Einzelhandel mit Tabuzonen:

Zentrum oder Ergänzungsort?

+
Wie weitreichend ist der Bestandschutz im neuen Bebauungsplan „Einzelhandelsnutzung“? Diese Frage stellt sich im Einkaufscenter „Lechland“ (Foto) auch bei der Suche nach einem „Kaufland“-Nachfolger zum Januar 2017.

Landsberg – Es soll der „große Wurf“ werden, damit man nicht immer wieder über das Gleiche diskutiert: Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss will über das gesamte Stadtgebiet einen neuen Bebauungsplan zur „Einzelhandelsnutzung“ legen. Damit soll festgelegt werden, wo welche Waren verkauft werden dürfen und wo „Tabuzonen“ sind.

Bisher waren derartige Regelungen in den einzelnen Bebauungsplänen enthalten. Nun soll das Thema vor die Klammer gezogen werden. Dazu will die Stadtverwaltung zunächst definieren, welche Standorte als „zentrale Versorgungsbereiche“ nach dem Baugesetzbuch gelten sollen. Gedacht ist an die Altstadt und an den „Ergänzungsbereich Katharinenstraße“ – dort soll alles verkauft werden dürfen, was es gibt, von Lebensmitteln bis zu Sportartikeln. Ähnlich privilegiert werden sollen das Forum und die Geschäfte in der Augsburger Straße; allerdings gilt dort in beiden Fällen künftig eine Verkaufsflächenbegrenzung pro Sortiment.

Ergänzend dazu sollen „Minizentren“ definiert werden. Dabei handelt es sich der Planung zufolge um die Gebiete Iglinger Straße/Ahornallee, Breslauer Straße/Holzhauser Straße, Waldheimer Platz und „Feneberg“. Dort wird es künftig erlaubt sein, den Nahversorgungsbedarf zu decken. Außerdem können Waren des „zentrenrelevanten Bedarfs Stufe 2“ mit begrenzter Verkaufsfläche angeboten werden. Dazu zählen Antiquitäten, Baby- und Kinderartikel, Bastelartikel, Blumen, Fotoartikel, Sportartikel und Waffen. Ausgeschlossen ist der Verkauf von Waren des „zentrenrelevanten Bedarfs Stufe 1“, nämlich von Textilien, Schuhen, Büchern, Uhren, Schmuck, Silberwaren, Optik und Akustik.

Bestandsschutz

Parallel dazu gibt es noch „dezentrale Ergänzungsstandorte“, das sind das Fachmarktzentrum im Osten und das „Lechland“ im Westen der Stadt. Hier soll es künftig nur möglich sein, „sonstigen Bedarf“ zu decken, also Waren zu verkaufen, die weder in Stufe 1 noch in Stufe 2 fallen. Auch der Nahversorgungsbedarf soll dort nicht gedeckt werden dürfen. Allerdings gilt an diesen Ergänzungsstandorten Bestandsschutz; „genehmigte Nutzungen“ sind weiter zulässig, bereits existierende Geschäfte müssen nicht schließen. Wie weit dieser Bestandsschutz reicht, ist aber unklar. Ab welchem Grad der Sortimentsänderung ist eine neue Genehmigung erforderlich (die dann versagt werden müsste)? Insofern verbessert dies auch nicht die Verhandlungssituation der Standortbetreiber: Die Stadt regiert an den Ergänzungsstandorten beim Warenverkauf immer ein wenig mit.

Die geplanten Festlegungen gehen auf einen Auftrag des Stadtrats vom Januar 2015 zurück. Dabei hatte das Gremium die Richtung vorgegeben. Es gehe erstens um den Schutz und die Stärkung der Altstadt, zweitens um die Stärkung der Nahversorgung und drittens um den Aufbau und Erhalt von Nebenzentren. Allerdings ist das letzte Wort über die konkrete Ausgestaltung noch lange nicht gesprochen. Die Beratung am heutigen Mittwoch (17 Uhr) ist insofern nur ein erster Schritt.

Werner Lauff

Meistgelesene Artikel

Voreiliger Kahlschlag?

Landsberg – In Kaufering und Igling ist man verstimmt. Der Grund: Die beiden Kommunen sind im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung von der Stadt …
Voreiliger Kahlschlag?

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Ein Blick über den Tellerrand

Dießen – „Wenn ich an seinem Ufer steh weiß ich, ich liebe ihn, den Ammersee“ – mit einer Hymne auf Dießen und den Ammersee, gesungen und gespielt …
Ein Blick über den Tellerrand

Kommentare