Nur mit beraten ist’s nicht getan – SOS-Beratungsstelle in Landsberg hilft 1383 Menschen aus dem Landkreis

Vorbeugend arbeiten und möglichst frühzeitig helfen – das hat sich die SOS-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Landsberg auf die Fahnen geschrieben. 1383 Menschen aus dem Landkreis haben im vergangenen Jahr in der Spöttinger Straße Rat und Hilfe gesucht und gefunden. Dazu kommen rund 100 Eltern, die sich an den insgesamt fünf Erziehungskursen für verschiedene Altersstufen beteiligten.

Zufrieden mit dem Wirken der sechs Mitarbeiter waren fast alle: Lediglich drei Prozent der Ratsuchenden brachen die Beratung von sich aus ab. „Die meisten Ratsuchenden waren auf Empfehlung ehemaliger Klienten der Beratungsstelle gekommen“, freut sich Bereichsleiterin Ilse Zimmermann. Die Erziehungskurse wurden von den Eltern bei einer Abschlussbefragung durchwegs als „sehr positiv“ und hilfreich empfunden. Sowohl die Kursteilnehmer als auch die Ratsuchenden schätzen es, dass die Fachleute der Beratungsstelle vor allem auf die vorhandenen Stärken der Eltern eingehen und keine „Patentrezepte“ anbieten, berichtet Heilpädagogin Elke Huber. Dabei ist es egal, ob Familien wegen Konflikten und/oder Trennungen in der Partnerschaft, wegen Erziehungsfragen, Schwierigkeiten in Kindergarten oder Schule oder auch wegen Mobbings gekommen sind. Nicht umsonst wird laut Sozialpädagoge Bernhard Kammerer die Arbeit der Bera­tungs­stellen in einer Effektivitätsstudie innerhalb der Jugendhilfen als „extrem gut“ bewertet. Eltern, aber auch Jugendliche können sich einfach telefonisch bei der Beratungsstelle anmelden. Ein erstes Gespräch wird dann innerhalb von ein bis zwei Wochen geführt. Ein Drittel der Ratsuchenden erhielt im vergangenen Jahr innerhalb weniger Wochen auch erste Beratungsgespräche, um schwerwiegendere Entwicklungen abzuwenden, so Psychologin Margit Erades-Peterhoff. Die anderen müssen Wartezeiten in Kauf nehmen, denn die Anzahl der Neuanmeldungen ist mit 495 nach wie vor leicht steigend auf hohem Niveau. Zum Glück kann den meisten Ratsuchenden bereits mit einem bis zehn Gesprächen so weiter geholfen werden, dass sie wieder alleine zurecht kommen. Daneben gibt es aber auch einige, die wesentlich mehr und sehr intensive Beratung benötigen. Kammerer wünscht sich deshalb, dass die Menschen möglichst früh – also auch wenn sie sich in bestimmten (Erziehungs-)Fragen lediglich unsicher sind – zur Beratung kommen. Denn dann werden Eskalationen vermieden und kann in kurzer Zeit gut geholfen werden. Zu wenig Therapeuten Je nach Bedarf verweist die Beratungsstelle auch auf andere Stellen, mit denen sie zusammenarbeitet. Problematisch ist in diesem Zu­sammenhang der große Mangel an Kinder- und Jugendpsychotherapeuten im Landkreis Landsberg, so Elke Huber. Nicht immer kann die Beratungsstelle diesen Mangel so gut ausgleichen wie zum Beispiel im Fall eines Kindes, das durch ein Horrorvideo traumatisiert war, Schlafstörungen und Probleme in der Schule bekam, dank der Beratung jedoch schnell wieder stabilisiert werden konnte. Wichtig ist dem Team auch die eigene Weiterbildung sowie die Teilnahme an verschiedenen Projekten im Landkreis. So engagieren sie sich unter anderem beim Landsberger Eltern-ABC, in den Arbeitskreisen „Mädchen“ und „Gewalt“, in der psychosozialen Arbeitsgemeinschaft sowie im „Netzwerk Trennung und Scheidung“. Dazu beteiligt sich die Beratungsstelle an der Online-Beratung der Bundes­konferenz für Erziehungsberatung (www.bke-beratung.de). Diese vorbeugenden Arbeiten sowie die große Anzahl von Beratungen und die Telefonsprechzeiten zu leisten, war im vergangenen Jahr „eine große Herausforderung“, so Zimmermann: „Das ging nur dank des hohen Engagements unserer Mitarbeiter“. Die SOS-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in der Spöttinger Straße in Landsberg ist montags bis freitags von 8 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 08191/911820 erreichbar. Die Beratung ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht.

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