Frauen an der Spitze

+
Corinna Hiemer konnte mit ihrem „Sideboard mit Geheimfach“ (links hinten) aufgrund der klaren Konzeption bei der Jury erfolgreich punkten. Mit ihr freute sich Innungsobermeister Wolfgang Zeit.

Landsberg – Früher galt der Schreiner als typischer Männerberuf. Dass Mädchen den Jungs den Rang ablaufen, kommt auch nicht alle Tage vor. Beim Wettbewerb „Die gute Form – Schreiner gestalten ihr Gesellenstück“ siegten überraschend drei Gesellinnen – allen voran Corinna Hiemer aus Utting.

Wolfgang Zeit lobte bei der Preisübergabe die Kreativität des Nachwuchses. „Solche Einzelstücke sind die Antiquitäten von Morgen“, meinte der Innungsobermeister. Die Landsberger hatten drei Tage lang Gelegenheit, die 22 Ausstellungsstücke im Foyer des Landratsamtes zu begutachten. Immerhin wurden rund 600 Besucher gezählt.

Wolfgang Zeit verwies anlässlich der Preisverleihung darauf, dass im Schreinerhandwerk im Gegensatz zu vielen anderen Lehrberufen immer noch Gesellenstücke angefertigt würden. Für ihn sind solche Ausstellungen ein Stück Werbung für den Beruf des Schreiners. Er blicke optimistisch in die Zukunft, so Zeit, denn die Zahlen der Auszubildenden steige nach Jahren des Rückganges wieder an. Für das kommende Schuljahr der Berufsschule seien 29 Anmeldungen eingegangen. „Die Zahlen der Schreinerklasse lagen schon Mal bei 15 Schülern“, sagte Zeit.

Martin Lecker hatte als Wettbewerbsleiter die Ehre, die von einer Jury ausgewählten Preisträger zu verkünden. Platz eins ging an Corinna Hiemer (Lehrbetrieb: Formschön Clemens Buck GmbH, Schondorf). Sie konnte mit ihrem Gesellenstück bei der Jury knapp vor Julia Windeisen aus Landsberg punkten, die eine Liege gebaut hatte. „Ich habe viel gezeichnet und skizziert“, sagte sie. So entstand das Sideboard aus Elsbeere. „Schlicht sollte das Sideboard sein, gleichzeitig aber als Wandschmuck auffallen und flexibel genutzt werden“, beschreibt Hiemer ihr Werk.

Der Stahlschieber verbirgt Fächer, die man auf den ersten Blick nicht dort vermutet – eine Art Geheimtresor. Hiemers Herangehensweise an ihr Gesellenstück unterscheidet sich von ihren Kollegen. Dadurch, dass sie bereits ein Studium der Architektur mit dem Bachelor-Abschluss hinter sich hat, ent­- wickelte sie nicht nur ihren eigenen Stil sondern auch klare Vorstellungen von Gestaltung. Immerhin durfte sie als Siegerin einen Geldpreis von 150 Euro mit nach Hause nehmen. Für den 2. Platz gab es 100 und für den 3. immerhin noch 50 Euro.

Es bleibt "holzlastig"

Auch nach der Gesellenprüfung will Corinna Hiemer weiter „holzlastig“ arbeiten. „Vielleicht etwas mehr planerisch“, sagte sie und fügte lächelnd hinzu: „Ich komme aus einer Familie von Holzwürmern“. Ihr Vater und eine ihrer Schwestern haben das Schreinerhandwerk gelernt. Eine weitere Schwester arbeitet als Holzbildhauerin.

Julia Windeisen (Schreinerei Zeit, Kaufering) wurde zwar im Wettbewerb „Die gute Form“ nur zweite Siegerin, schnitt aber mit ihrer „Liege-Wavo“ als Innungsbeste ab. Zwischen all den Schreibtischen, Schränken und anderen Holzarbeiten hob sich die Liege allein schon durch ihre Form und Gestaltung von den Konkurrenten ab. Den 3. Platz belegte Lisa Ruge (3C-Carbon, Landsberg).

Belobigungen gab es zudem noch für Matthias Grundler, Markus Miedel und Andreas Platteder.

Siegfried Spörer

Meistgelesene Artikel

Der Entwurf steht

Landsberg – Die Hochwasserschutzmauern oberhalb der Karolinenbrücke sind 1913 erbaut worden – nach über hundert Jahren sind sie marode und müssen …
Der Entwurf steht

Vollgas auf eisiger Piste

Reichling – Frostiges Motorsportspektakel unter Flutlicht: Am Freitag, 20. Januar, richtet der MSC Reichling wieder die Zugspitzmeisterschaft im …
Vollgas auf eisiger Piste

Ein Blick über den Tellerrand

Dießen – „Wenn ich an seinem Ufer steh weiß ich, ich liebe ihn, den Ammersee“ – mit einer Hymne auf Dießen und den Ammersee, gesungen und gespielt …
Ein Blick über den Tellerrand

Kommentare