Benefizkonzert am Ammersee

Hochgenuss fürs Kinderdorf

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In Minutenschnelle hatten (von links) Stefan und Gundula Kirpal, Alba González i Becerra und Stephen Ristau ihr Publikum beim Benefizkonzert des Diogenes Quartetts verzaubert.

Dießen – Das Publikum war restlos begeistert. Innerhalb weniger Minuten hatte das Diogenes-Quartett aus München seine gut 180 Zuhörer im Theatersaal des Augustinums verzaubert. Mit technischer Perfektion, unglaublicher Präzision, vor allem aber mitreißender Leidenschaft präsentierten die vier Ausnahmemusiker Haydn ebenso überzeugend und authentisch wie Ponnelle und Max Bruch. Die großen Gewinner des Abends waren neben dem Publikum die Buben und Mädchen aus dem SOS-Kinderdorf, für die das Quartett unentgeltlich konzertiert hatte.

Schon nach dem ersten Werk, Joseph Haydns Streichquartett G-Dur, gab es minutenlangen Applaus. Mit atemberaubender Geschwindigkeit und Präzision hatten Stefan und Gundula Kirpal (beide Violine), Alba González i Becerra (Viola) und Stephen Ristau (Violoncello) soeben die Läufe im „Finale Presto“ gemeistert und dem Publikum einen selten lebendigen und präsenten Haydn geboten.

Vorangegangen war ein ebenso temperamentvoller erster Satz, in dem sich Stefan Kirpal und Stephen Ristau perfekte Dialoge lieferten. Ausdrucksvoll vom hauchzarten Tongespinst bis zum energischen Bogenstrich erklang das Adagio, die fein abgestimmte Dynamik zog sich wie ein roter Faden durch das ganze Stück. Zur Verständigung genügten den Musikern kurze Blicke, die Andeutung eines Lächelns. Ihre Begeisterung und Leidenschaft für die Musik schlug die Zuhörer auch beim Streichquartett von Pierre-Dominique Ponnelle in den Bann.

Die Streicher boten mit dem 2005 entstandenen Werk des befreundeten Komponisten einen großen Kontrast zu Haydn. Mit großer Präzision gelangen die ungewohnten Harmonien, die – mal spannend, unheimlich und drängend, mal sehnsuchtsvoll – viel Raum für die Phantasie der Zuhörer ließen. Wie Gundula Kirpal gehofft hatte, schloss das Publikum auch Ponnelle schnell ins Herz.

An den Schluss ihres Benefizkonzerts hatten die Musiker das lange verschollen geglaubte Streichquartett Nr. 1 c-moll von Max Bruch gesetzt und stellten damit noch einmal ihr brillantes (Zusammen-) Spiel unter Beweis. Das frühe Werk des damals erst 14-jährigen Komponisten begeisterte das Publikum vom gefühlvollen Adagio bis zum rasenden „Molto vivace“ so sehr, dass es sich mit Applaus, Bravo-Rufen und Getrampel bedankte.

Zum weihnachtlich-festlichen Ausklang nach dem „wilden Bruch“ (Stefan Kirpal) erklang als Zugabe noch das samtig-weiche Andante in C, das Schubert selbst nicht zu Ende geschrieben hat. „Wunderschön“, brachte ein Zuhörer anschließend das Konzert auf den Punkt. Organisiert hatten es SOS-Bereichsleiter Christoph Rublack und Kulturreferentin Sabine Cichowski vom Augustinum Ammersee, die sich mit kleinen Geschenken bei den Musikern bedankten.

Lokaler Abschluss

Denn das 1998 gegründete Diogenes-Quartett, seit einem Jahr Botschafter für SOS-Kinderdorf, hatte nicht nur komplett auf eine Gage für das Benefizkonzert verzichtet. Es spendete zudem den Erlös aus dem CD-Verkauf für die Buben und Mädchen im SOS-Kinderdorf. So kamen am Ende gut 2.000 Euro für das SOS-Kinderdorf zusammen. Das Konzert war der lokale Abschluss des Jubiläumsjahrs, bei dem der SOS-Kinderdorfverein sein 60-jähriges Bestehen feierte.

Daniela Hollrotter

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