Die "Pensionsreife" erreicht

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Oswald Kurr (2. von links) mit seiner Frau Hildegund und den erwachsenen Kindern bei seiner Verabschiedung. Unter den Festgästen war auch der frühere Landrat Walter Eichner (ganz links), der zu Kurr stets einen besonders guten Draht hatte

Landsberg – Herzlich und auch humorvoll ist der Schulleiter der Beruflichen Schulen Landsberg, Oswald Kurr, in den Ruhestand verabschiedet worden. Eine lange Liste an Rednern würdigte Kurrs Verdienste an der aus Berufsschule, Fachoberschule (FOS) und Berufsoberschule (BOS) bestehenden Bildungseinrichtung, die ihre Schülerzahlen unter seiner Leitung mehr als verdoppelt hat. Außerdem war der Mann mit der Fliege vielen Weggefährten offensichtlich auch persönlich ans Herz gewachsen.

Allen voran verbanden den ehemaligen Landrat Walter Eichner eine enge Zusammenarbeit und ein guter Draht mit Kurr. Regelmäßig traf man sich donnerstags in der Früh zu Kaffee-Gesprächen im Büro des Oberstudiendirektors. „Bei diesen Donnerstagsgesprächen hat er mir immer sachlich und konkret in meinen Stenoblock diktiert, was wir im Kreistag für diese Schule noch auf den Weg bringen müssen“, berichtete Eichner. Zuletzt überzeugte Kurr die Entscheidungsträger offenbar davon, die Schulleitung auch nach seinem Ausscheiden in einer Hand zu belassen. „Es war ja geplant, die Berufsschule von FOS und BOS leitungsmäßig zu trennen“, so Eichner. „Oswald Kurr hat mir plausibel die Nachteile einer Trennung aufgezeigt.“ Nachfolger Dietmar Bauer befand sich ebenfalls unter den Festgästen.

Über den Menschen Kurr, der Ende September seinen 65. Geburtstag feiert, erfuhr die Öffentlichkeit in diesen zwei Stunden mehr als in den elf Jahren davor: dass er als Hobby-Bildhauer Kunstwerke aus Marmor schafft, gern nach Italien fährt und sich dort in der Landessprache passabel verständigen kann, dass er Reserveoffizier bei der Bundeswehr und aktiver Netzwerker ist, bei Streitigkeiten vermittelt, auf biologische Ernährung und sein Gewicht achtet und stets einen Vorrat an homöopathischen Kügelchen im Schreibtisch hatte.

Großen Einsatz gezeigt

Grußworte von Landrat Thomas Eichinger und dem Landsberger OB Mathias Neuner drückten die Verbundenheit von Landkreis und Stadt aus. Regierungsschuldirektor Michael Waidhauser unterstrich, dass Kurr aus einer „klitzekleinen FOS“ eine breit aufgestellte Schule mit 13. Klasse und Berufsoberschule gemacht habe. Andrea Reuß, Kurrs Kollegin aus dem Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck, gratulierte im Namen der Arbeitsgemeinschaft der Berufsschulleiter in Oberbayern und überreichte dem Italien-Fan eine Zitronentagetes. Kreishandwerksmeister Michael Riedle bescheinigte Kurr, dass er auch das Zeug zum Architekten oder Projektsteuerer gehabt hätte. Stellvertreter Wolfgang Zeit erinnerte daran, dass es Kurr mit großem Einsatz gelang, die Schreinerlehrlinge nicht nur an der Schule zu halten, sondern ihre Zahl in sechs Jahren zu verdoppeln. Als Geschenk gab's passenderweise eine Holzskulptur des heiligen Josef, des Schutzpatrons der Schreiner.

Kfz-Obermeister Hans Medele ging auf das Ausbildungsprojekt Abi und Auto ein, dass er mit Kurr gemeinsam entwickelte und das mittlerweile bundesweit Furore gemacht habe. Elternbeiratsvorsitzender Thomas Planer und die Schülersprecher überreichten dem scheidenden Schulleiter ein humorvolles Abschlusszeugnis, das ihm die „Pensionsreife“ bescheinigte und „zum Studium der regionalen Gastronomieszene“ berechtigte.

Kurr selbst verriet in seiner Ansprache, dass er sich auf seinem damaligen Posten in Weilheim ganz wohl gefühlt und usprünglich gar nicht nach Landsberg gewollt habe. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal so gute Freundschaften schließen würde“, sagte er. Für den musikalischen Rahmen sorgten ein Schüler- und ein Lehrerquartett sowie der Lehrerinnenchor.

Ulrike Osman

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