Baumeister Rauch zieht nach Augsburg

Es war ein Abschied auf Raten: Viele Ein­rich­tungen, Gremien, aber auch Privatpersonen ließen es sich in den zurückliegenden Wochen nicht nehmen, Dekan und Stadtpfarrer Thomas Rauch nach zehnjährigem Wirken in Landsberg Lebewohl zu sagen, ehe dieser ab 1. September als Dompfarrer nach Augsburg wechselt. Am Dienstag vergangener Woche gab sich die Stadt im Rathausfestsaal die Ehre und überreichte Thomas Rauch zu seiner großen Überraschung die Silberne Bürgermedaille.

Diese vom Stadtrat mehrheitlich beschlossene Ehrung kommt Bürgern zuteil, die sich im kommunalpolitischen, kulturellen, sozialen oder wirt­schaft­lichen Bereich um die Stadt Landsberg verdient gemacht haben. Bei Thomas Rauch seien es die kulturellen und sozialen Verdienste, die ihn auszeichneten, sagte Oberbürgermeister Ingo Lehmann in seiner Laudatio. „Es ist im Bereich Kirchenmusik eine große Leistung, so jemanden wie Johannes Skudlik hier zu halten.“ Musikalische Höhepunkte wie die Mozartnacht, Wiener Nacht oder Carmina Burana – „ohne Thomas Rauch wäre das nicht möglich gewesen.“ Im sozialen Bereich hob Lehmann vor allem Rauchs seelsorgerische Tätigkeit, seinen unermüdlichen Einsatz für die Sozial­- station sowie sein Engagement für Kinder, alte, schwache und behinderte Menschen „und auch für das soziale Klima der Stadt“ hervor. Nicht immer sei es im zehnjährigen Miteinander von Stadt und Pfarrei einfach gewesen, „wir hatten viele Themen zu diskutieren, aber es gab nicht einen ernsten Konflikt“, betonte Lehmann. Er erinnerte sich an gemeinsam angegangene und letztlich „zufriedenstellend gelöste“ Projekte wie die Priestergräber oder das Miteinander von Kindergarten und Senio­renwohnheim im Hof des Ursulinenklosters. Deutliche Bedenken von Seiten des Stadtpfarrers habe es beim Thema Ganztagsbetreuung gegeben, erinnerte Lehmann. Er selbst habe damals frech zu Rauch gesagt: „Wenn Euch die Kinder ausgehen, werdet Ihr die ersten sein, die eine Krippe bauen!“ Und Rauch sei irgendwann zu dem Schluss gekommen, „ja, vielleicht müssen wir mit der Zeit gehen.“ Heute gibt es in Landsberg vier Kinder­krippen, zwei davon sind in kirchlicher Trägerschaft. Doch nicht nur auf beruflicher Ebene haben Lehmann und Rauch ihre „Kämpfe“ ausgefochten: ab und an, wenn es die Zeit zuließ, auch mal gemeinsam auf dem Tennisplatz. „Wir haben viele Gespräche geführt, ernste Gespräche, aber auch Gespräche des Alltags und solche mit einem Augenzwinkern.“ Seine persönliche Wertschätzung für Thomas Rauch brachte Lehmann damit zum Ausdruck, dass er das Entrachinger Harfenduo bei der Feierstunde im Rathausfestsaal eigenhändig mit der Gitarre begleitete. „Ich habe ja bei der Eröffnung der B17neu gehofft, dass mit der schnellen Verbindung nach Augsburg die Dinge dort auch von Landsberg aus zu erledigen seien. Leider ist das nicht möglich“, zeigte sich Lehmann enttäuscht. Erfüllende Zeit Thomas Rauch fällt der Abschied schwer. „Die zehn Jahre in Landsberg waren für mich eine erfüllende Zeit“, sagte er in seiner spontanen Dankesrede. Er habe es stets als Fügung empfunden, nach Landsberg gekommen zu sein und sei dafür einfach nur dankbar. Viele blickten nur auf das Äußere, die zahlreichen, millionenschweren Renovierungsmaßnahmen unter anderem von Johanniskirche, Heilig-Kreuz-Kirche oder Stadtpfarrkirche. „Das hat mich persönlich sehr, sehr viel Kraft und Arbeit gekostet, aber das ist nicht das Wesentliche.“ Brücken gebaut Für ihn stand immer die Seelsorge im Mittelpunkt, so Rauch. Aber auch das Verhältnis zur Stadt und zur evangelischen Kirche: „Die Ökumene hier in Landsberg ist ein großes harmonisches Miteinander, das ist nicht selbstverständlich.“ Überhaupt sei in Landsberg vieles möglich, was sonst nicht möglich sei. Zu den kontroversen Diskussionen mit der Stadt sagte Rauch: „Ich habe immer versucht, Brücken zu bauen.“ Zusammen mit den beiden Gemeindereferenten Theresia Zettler und Thomas Knill, die ebenfalls nach Augsburg wechseln, verabschiedete sich Thomas Rauch am Sonntag noch im Rahmen des Patroziniums mit einem Gottesdienst von den Gläubigen. Die neue Stelle in der Bistumsstadt tritt er dann nach seinem Urlaub am 1. September an.

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