Bald ein "erfahrener Knastologe"?

Mit 14 Jahren kam Silvio P. (Name geändert) zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung. Mit 16 wurden daraus Kokain, LSD und Ecstasy. Als er 18 war, landete der gebürtige Münchner beim Heroin – inzwischen hat er mehr als sein halbes Leben mit Drogen zu tun. Vergangene Woche stand der jetzt 32-Jährige wegen Heroinhandels vor dem Schöffengericht Landsberg. Er werde „ein erfahrener Knastologe“ werden, wenn er seinem Leben nicht endlich eine Wendung gebe, warnte der Vorsitzende Richter Dr. Wolfgang Daum.

Silvio P. wurde direkt aus der JVA Landsberg vorgeführt, wo er derzeit die letzte seiner insgesamt neun Vorstrafen absitzt. Im vergangenen Jahr war der 32-Jährige für einige Monate in Freiheit, weil er eine Drogentherapie abgebrochen hatte und bei seiner Freundin in Augsburg untergetaucht war. Im Anschluss an die Therapie hätte er noch eine Reststrafe von einem Jahr verbüßen müssen. Die Monate in Freiheit reichten, um wieder straffällig zu werden. In der selbst geschaffenen Situation, sich auf der Flucht zu befinden und in ständiger Angst vor Entdeckung zu leben, habe sich „so ein Druck aufgebaut“, dass er wieder zu Rauschgift gegriffen habe, erklärte der Angeklagte. Er habe seinen Konsum aber langsam reduzieren wollen, um schließlich ganz davon loszukommen. Deshalb habe er nur kleine Mengen Heroin gekauft. Das Geld dafür habe er sich von Freunden und Verwandten geliehen. Anfang September kaufte der Angeklagte in München von einer Bekannten fünf Gramm Heroin für 300 Euro. Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung seiner Freundin fand die Polizei am nächsten Morgen das Rauschgift „in szenetypischen Verkaufsportionen“, wie der ermittelnde Polizeibeamte aussagte. Den Angeklagten erwischten die Beamten bei dem Versuch, die Drogen verschwinden zu lassen. Während der Vernehmung klingelte ständig sein Handy – Kaufinteressenten versuchten, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Vor dem Schöffengericht legte Silvio P. schließlich ein Geständnis ab, nachdem er zuvor noch versucht hatte, die Vorwürfe zu beschönigen. Im Grunde rührten seine Probleme daher, dass er im Leben keine Aufgabe habe, erklärte er. Der 32-Jährige besitzt keine abgeschlossene Ausbildung und hat sich nach seinem Wehrdienst nur mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Sechs Drogenentzüge hat er bereits hinter sich, zwei Therapien brach er ab. Im Laufe der Jahre sammelten sich Vorstrafen wegen Drogenbesitzes und Beschaffungskriminalität an, eine Ehe ging in die Brüche. „Es wird so weitergehen, wenn nichts passiert“, prophezeite Richter Daum, nachdem er den Angeklagten zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt hatte. „Dann bleibt auch diese Haftstrafe nur eine Station, und der Angeklagte macht sich sein Leben weiter Stück für Stück kaputt.“ Silvio P. beteuerte, er wolle sich nun erneut um einen Therapieplatz und auch um eine Lehrstelle bemühen. So gebe es Therapien auf dem Bauernhof in Kombination mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung.

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