Von Bayern in die Altmark

Hat die Lechstadt gen Osten verlassen: Alexander Netschajew ist neuer Intendant in Stendal. Foto: Eckstein

Im April hatte er sich schon mit seinem Programm „Wortspielereien“ von seinem Publikum in der Lechstadt verabschiedet, inzwischen sind die Umzugs­- kartons schon wieder ausgepackt. Landsbergs Ex-Theaterleiter Alexander Netscha­- jew tritt am heutigen Mittwoch offiziell die Intendanz des „Theaters der Altmark“ in Stendal (Sachsen-Anhalt) an.

„Ich freue mich auf den Ortswechsel“, erzählt der gebürtige Berliner, „ich mag Bayern sehr gerne und werde ganz sicher zurückkommen, aber jetzt möchte ich mal einen ganz anderen Wind um mich wehen lassen“. Und mit diesem Wind kommen neue Herausforderungen. Das „Theater der Altmark“, ein Sprechtheater mit rund 500 Plätzen und 70 Mitarbeitern, ist das einzige produzierende Theater der Region. „Das ist eine Riesenfläche, die wir bedienen müssen.“ Die Hansestadt selbst hat 42000 Einwohner und das Problem vieler ostdeutscher Städte: den Wegzug. Der spiegelt sich auch in der Auslastung des Theater wider. „Das ist noch Luft nach oben“, gibt der neue Intendant zu, der bereits seit letztem Herbst seinen neuen Wirkungskreis erkundet. Doch andererseits erfahre das Theater einen starken Rückhalt seitens der Stadt, zeige es auch eine große Außenwirkung. „Wir müssen die Leute erreichen, müssen Lust machen auf den Theaterbesuch“. Und so zeigt das Programm der neuen Spielzeit, das Netschajew noch gemeinsam mit seinem Vorgänger ausgearbeitet hat, eine breite Palette von ernsten sowie leichteren Stücken, Schiller ist darin genauso zu finden wie Edgar Wallace. „Theater soll in erster Linie unterhalten“. Dass dies aber auch mit anspruchsvollen, ja oft unbequemen Inhalten geht, hat Alexander Netschajew mit seiner Inszenierung „Die Flucht“ in Landsberg bewiesen. Auch in Stendal will er Themen aufgreifen, die die Menschen in der Stadt, in der Region bewegen. „Leben und Kunst sind nicht zweierlei“ zitiert er Felix Mendelssohn-Bartholdy. So enthält der Spielplan aus aktuellem Anlass ein Stück über sexuellen Missbrauch und ein Schultheaterstück über Rechtsradikalismus. Die Eröffnungspremiere inszeniert Netschajew selbst und beweist gleich seine Liebe zu den Klassikern mit Schillers „Kabale und Liebe“. Auch selbst wird er auf der Bühne zu sehen sein, mit Patrick Süskinds „Kontrabass“. Eine Stendaler Produktion wird übrigens in einem Jahr während der Landesbühnentage in Memmingen zu sehen sein. Doch bei allem Tatendrang und aller Vorfreude: ein bisschen Abschiedswehmut ist doch zu spüren. „Ich habe mich sehr gefreut, dass trotz aller Differenzen und Missverständnisse eine große Solidari­tät anderer Kulturschaffender geherrscht hat, dass ich für die Romantische Nacht und die Rathauskonzerte engagiert wurde oder fürs Weihnachtsbrettl.“ Alexander Netschajews Wunsch: „… dass die neue Stadtführung erkennt, was sie für ein Juwel in der Schlossergasse stehen hat“.

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