geschmack des Bauherrn, sondern über das Bild des Ensembles.“ Da gehöre ein Haus hin, das sich mit dem Bild der Katharinenstraße identifiziere. Die „Typologie des Gebietes“ solle man nicht aus den Augen verlieren, forderte denn auch Dieter Völkel (SPD).

Nachdem sich Hendrik Lüßmann (Grüne) gegen eine Festlegung auf Materialien im B-Plan ausgesprochen hatte, befürworteten die Ratsmitglieder den „Ansatz“ der Stadtbaumeisterin: Putz-Loch-Fassaden sind Plicht in der „Katharinenstraße“. Annegret Michler wünscht sich nun den „Dialog mit den Bauherrn, um gemeinsam eine akzeptable Lösung zu finden.“

Toni Schwaiger

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