Balanceakt am Pianoforte – "Gogol und Mäx" begeistern im Stadttheater Landsberg

Während in zahlreichen Wohnzimmern der Lechstadt Freddie Frinton zum tausendstenmal auf dem Fernseh- schirm über den Tiger im Speisezimmer seiner Herrin stolperte und Admiral von Schneider ein strammes „Skol“ zuflötete, gab es am Silvesterabend im Stadttheater ein witziges, originelles Kontrastprogramm. „Gogol und Mäx“ traten mit ihrer wahnwitzigen Nummernrevue auf. Ob sie nun akrobatische Musiker sind oder musikalische Akrobaten, ist ein müßiger Streit um Worte. Ein Feuerwerk von Einfällen und Überraschungen prasselte an diesem Abend auf das volle Haus hernieder.

Gogol ist in dieser Partie der Geck. Einer von der Sorte der eitlen Klavierspieler, die meinen es gebe nur ein Instrument: nämlich das Klavier. Daher hat er auch nur eins im Sinn. Ein „piano solo“ hinzulegen. Wie eine Figur aus Wilhelm Buschs Werken sieht er am schwarzen Pianoforte aus, wenn seine Frackschöße beim Spiel herunterhängen. Seine wenigen, auf der Stirne wie festgeklebten Haare, lassen ihn so seriös aussehen, wie die Worte klingen, die aus seinem Mund kugeln: „Sonata pa presante maestoso“, oder so ähnlich heißt es, wenn er seine Klavierstücke ankündigt. Was spielt Gogol nicht alles. „Bacho“, Beethoven, Chopin, Schumann, Tschaikowsky. Einen Parforceritt durch die Klavierliteratur legt Gogol hin. Alles könnte so einfach sein, wäre da nicht Mäx. Genau das Gegenteil des seriösen Pianisten. Hosenträger an der Hochwasserhose, furchtbar lange Schuhe, wildes, wuscheliges Haar, hemdsärmelig. Das ist Mäx. Ein kleiner verängstigter und doch hochsubversiver Knecht von Gogol. Hebt Gogol zu spielen an, kommt Mäx mit der Klarinette und verzaubert mit melancholischen Moll-Klezmerakkorden oder reinstem Swing das Publikum. Spielt Gogol Bach, wird daraus unter der Hand mit der Klarinette ein Ragtimestück von Scott Joplin. Mäx arbeitet gegen Gogol. Mit der Trompete, mit dem Glockenspiel, mit der Zither, mit der Basstuba, mit der Geige, mit der Gitarre. Es gibt wohl kaum ein Instrument, das Mäx nicht beherrscht. Wenn es eins der klassischen Instrumente nicht tut, dann erfindet er einfach eins. Macht aus einem Trichter eine Trompete. Gogol nimmt sie ihm. Gleich kommt Mäx mit einem noch größeren Trichter und die Musik geht weiter. Gogol spricht wenig, Mäx so gut wie nichts. Das Stück ist gänzlich auf Mimik, Gestik und Musik angelegt. Mäx macht merkwürdig schnarrende Geräusche wie Donald Duck in seinen Zeichentrickfilmen. Vollends wird er zur Comicfigur, wenn er sich selbst Kraft zu- schraubt und das Klavier hochhebt, um dasselbe in einer stabilen Seitenlage zu spielen. Traurig ist er, als Gogol ihm seine Geige zertrümmert. Aber sofort weiß Mäx sich zu helfen. Er bastelt eine neue. Sieht zwar nur annä- hernd wie eine Geige aus, klingt aber fast so. Selbst eine große Säge wird zum Instrument, das mit dem Geigenbogen gestrichen werden kann. Als schließlich Gogol im Tütü auf einer Stange vom Pianoforte zur Tuba balanciert, ist der Höhepunkt des Abends erreicht. Zur Zugabe gibt’s eine großartige Nummer auf der Glasharfe. Die steht nicht auf einem Tisch sondern, wie könnte es anders sein, auf dem Pianoforte. Riesenapplaus.

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