Nach unten und hoch hinaus

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Die Glocke des Bayertors mal ganz aus der Nähe: Beim Bayertorfest konnte man nicht nur die Plattform des Bayertors erklimmen, auch Jungfernsprungturm, Pulverturm und Jesuitenbierkeller öffneten die Türen.

Landsberg – Verborgene Türen öffneten sich beim Bayertorfest des Fördervereins Landsberger Bayertor e.V.: Zahlreiche Besucher sahen sich den Pulverturm, die Bierkeller unterhalb des Heilig-Geist-Spitals, den Jungfernsprungturm und natürlich das Bayertor selbst an. Einen ganz besonderen Kick und Ausblick bekamen Schwindelfreie. Die Firma Wasserle nahm jeden, der sich traute, gegen eine Spende mit auf die direkt vor dem Turm stationierte Hebebühne: Mit ausgefahrenem Arm fehlten nur noch drei Meter zum 36 Meter hohen Bayertor.

Ein bisschen wackelig ist es da oben schon. Der Blick nach unten zeigt ameisengroße Festbesucher, die sich vom Süßbräu bewirten lassen oder auf dem Weg zur nächsten Stadtführung sind. Der Blick auf die Altstadt unverstellt – und einmalig. Wer noch höher hinaus will, geht mit Vereinsmitglied Martin Zeiser auf die Plattform des Bayertors. Zwar kann man von dort nicht die Altstadt sehen – sowohl Glocke als auch Gerüst verhindern die Sicht. Dafür gibt’s den weiten Blick nach Osten. Und auf die Bayertor-Glocke, mal ganz nah. Allein der ist die vielen Stufen bis zur Plattform wert.

Nicht nur für Schwindelfreie

„Die Spenden für die Hebebühnenfahrt gehen an den Bayertorverein“, versichert Firmeninhaber Markus Wasserle. Der Förderverein will sich auch nach der jetzigen Renovierung des Bayertors um das gotische Schmuckstück kümmern: „Es geht uns auch um den Innenausbau“, sagt Zeiser bei seinem Rundgang durchs Bayertor, „der ist in der großen Renovierung ja nicht mit drin.“ Zum Beispiel die kleine Weinstube auf halber Höhe, die früher zum Lokal im Erdgeschoss gehörte. Alle vier Rundgänge werden von Vereinsmitgliedern geleitet: Neben Martin Zeiser geht es mit dem zweiten Vorsitzenden Axel Flörke zum Pulverturm, die erste Vorsitzende Sigrid Knollmüller führt zum Jungfernsprungturm und Heimatpfleger Dr. Werner Fees-Buchecker zeigt die Bierkeller der Jesuiten.

„Die alte Bergstraße ist praktisch ein Regenwassergraben“, erklärt Flörke. „Dadurch wurde Geröll nach unten geschoben, weshalb der Lech hier eine Schleife macht.“ Den Verlauf der ersten Stadtmauer und ihre Erweiterung, bei der bis 1425 das Bayertor entstand, zeigt sich den Besuchern auf alten Karten. Darauf auch der Jungfernsprungturm. „In den Protokollen der Jesuiten kann man nachlesen, dass Frauen von Türmen gesprungen sind, als die Schweden kamen. Von welchen, ist nicht klar.“ Vom Jungfernsprungturm hat man bekanntlich den besten Blick auf die Stadt – auch auf die ehemalige Floßrutsche am Lech, die aber nicht alle Flößer erreichten. Flörke zeigt ein Votivbild: „Wenn die dann die Abfahrt über die Lechstufen überlebt haben, gab’s so ein Votivbild.“

Entlang der Stadtmauer geht es Richtung Norden zum 1485 gebauten Pulverturm, in dem – wie der Name schon sagt – das Pulver gelagert wurde. Und auf dessen Rückseite eine der wahrscheinlich schönsten Terrassen Landsbergs zu finden ist. Das Vergnügen, diese Terrasse und den Turm zu nutzen, hat die Bergwacht Landsberg, die das Innere in den 70er Jahren renovierte und seither den Turm mietet.

„Kastanien sind Flachwurzler, deswegen wurden sie als Schattenspender über Bierkellern gepflanzt“, erzählt Fees-Buchecker. Dennoch konnte man nur von September bis April brauen, das braune Winterbier und das Märzenbier. Allerdings hatten die Bierbrauer keine Erlaubnis, Essen zu verkaufen – weshalb man in bayerischen Biergärten auch heute noch sein Essen mitbringen darf. Die Keller unter dem Heilig-Geist-Spital sind beeindruckend. Die Lechkiesel am Boden sind noch von damals, die stahlummantelten Betonsäulen natürlich nicht: „Die wurden wahrscheinlich eingesetzt, als man die Räume als Luftschutzkeller nutzte“, meint der Heimatpfleger. Später sei hier „so ein Ritterclub“ gewesen, aber seither werden die Räume nicht mehr genutzt.

Das Angebot der vier außergewöhnlichen Stadtführungen kam an: „Wir haben über 150 Besucher gehabt“, sagt Knollmüller. „Und wir wollen das auf jeden Fall wiederholen.“ „Dem Förderverein etwas spenden können Sie aber auch einfach so“, lacht Zeiser. Nach vier Führungen, vielen Treppen, grandiosen Aussichten und wissenswerten Informationen tut die Erholung im Biergarten vom Süßbräu bei selbstgemachten Kuchen gut: „Wir sind’s zufrieden“, schließt Wirt Karl ­Matheis, „und wenn meine Frau gut gelaunt ist, verrät sie Ihnen vielleicht auch das Kuchenrezept.“

Susanne Greiner

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