Ein kleines Paradies

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Für die Kinder war Therapiepferd Delta der absolute Liebling beim Sommerfest des Landsberger Tierheims: Auf ihrem Rücken durften sie kleine Runden über das Gelände drehen.

Landsberg – Fast schon eine Villa ist es geworden, das neue winterfeste Nachtquartier für Hamster, Hase und Co. Am Wochenende eröffnete der erste Vorsitzende des Tierheims Landsberg Detlef Großkopf beim jährlichen Sommerfest das „Kleintierparadies“, nicht ohne sich den Segen für Tier und Gebäude vom Diakon der Pfarrei Hl. Engel Thomas Grünwald zu holen. Passend las dieser einen Auszug aus der Genesis über den Garten Eden, „auch wenn ein Paradies eigentlich keinen Segen notwendig hat“. Das 1.400 Quadratmeter große Gelände hatte das Tierheim von einem alten Ehepaar geerbt. Nach ausgiebiger Rodung und Renovierung der eternitverseuchten Hütten sowie dem „Villa-Neubau“ bietet es jetzt eine ideale Unterkunft für verwaiste Kleintiere.

„Bis gestern Abend um zehn Uhr haben wir noch gearbeitet, aber trotzdem ist noch nicht alles fertig“, erzählte Großkopf. Das wichtigste seien aber die Unterkünfte für die Tiere, und die sind wirklich gelungen: große Ställe mit Auslauf im Freien, in der Mitte eine kleine Wiese und das neu gebaute Häuschen für die kalten Tage. Auch eine zweite Voliere steht schon, und bei dem kleinen Brunnen sieht man deutlich, mit wie viel Herz die Erbauer bei der Sache waren.

Für Hamster, Hase und Co.

Die zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl erinnerte an die Anfangszeiten des Tierheims vor 60 Jahren, „als die Kinder noch Birgit und Michael hießen und die erste Ausgabe der Bravo erschien.“ Seither hätten sich zwölf Vorstände, viele Angestellte und unzählige ehrenamtliche Helfer für das Wohl der Tiere engagiert. Der neu eingeweihte Bereich sei ein „großes Paradies für kleine Tiere“, der das ohnehin schon qualitativ hochwertige Tierheim Landsberg vervollständige.

Auch sonst war einiges geboten. „Brassa Nova“ mit Musikern aus der Jugendstadtkapelle sorgte mit lateinamerikanischen Rhythmen dafür, dass trotz immer wieder einsetzendem Regen gute Laune herrschte. Die Hundeschule 4Pfotenzeit hatte einen Parcours für die „Herrchen“ aufgebaut, um die Folgsamkeit ihrer Hunde zu testen – nicht immer mit Erfolg. Auch die im Moment im Tierheim untergebrachten Hunde fanden Beachtung: Vor allem Cockerspaniel Willy hinterließ einen bleibenden Eindruck und vielleicht hat ja der ein oder andere Hund schon einen neuen Besitzer. Bereits bestehende Hunde-Mensch-Beziehungen konnten sich bei Diakon Grünwald ihren Segen holen. Das wollte sich auch der Caller, der Ansager der Square-Dance-Gruppe „Running Turtles“ aus Augsburg, nicht entgehen lassen: Seinen Hund hatte er vor zwei Jahren vom Tierheim Landsberg geholt. Die Einladung, den Gästen den amerikanischen Volkstanz zu zeigen, schlug die Gruppe dann natürlich nicht aus.

Patricia Frosch hatte Therapiepferd Delta mitgebracht, auf dem Kinder kleine Runden drehen durften. Die Reittherapie auf der gutmütigen Stute hilft zum Beispiel Kindern mit körperlichen oder auch geistigen Beeinträchtigungen. „Und dabei merken sie nicht einmal, dass es Therapie ist“, erklärt Patricia Frosch, „denn es macht Spaß“. Auch Lamas eignen sich zur Therapie, weshalb sie gleich drei der Tiere mit dabei hatte. Insbesondere das schwarze Lama Shakira hatte es den Gästen angetan: Mit seinem interessierten Blick und den abstehenden Ohren eroberte es die Herzen im Sturm. Informationen über bedrohte Arten gab es beim Landesbund für Vogelschutz. Er informierte auch über die vielen Vogelarten, die auf dem kleinen Gelände hinter dem Jugendzentrum gesichtet wurden: Sogar ein Eisvogel sei dabei gewesen.

Dennoch, das Gelände wird die geplante Bebauung nicht überstehen. Das Tierheim Landsberg wird immer perfekter. „Aber wir leben dennoch von der Hand in den Mund“, betont Großkopf. Für das Kleintierparadies habe man zum Glück Hilfe von Sparkasse, dem deutschen Tierschutzbund und auch dem Landrat bekommen, „allein die nötige Zaunanlage hat 14.000 Euro gekostet.“ Jede Kommune zahle dem Tierheim pro Einwohner und Jahr eine Bedarfsprämie für den Tierschutz, „die liegt hier bei 45 Cent, nötig wären aber 75 Cent“. So könne man natürlich keinerlei Rücklagen bilden, und wenn morgen die Heizung kaputt gehe, hätte man ein Problem. Aber Großkopf hat Hoffnung: Dieses Jahr wird die Bedarfsprämie neu verhandelt.

Susanne Greiner

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