Die CSU bald mit Frauenquote?

Frauenquote in der CSU? Außerhalb der Partei reibt man sich verwundert die Augen, und innerhalb der Partei ist das Echo sehr geteilt. Auf der Kreisdele­gier­tenkonferenz im Gasthaus Alter Wirt sprach Ulrike Scharf, Bezirksvorsitzende der Frauenunion, zu dem Thema und stellte sich anschließend den – größtenteils kritischen – Fragen.

Andere Parteien haben längst eine Frauenquote: die Grünen seit 1979, die SPD seit 1988, sogar in der CDU gilt seit 1996 ein Frauenquorum mit dem Ziel, mehr Ämter weiblich zu besetzen. Auch in der CSU sei die Diskussion nichts Neues, erklärte Landtagsabgeordneter Thomas Goppel, der in seiner Eigenschaft als Kreisvorsitzender die Veranstaltung lei­- tete. Die aktuelle Debatte sei bereits „die dritte Aufwärmung“. Ulrike Scharf machte deutlich, dass für sie eine Quote von 40 Prozent auf allen Ebenen keine falsch verstandene Gleich­macherei ist, sondern „ultima ratio, weil sich in der Vergangenheit zu wenig bewegt hat“. Im Bundestag sind unter 45 CSU-Parlamentariern nur sechs Frauen, im Landtag sind es gerade einmal 19 von 92 Abgeordneten. Eine CSU-Landrätin gebe es in ganz Bayern nicht, so Scharf. Für junge Frauen, vor allem für Akademi­kerinnen, sei die CSU schlicht nicht mehr wählbar. Sogar in der freien Wirtschaft würde manches große Unternehmen inzwischen Frauenquoten einführen, erklärte Scharf, etwa die Telekom, die bis 2015 auf der oberen und mittleren Führungsebene 30 Prozent der Posten mit Frauen besetzen will. „Warum machen die das? Um erfolgreich zu sein“, so die 42-jährige Erdingerin. „Auf die weibliche Leistungskraft zu verzichten, ist einfach dumm.“ In der Diskussion vertraten viele der Delegierten jedoch die Auffassung, eine Quote sei nicht der richtige Weg. „Wir haben Probleme, Frauen überhaupt für die Parteiarbeit zu begeistern“, meinte Susanne Plesch, stellvertretende Vorsitzende der CSU Dießen. Und auch die Greifenberger Ortsvorsitzende Eva Resch bezweifelte den Effekt einer Proporzregelung. „Durch die Quote gewinnen wir keine einzige Frau dazu, weder als Wählerin noch als Mitglied.“ Stattdessen müsse Überzeugungsarbeit geleistet werden, aber gerade hier sah die Landsberger Stadträtin Barbara Juchem das Problem: „Bei der Schulpolitik der CSU brauche ich Mütter mit Kindern gar nicht erst zum Mitmachen aufzufordern.“ Eine Quote würde die Qualität von Frauen automatisch degradieren, so ein Teilnehmer. „Niemand will gern Quotenfrau sein, aber irgendwie müssen wir vorankommen“, konterte Scharf. Seine Qualität könne man schließlich erst unter Beweis stellen, wenn man ein Mandat innehabe. Auch ihr sei klar, dass der 40-prozentige Frauenanteil „nicht von null auf hundert“ zu verwirklichen sei, zumal es der CSU eben auch an weiblichen Mitgliedern fehlt. „Aber was spricht denn dagegen, den erweiterten Landesvorstand der Partei zur Hälfte mit Frauen zu besetzen?" Gemischte Führungsteams seien erfolgreicher, bestätigte der Windacher Ortsvorsitzende Ingmar Bertling, der sich als einziger Delegierter deutlich für die Quote aussprach. Das Thema soll nun bis zum Parteitag im Oktober noch weiter diskutiert werden.

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