Immobilienkauf abgelehnt:

"Finger weg von der Ruine!"

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Heruntergekommen: das Geltendorfer Bahnhofsgebäude will wohl niemand haben

Geltendorf – Bürgern und Gemeinde gleichmaßen ist das heruntergekommene Bahnhofsgebäude schon lange ein Dorn im Auge. Die Bahn hat es vor Jahren an eine private Kapitalgesellschaft abgestoßen, die es seither verfallen lässt. Nun steht es erneut zum Verkauf. Der Gemeinderat entschied jedoch nach längerer Diskussion, dass er kein Interesse hat. Zu viele Gründe sprechen dagegen.

Das über 80 Jahre alte Gebäude vereint mehrere Aspekte, die es für einen Käufer unattraktiv machen. Der im Raum stehende Preis von 490000 Euro erschien der Mehrheit am Ratstisch als zu hoch gegriffen. Außerdem ist die Immobilie stark sanierungsbedürftig und zudem denkmalgeschützt, was bauliche Veränderungen erschweren würde. Dies, zumal über ein Drittel der rund 1600 Quadratmeter langfristig an die Bahn vermietet ist. Im Außenbereich liegen Versorgungsleitungen, der Öffentlichkeit müsste weiterhin Zugang zum Gleisbereich gewährt werden. Außerdem, so Bürgermeister Wilhelm Lehmann (Unabhängige Bürger/UB) müsste der Käufer das Gebäude zunächst nach geltendem Baurecht genehmigen lassen. „Für einen neuen Eigentümer ist das erstmal ein Schwarzbau.“

Sehr zweischneidig

Lehmann bezeichnete einen möglichen Kauf als „sehr zweischneidiges Schwert“. Das Bahnhofsgebäude sei zwar „die Haustür der Gemeinde“, andererseits sei es für sie kaum nutzbar. „Das ist etwas für einen Investor“, so Lehmanns Einschätzung. Noch deutlicher wurde Josef Weiß (CSU) „Finger weg von so einer Ruine, das ist ein Millionengrab.“ Zusätzlich zum Kaufpreis müsse man sicherlich noch einmal die gleiche Summe in die Sanierung stecken. „Und dann haben wir immer noch ein Gebäude, mit dem wir nichts anfangen können.“

Nicht alle Räte waren dieser Meinung. Die Immobilie sei „ein Schandfleck für Geltendorf“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Robert Sedlmayr (ÖDP). Es sei Aufgabe der Gemeinde, sich darum zu kümmern. „Wir müssen das in die Hand nehmen.“ Er schlug vor, einen Arbeitskreis zu dem Thema zu gründen. Auch Thomas Stoklossa (UB) wollte einen Kauf nicht von vornherein ablehnen. „Wir sollten uns die Chance geben, zu überlegen, ob wir das Gebäude nutzen können.“ Horst Kürschner (Grüne) meinte, dafür gebe es genug Positivbeispiele in anderen Gemeinden.

Claudius Mastaller (UB) wollte einen Kauf nur zu einem symbolischen Preis von einem Euro in Erwägung ziehen. Christian Scheifele (CSU) erinnerte an die Kostendiskussion um das Feuerwehrhaus und die geplante neue Sporthalle, die immer wieder verschoben werden müsse. „Und hier wollen wir plötzlich 490000 Euro ausgeben?“ Sebastian Popfinger (CSU) argumentierte, wenn aus dem Gebäude wirtschaftlich etwas zu machen wäre, hätte sich längst ein Käufer gefunden. Mit 9:6 Stimmen entschied sich das Gremium schließlich, das Thema nicht weiter zu verfolgen.

Ulrike Osman

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