Neue Bausünden verhindern

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Eine richtig schöne Dorfstruktur sehen die Gemeinderäte aufgrund der vielen Neubauten, wie die vor der Kirche, in Alt-Kaufering nicht mehr gegeben und wollen einen Bebauungsplan aufstellen.

Kaufering – Der Marktgemeinderat hat jüngst ein heißes Eisen in die Hand genommen: Bei einer Gegenstimme verabschiedete er den Antrag der CSU, die Entwicklung eines Bebauungsplans für das historische Dorfzentrum zu prüfen.

Anlass waren unter anderem „zahlreiche Bausünden in den vergangenen Jahrzehnten“, so CSU-Fraktions­spre­cher Meinrad Mayrock.

„Es ist zwar sehr spät, aber wir sollten die noch verbliebenen Struk­turen retten. In die aufgelassenen Ställe kommt natürlich nie wieder eine Kuh, aber wir können wenigstens die Bebauungsdichte steuern“, so Mayrock. Zudem könne nur mit einem Bauplan die Dorfstruktur bewahrt werden. Rosina Heinle: „Der größte Fehler war, dass wir da einen Vierspänner hineingestellt haben. Aber es ist ganz klar, im Moment wird einfach an den verkauft, der das meiste Geld bezahlt und der versucht dann, möglichst viele Wohnungen unterzubringen.“

Im Dorf selbst gilt ein Bebauungsplan als heikles Thema, weil viele Anwohner befürchten, dass ihnen von der Gemeinde bei Um- und Neubau­ten zu viele Vorschriften gemacht werden – nicht zuletzt deshalb gab es den Plan bisher in Kaufering erst gar nicht. Die CSU will jetzt für die Entwicklung des Bebauungsplanes den Planungs- und Bauausschuss um Mitglieder des Dorfes erweitern, „um eine größere Akzeptanz bei Grundstückseig­- nern zu erreichen.“ Außerdem soll ein Fachplaner hinzugezogen werden. Auch Gabriele Triebel (GAL) weiß um die Brisanz: „Ich bin froh, dass der Antrag von den Dörflern kommt. Ein Bebauungsplan war seit Jahren mein Wunsch, aber ich hätte mich nie getraut, den Antrag zu stellen, aus Angst, dass ich gesteinigt werde.“

Dass letztlich aus dem Ausschuss der Beschlussvorschlag für einen Bebauungsplan herauskommt, ist noch nicht gesichert, denkbar wäre nach den Diskussionen im Rat auch ein Städtebaulicher Vertrag. Vor einer Veränderungssperre, wie sie GAL-Rat Alex Glaser forderte („Damit nicht schnell noch die alten Gebäude abgerissen werden.“), warnte Andreas Giampa von der Verwaltung. „Wir müssen zuerst eine Bauleitplanung entwickeln, weil wir sonst sehr schnell Schadensersatzansprüche bekommen.“

Ein Rat allerdings wollte dem Antrag gar nicht erst zustimmen: Johann Drexl sieht die Dorfstruktur als bereits verloren an. „Das Thema hätte vor 25 Jahren bei der Dorferneuerung auf die Tagesordnung gehört.“ Was inzwischen in der Leonhardistraße oder am Brückenring gebaut worden sei, habe mit dem ursprünglichen Dorf nicht mehr viel zu tun. „Die Landwirte sind einfach weniger geworden, die Veränderung lässt sich nicht mehr aufhalten. Da hilft selbst ein Bebauungsplan nicht mehr viel“, begründete er seine Ablehnung. chk

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