"Viele Einwendungen"

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Auf aktive Lärmschutzmaßnahmen im Zuge der Strecken-Elektrifizierung warten die Kaufering nach Plänen der Bahn vergebens.

Kaufering – Die von der Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Geltendorf und Lindau betroffenen Gemeinden und Bürger haben im Rahmen eines Erörterungstermins ihre Bedenken vorgebracht. Die allermeisten Einwendungen, die im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens gemacht wurden, betrafen das Thema Lärm. Die Vertreter der Deutschen Bahn nahmen ein paar Hausaufgaben mit.

Unter dem Vorsitz von Regierungsdirektorin Crescentia Dudel von der Regierung von Oberbayern saßen sich am ersten Tag der Erörterung in der Kauferinger Lechau-Halle die Verantwortlichen der Bahn und Rechtsanwalt Dr. Fritz Böckh als Vertreter der Gemeinden Igling, Kaufering, Penzing, Weil und Geltendorf gegenüber. Es seien „relativ viele“ Einwendungen gekommen, so Matthias Neumaier, Projektleiter der Bahn. „90 Prozent zum Thema Schallschutz.“

Verhältnismäßigkeit?

Anspruch auf sogenannten aktiven Schallschutz besteht laut Gutachter Martin Crljenkovic, wenn in Wohngebieten ein Pegel von 59 Dezibel (nachts 49) überschritten wird. Für Misch- und Dorfgebiete liege der Grenzwert laut Bundesimmissionsschutzverordnung bei 64 Dezibel (nachts 54). Aktiver Schallschutz – also Lärmschutzwände oder ein regelmäßiges Abschleifen der Gleise – müsse aber nur dort verwirklicht werden, wo die Kosten „verhältnismäßig“ seien. Andernfalls müssen die Betroffenen mit Schallschutzfenstern und Dämmmaßnahmen vorlieb nehmen, wobei es eine konkrete Definition der Verhältnismäßigkeit offenbar nicht gibt.

Aktiven Schallschutz erhalten nach den Plänen der Bahn nur Schwabhausen und Igling. Eine durchgängige Lärmschutzwand für den ganzen Ort, wie sie in Igling gewünscht wird, wird von der Bahn als unverhältnismäßig abgelehnt. Alle betroffenen Gebäude würden aber geschützt, versicherte Crljenkovic. In den Lücken werde das „besonders überwachte Gleis“ eine Verringerung des Lärms um zwei Dezibel bringen.

Für die Geltendorfer sei es schwer nachzuvollziehen, dass ihr Ort offiziell gar nicht Teil des Plangebiets ist, so Böckh. „Die erhöhten Zugzahlen fahren ja auch durch Geltendorf.“ Crljenkovic beharrte jedoch darauf, dass sich durch die Elektrifizierung der Strecke und die Modernisierung von Fernverkehrs- und S-Bahn-Zügen für Geltendorf sogar eine Pegelminderung ergebe.

Mehrfach zur Sprache kam das Thema Gebietseinstufung. Unter anderem sei die Bahn in Kaufering-Dorf, in Kaufering an der Bahnhofstraße, in Igling und in Penzing fälschlicherweise von Misch- statt Wohngebieten ausgegangen, kritisierte Böckh. „Wir fordern eine andere Einstufung.“ Auch sei in Penzing der Umgebungslärm nicht berücksichtigt worden.

Außerdem hatte die Bahn unbebaute Gebiete, für die aber bereits Baurecht besteht, in ihren Betrachtungen außen vor gelassen. Hier sah Crescentia Dudel eine „offensichtliche Informationslücke“, da die Bahn die entsprechenden Angaben offenbar nicht eingeholt hatte. „Wir werden das nacharbeiten“, versprach Matthias Neumaier.

Sorgen bereitet den Kauferingern auch der zu erwartende Baulärm. Neumaier kündigte an, dass unter Umständen an maximal 70 Tagen auch nachts gearbeitet werden müsse. „Das ist aber nur eine grobe Schätzung, tatsächlich wird es wohl weniger werden.“

Ulrike Osman

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