Ein Bass spielender Grafiker – Sideman Klaus Voormann zu Gast im Stadttheater Landsberg

Ganz im Zeichen von Pilgerreisen gestalteten die Organisatoren des Filmforums, Kurt Tykwer und Edmund Epple, den vergangenen Freitagabend im Stadttheater. Dabei spielte wohl eher der Zufall eine Rolle. Im Rahmen neuer Internationaler Filme durfte das interessierte Publikum Roman Weishaupt nach Santiago de Compostela begleiten. Anschließend durften Fans, Freunde und viele Neugierige gemeinsam mit Klaus Voormann und seiner Familie, an dessen Reise in seine persönliche Vergangenheit teilnehmen.

Eine Reise ist immer auch eine Pilgerfahrt zu sich selbst, egal, ob man eine solche vielleicht aus anderen Gründen plante, oder ob man tat­-sächlich auf der Suche nach sich selbst war. Wenn man außerdem dazu liebevoll genötigt wird, kann sogar eine zärtliche Liebeserklä­rung daraus werden. Die wunderbare Reise des Klaus Voormann, von der hier die Rede ist, ist eine echt#e Liebeserklärung in vielerlei Hinsicht. Der Unkundige mag sich fragen: „Wer bitte ist Klaus Voormann?“ Sieht man sich den Film „A Sidemans Journey“ an, bekommt man diese Frage sehr bald beantwortet. Ein Sideman ist derjenige Musiker, der im Hintergrund einer Musikband ein Begleitinstrument spielt. Voormann hat über drei Jahrzehnte mit seiner Bassgitarre die wirklich Großen im Musikgeschäft begleitet. Wer kennt nicht das geniale Intro zu Carly Simons „You’re so vain“, diese wenigen Takte, bei denen man glaubt, der Gitarrist hätte sich verschluckt und versuchte sich an den Saiten seines Instruments festzuhalten, um einen Husten­an­fall zu unterdrücken. Wird er danach gefragt, wie er das denn hinbekommen hätte, antwortet er fast schüchtern, er habe einfach nur so vor sich hingespielt. Der Sideman drängt sich nicht in den Vordergrund. Er ist Bestandteil der Band, überlässt den Starruhm dem Frontman, ist verlässlich zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Von 1960 bis 1979 spielte Voormann auf diese zuverlässige Weise in Topbands, wie Manfred Mann’s Band, mit Randy Newman, der schon erwähnten Carly Simon und vielen anderen. Aus gutbürgerlichem Hause stammend, hat Voormann zunächst Kunst studiert, versuchte mit Anfang 20 in Hamburg sein Glück. Dort ist er den Beatles über den Weg gelaufen, die ebenfalls am Beginn ihrer grandiosen Karriere standen. Es entstand eine enge Freundschaft. Mit George Harrison blieb er lebenslang in einer Seelenverwandtschaft verbunden. 1966 gestaltete er das Cover ihrer herausragenden LP „Revolver“ und ge­wann damit als erster Deutscher den begehrten Grammy-Award. Die „liebevolle Nötigung“ seiner Frau Christina ließ ihn im vergangenen Jahr, anlässlich seines 70. Geburtstags alle noch lebenden Freunde und Weggefährten aufsuchen. Bewaffnet mit seiner Bassgitarre begab er sich neun Monate auf diese ganz persönliche Pilgerreise. In vielen Sessions spielte er gemeinsam mit Paul McCartney, Ringo Starr, den ehemaligen Manfred Manns-Bandmitgliedern und Jusuf Islam, um nur die bedeutendsten zu nennen, eine ausnehmend hörenswerte CD mit seinen Lieblingsliedern ein. Nebenbei entstanden um die 100 Stunden Filmmaterial, das Christina Voormann nach seiner Rückkehr sichtete und Sequenzen zur Veröffentlichung auswählte. Der 90-minütige Film wirkt durch seine Bilder und die großartige Musik. Es ist ein herrliches Vergnügen allen bei der Arbeit quasi über die Schulter zu sehen. Wann hat man denn schon die Gelegenheit dazu? Musiker sprechen mindestens zwei Sprachen, ist dabei zu lernen. Wenn Klaus Voormann mit McCartney bespricht, wie denn ein Arrangement sein sollte, dann reichen die Worte nicht aus. Die Diskussion fliegt zwischen dem Anschlagen des Instruments und lautmalerischer Umschreibung des Gewünschten hin und her. Die Vertrautheit unter den Musikern, die Freude Voormanns alle noch einmal sehen können und die Begeisterung an der Arbeit machte das Publikum nachgerade süchtig. Einhellig wünschte man sich, die anderen achtundneunzigeinhalb Stunden auch noch sehen zu dürfen. Einen Großteil der Einnahmen spendet das Filmforum an das Hilfsprojekt „Lakota Village Fund e.V.“ ein von Voormanns Frau vor zehn Jahren ins Leben gerufenes Projekt. Es handelt sich hier um eine Hilfskampagne für die 80000 noch lebenden Oglala-Sioux in Süd Dakota. Christina Voormann merkt man richtig an, wie sehr ihr diese Menschen am Herzen liegen. Der auf Spenden angewiesene Verein, kümmere sich um die indianischen Ureinwohner des Pine-Ridge-Reservates. Das Gelände von der Größe Oberbayerns, habe in der Vergangenheit als Testgebiet für Waffen durch die US-Airforce und Nationalguard gedient, Uran sei abgebaut worden und man vermute noch andere Umweltsünden. Was die Liebeserklärung angeht, so sind gleich drei im Film zu finden. Zwei von Klaus Voormann, eine an seine noch lebenden und bereits verstorbenen Freunde, und eine an all die Sidemen, die nie auf den Plattencovern erwähnt werden. Aber die bedeutendste Lie­- bes­­erklärung ist die seiner Frau Christina an ihn selbst. Schließlich hat sie bei der Sichtung und Auswahl des Materials jenen Klaus Voormann herausgearbeitet, der ihr besonders nahe steht. Wer das ist, mag die Antwort, auf die Frage, warum er 1979 die Gitarre an den Nagel gehängt habe, zeigen. „Ich bin halt Grafiker, und habe Bass gespielt. Aber zum Musiker fehlt mir das Herzblut, ich habe es nicht gelernt, ich kann es nicht.“ Diese Bescheidenheit war nicht gespielt.

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