Mit Benzin und Feuerzeug – 40-Jähriger wegen Bedrohung vor Gericht

Mit Dutzenden von SMS-Nachrichten am Tag, die abwechselnd Liebeserklärungen und Drohungen enthielten, hat ein 40-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis versucht, seine Ehe zu retten. Im Juni 2008 goss er einen Benzinkanister vor seiner Frau aus und zückte ein Feuerzeug. Wegen Nachstellung, Bedrohung und Nötigung stand der Mann jetzt vor dem Amtsgericht und kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Der selbstständige Unternehmer war bereits eineinhalb Jahre vor der Tat eine neue Beziehung eingegangen und zu Hause ausgezogen. Als dann aber seine Frau auch einen neuen Partner fand, wollte der Angeklagte auf einmal zu ihr zurück. „Ich hatte Angst, meine Söhne zu verlieren“, erklärte er vor Richterin Beate Kreller. Er befürchtete, der neue Freund könne sich in die Erziehung der beiden heute zehn und 14 Jahre alten Buben einmischen. Dass der neue Partner seiner Frau im gemeinsamen Haus übernachtete, missfiel ihm ebenfalls. Kneipe und Baum Ende Mai vergangenen Jahres schickte er der Geschädigten etliche SMS-Nachrichten täglich. Darin beteuerte er, dass er sie noch liebe und sich für sie ändern würde, drohte dann, sie und ihren Freund zu erschlagen, und kündigte schließlich an, er werde sich „eine Kneipe suchen und danach an einen Baum fahren“. Stattdessen fuhr er am 2. Juni zu seinem Haus, weil er einen letzten Versuch machen wollte, seine Frau umzustimmen. Sie lachte ihn jedoch aus. Daraufhin holte er aus seinem Auto einen Benzinkanister, goss ihn vor seiner Frau aus, fuchtelte mit einem Feuerzeug herum und drohte, sie und sich selbst umzubringen. Seinem zufällig hinzukommenden Schwiegervater gelang es, das Feuerzeug an sich zu bringen. Er könne sich im Nachhinein selbst nicht mehr erklären, wie er das habe tun können, beteuerte der reuige Angeklagte. An die Tat selbst habe er keine Erinnerung. Der psychiatrische Gutachter, Wolf Langensteiner aus Augsburg, konnte bei dem 40-Jährigen keine psychischen Erkrankungen feststellen. Er bescheinigte ihm lediglich eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur und ein überhöhtes Selbstbild. „Er nimmt sich selbst sehr wichtig, stellt die eigenen Interessen voran und sucht die Schuld gern bei anderen.“ Trotz seiner außerehelichen Beziehung sei der Angeklagte davon ausgegangen, dass er jederzeit zu seiner Frau zurückkehren könne. Als er begriff, dass dies nicht mehr möglich war, sei für ihn „eine Welt zusammengebrochen“. Zum Zeitpunkt der Tat sei die Steuerungsfähigkeit des 40-Jährigen erheblich vermindert gewesen. Mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr und sechs Monate gefordert hatte. Sein Geständnis, die Reue sowie das Fehlen jeglicher Vorstrafen sprächen für den Angeklagten, so Richterin Kreller. Gestraft sei er auch bereits durch die anstehende Scheidung und die Trennung von seinen Söhnen, die er seit dem Vorfall nicht sehen darf. Die Tat selbst habe zwar „ein ganz erhebliches Gefährdungspotential“ gehabt, sei aber im Affekt geschehen und nicht geplant gewesen. Wiederholungsgefahr besteht laut Psychiater nicht.

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