Mehr Frauen ins Bürgermeisteramt

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Hochkarätige Gäste trafen sich beim festlichen Sommerempfang des BVS-Bildungszentrums in Holzhausen (von links): Uttings Bürgermeister Josef Lutzenberger, Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Franz Dirnberger, Landtagspräsident a.D. Alois Glück, BVS-Vorstand Michael Werner und Landrat Thomas Eichinger. Foto: Roettig

Utting-Holzhausen – Nomen est omen. Wer Alois Glück als Festredner präsentieren kann, hat auch Glück mit dem Wetter! Nach durchwachsenen Tagen schien beim diesjährigen Sommerempfang des BVS-Bildungszentrums in Holzhausen die Sonne und das Outdoor-Programm nach dem offiziellen Teil im großen Saal lief sozusagen in trockenen Tüchern. Über 300 Gäste aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft konnte BVS-Vorstand Michael Werner im idyllisch direkt am Ammersee gelegenen Aus- und Fortbildungszentrum begrüßen.

Am Bildungszentrum werden Seminare für Beamte und Beschäftige der Verwaltung aus ganz Bayern durchgeführt. Neben 13 Lehrsälen und zwei Gruppenräumen verfügt es über ein eigenes Hotel mit 193 Betten in Doppel- und Einzelzimmern. Durch die einmalige Lage direkt am See mit eigenem Badesteg zählt Holzhausen zu den begehrtesten Lehrstätten im Bereich der Verwaltung. Humorvolles Motto: „Wir geben Ihrer Bildung ein Zuhause“. Die Träger der BVS sind der Freistaat Bayern, die bayerischen Gemeinden, Städte, Landkreise und Bezirke.

Vorstand Michael Werner dankte in seiner Begrüßungsrede denn auch den 150 Mitarbeitern in Holzhausen, ohne die ein reibungsloser Ablauf nicht möglich wäre. Die hohe Qualität für Bildung und Kompetenzentwicklung würden die Lehrkräfte und Dozenten mit ausgewiesenen fachlichen und persönlichen Fähigkeiten sichern. Die Kernaufgabe der 1920 gegründeten Bayerischen Verwaltungsschule BVS sei es, den Beschäftigten im öffentlichen Dienst eine bestmögliche Aus- und Fortbildung zu ermöglichen. Bis zum 100. Geburtstag der BVS in vier Jahren wolle man die Standards weiterentwickeln, um stets aktuell höchsten Qualitätsansprüchen zu genügen. Man sei am Puls des Gesetzgebers und halte immer die aktuellen Bildungsangebote bereit.

Dr. Franz Dirnberger, BVS-Verwaltungsratsvorsitzender und Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Bayerischen Gemeindetages, wies in seiner Rede darauf hin, dass man den Flüchtlingsansturm gerade in Bayern dank den fachlich hoch qualifizierten Mitarbeitern in den Kommunen gut gemeistert habe, letztendlich auch durch die fundierte Aus- und Weiterbildung in der BVS. Jetzt herrsche eine Atempause beim Zustrom, die aber mit den neuen Fluchtrouten bald vorbei sein werde. Auf die Kommunen kämen riesige Aufgaben bei der Integration zu, für die es sich vorzubereiten gelte.

Zum Thema Wasser betonte Dirnberger, dass man mit speziellen Programmen den Gemeinden helfe, Personal für kleine Wasserversorger zu qualifizieren, um sich den großen anony­men Wasserversorgern entgegen zu stellen. Auch bei der Energie sei man am Ball und biete Ausbildungen zum „Kommunalen Energiewirt“ an. Die viel beschworene Energiewende bezeichnete er speziell in Bayern als „Energiewindungen“…

Damit sich mehr Frauen für die vielseitige Aufgabe des Bürgermeisteramtes interessieren, habe man das Programm „Frauen führen Kommunen“ aufgelegt. Bislang seien nur etwa zehn Prozent aller Bürgermeisterposten von Frauen besetzt. Dirnberger schloss mit dem Anliegen, dass sich noch mehr nebenamtliche Dozenten aus dem Kommunen für das Bildungskonzept der BVS melden wollen. Deren Tipps aus der Praxis seien unbezahlbar.

Höhepunkt des offiziellen Festprogrammes war die Rede von Alois Glück (76), ehemaliger Präsident des Bayerischen Landtags und Ex-Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. Er referierte über perspektivisches Denken und Handeln, eine Aufgabe für Politik und Gesellschaft in Anbetracht epochaler Umbrüche und globaler Herausforderungen. Glück betonte, dass die Qualität der Verwaltung für das Funktionieren eines Rechtsstaats enorm wichtig sei. Viele Krisen auf der Welt seien durch schlechte und unfähige Verwaltung entstanden. Das Zerfallen dieser Staaten sei dann oft die Fluchtursache.

Der Flüchtlingsansturm nach Deutschland sei eine heilsame Herausforderung für uns, da er unsere Stärken und Schwächen sichtbar mache: Stärke durch die Stabilität unserer kommunalen Selbstverantwortung. Schwächen durch Ängste, die unheimliche, zum Teil zerstörerische Kräfte in Teilen der Bevölkerung freisetze. Dabei gehe es uns in Deutschland doch verhältnismäßig gut, trotzdem sei man gespalten und ständig am Kritisieren von Politik, Institutionen und Autoritäten. Es werde nur über Defizite geredet, dabei hätten wir in Deutschland die besten Voraussetzungen, die Probleme der Welt entscheidend mit zu meistern. „Wir leben hier in einer Konsumdemokratie. Alles nehmen, aber keine Verantwortung übernehmen!“

Nach dem offiziellen Festakt ging es für die Gäste ins Freie, wo die Schwindelfreien eine „Ballonfahrt“ in 40 Meter Höhe erwartete. Der Ballonkorb am Kran hievte jeweils acht Gäste in die Höhe, wo sich ein atemberaubender 360 Grad-Rundumblick über das Gelände des BVS-Bildungszentrums und den Ammersee bot. Wer sich nicht in den Korb traute, den erwartete in den festlich geschmückten weißen Partyzelten ein exzellentes Buffet.

Dieter Roettig

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