"Bei Heimat tut`s weh" – Ottfried Fischer mit "Heimat" in der Berufsschule Landsberg

Er wäre noch schnell beim Rauchen gewesen, hat Ottfried Fischer zu Beginn seines Aufritts gesagt. Denn Zigarettenrauchen sei ja jetzt gesund, da die Wege zum „Fumarium“, wie er den Platz des Rauchens vornehm lateinisch nennt, lang seien. Außerdem kann das, was die CSU kaputt mache, so schlecht nicht sein. Knapp zwei Stunden dauert die Tour des Kabarettisten, Schauspielers und studierten Politologen durch den Begriff „Heimat“. Die Aula der Berufs- und Fachoberschule Landsberg ist an diesem Samstag Abend mit etwa 300 Zuhörern gut gefüllt gewesen.

Die Glocken von Big Ben kündigen den Kabarettisten an und gleich im Anschluss daran trällert aus dem Lautsprecher Caterina Valente ihr Lied von der Insel in der Sonne, ein deutsches Remake von Harry Belafontes „Island in the sun“ aus dem Jahre 1957. Bei genauer Betrachtung eine interessante Situation. Eine Italienerin singt auf Deutsch ein Lied, das ursprünglich von einem farbigen Amerikaner berühmt gemacht wurde. Wenn das nicht ein frühes Anzeichen für die Globalisierung war. „Heimat ist da, wo’s Herz weh tut“, sagt Fischer. Man merkt ihm an, dass er in den verschiedensten Diskursen zu Hause ist. Er versteht sich im Jargon der Philosophen Heidegger und Bloch, deren Name wahrscheinlich nur wenigen im Publikum etwas sagt. Schnelle Sätze in deren Stil kommen aus seinem Munde. Akrobatische Wortschöpfungen wie „Jocus ex cathedra“ oder Stoibersche „Demokratieverhinderungskommission“ finden Beifall. Eine Pointe nach der anderen wird beklatscht. Es vergeht keine Minute ohne einen Lacher. Mal geht es ums Geld: Steuerhinterzieher machen nichts anderes als das Geld vor dem Missbrauch durch den Staat zu schützen, dann wieder um die Religion: Herodes hätte durch frühzeitiges Köpfen des Religionsstifters uns einen Kardinal Meißner erspart. Gut benutzt er das platonische Höhlengleichnis um über die unsäglichen Musikantenstadlsendungen zu lästern. „Die Höhle ist das Neandertal der guten Laune“ bemerkt er und stellt sich vor, wie der Philosoph Bazon Brock dem Moderator Andy Borg vorwirft: „Die Idee des Guten verträgt sich nicht mit ‚Herzilein‘“. Ja das Gute. Was ist das? Auch hier zeigt sich wieder die klassisch humanistisch-universitäre Bildung des Kabarattisten. „Bonum est, quod omnia appetunt.“ Das Gute ist das, wonach alles streben, sagt er in den Worten des Aristoteles. Leider ist das in dieser Verkürzung wohl den wenigsten im Zuhörerraum verständlich. Macht nichts. Es klingt irgendwie gut. Aber es ist trotzdem angenehm, dass der Kabarettist sich nicht scheut mit diesen Begriffen zu hantieren und sein Publikum ein wenig in die Philosophie des Glücks heranzuführen. Nach der Pause erzählt Fischer dann auf recht trockene Weise von seiner Karriere als intellektueller Kabarettist in dem einen oder anderen Bierzelt seiner niederbayerischen Heimat. Leicht hat es der Zyniker, wie er sich selbst bezeichnet, in seinen Anfangsjahren dort nicht gehabt. „Wenn sich am Ende eines solchen Festes die Burschen geprügelt hatten, stand dann in der Lokalpresse, sie hätten miteinander ‚gescherzt‘“. „Lingua non olet“ sagt Fischer in Abwandlung der Wendung, die Kaiser Carracalla zugeschrieben wurde. Mit der Sprache kann man so allerhand machen, sie lässt sich vieles gefallen. Durchaus interessant, was Fischer über zwei Stunden zum Thema „Heimat“ zu sagen hat. Seine Art zu sprechen ist allerdings gewöhnungsbedürftig: Das monotone Aneinanderreihen von Silben ohne Punkt und Komma sowie ohne Hebungen und Betonungen gefällt nicht jedem. Letztlich kommt es darauf nicht an, sondern darauf, dass wir einen Einblick in den aktuellen Gefühlszustand eines bedeutenden bayerischen Kabarettisten nehmen durften und eine treffsichere Definition der Lokalzeitung mit nach Hause: „Die Heimatzeitung erkennt man daran, dass einem die Todesanzeigen etwas sagen“.

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