Barmherzige Schwestern nehmen Abschied

"100 Jahre segensreiches Wirken" am See

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Abschiednehmen in Dießen: Die Barmherzigen Schwestern des Klosters St. Vinzenz von Paul ziehen in ihr Mutterhaus nach Augsburg. Von links: Pfarrer Hans Schneider, Generaloberin Michaela Lechner, Oberin Lotharia Schreglmann und Generalökonomin Carissima Fendt sowie weitere Ordensschwestern; hinten: Bürgermeister Herbert Kirsch (rechts) und Pfarrgemeinderat Volker Bippus (verdeckt).

Dießen – „Und immer wieder blüht das Leben auf.“ Mit diesen trostreichen Worten des Heiligen Vinzenz von Paul haben sich die Barmherzigen Schwestern des Klosters St. Vinzenz am Dreifaltigkeitssonntag verabschiedet.

Die Dießener waren auf Einladung der Katholischen Pfarrgemeinde zahlreich zum Fest- gottesdienst ins Marienmünster gekommen. Anschließend konnten sie im Traidtcasten Interessantes aus der Klostergeschichte erfahren.

Im Gottesdienst bedankte sich Pfarrer Hans Schneider, der den erkrankten Pfarrer Manfred Mayr vertrat, für „das fast 100-jährige segensreiche Wirken der Schwestern“. 97 Jahre gab es das Kloster in Dießen, 1939 bis 1967 war der Klostertrakt beim Marienmünster das Mutterhaus der Vinzentinerinnen.

In diesen Tagen treten die verbliebenen 30 Schwester nun den Umzug nach Augsburg an, wo an der Gögginger Straße ihr neu erbautes Kloster auf sie wartet. Dort wird es auch zeitgemäße Pflegezimmer und Pflegeeinrichtungen für die Ruhestandsschwestern geben. „Nun gelte es also den Aufbruch ins Neue zu bewältigen und die mutige Entscheidung des Ordens zu respektieren“, betonte Pfarrer Schneider.

Wie Generaloberin Michaela Lechner im Anschluss an den Gottesdienst berichtete, befindet sich der Orden hinsichtlich der Nachfolgenutzung des denkmalgeschützten barocken Klostergebäudes in Verhandlungen mit einem Träger. Einige Punkte müssten noch geklärt werden, bevor man die Entscheidung „in wenigen Wochen“ bekannt gegeben wolle.

Bereits seit 1888 waren Barmherzige Schwestern in der ambulanten und stationären Krankenpflege im Krankenhaus an der Krankenhausstraße in Dießen tätig, dass 1976 seine Pforten schloss. 1917 konnten die Vinzentinerinnen das ehemalige Kloster der Augustiner Chorherren erwerben, das bis dato als Brauerei und Gastwirtschaft gedient hatte. 1931 wurden die ersten Novizinnen im Marienmünster eingekleidet, 600 Schwestern wurden von 1931 bis 1961 in Dießen ausgebildet. 1934 kaufte das Kloster den Schacky Park, wo sogleich die Kühe weideten. Bis zum Bau des Klosterguts am Rande des Schacky Parks im Jahr 1974, das mittlerweile vom Reitverein genutzt wird, diente die heutige Winterkirche St. Stefan als Stallung.

In den Kriegsjahren gaben die Klosterschwestern der Wehrmacht ein Winterquartier und beherbergten Flüchtlinge und Umsiedler. Von 1941 bis 1944 beteiligte sich das Kloster an der Kinderlandverschickung. Eine Zeit, in denen der Orden vielfachen Schikanen durch die Nazi-Administration ausgesetzt war: Unter anderem durften in den Kinderzimmern keine Kruzifixe hängen und im Schacky Park sollte eine Munitionsfabrik gebaut werden. Ein Plan, der durch einen geschickten Schachzug des Superpriors abgewendet werden konnte. Nach dem 2. Weltkrieg kehrte wieder Normalität ein, trotzdem blieb der Klosternachwuchs in den letzten Jahr- zehnten zunehmend aus.

Was den Dießenern bleibe seien die vielen guten Erinnerungen an die Barmherzigen Schwestern, meinte Bürgermeister Herbert Kirsch. Ob es die Volksspeisungen in Kriegs- und Nachkriegszeiten, die liebevolle Versorgung der Kranken oder das Vaterunser vor der Kirchenpforte sei, für das die im Klosterhof Fußball spielenden, hungrigen Buben ein Stück frisches Schwarzbrot bekamen. Auch für die Nachfolgenutzung des denkmalgeschützten Kulturschatzes werde man gemeinsam eine gute Lösung finden, betonte der Bürgermeister.

Ursula Nagl

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