Klasse für Asylbewerber

Eine Schule der besonderen Art

+
Die Stadt Landsberg haben die Asylbewerber aus Erpfting bei einer Stadtführung schon kennengelernt – ab dem heutigen Mittwoch drücken zwölf von ihnen in der Berufsschule auch wieder die Schulbank.

Landsberg – Für zwölf junge Männer aus Erpfting läutet am Mittwoch, pünktlich um 8 Uhr, wieder die Schulglocke an der Berufsschule in Landsberg. Denn es sind keine normalen Schüler, die zum Unterricht erscheinen – es sind Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien.

Seit einigen Monaten wohnen sie in Erpfting und da sie berufsschulpflichtig sind, haben die Beruflichen Schulen auf Initiative der „Asylhilfe Luibachstraße Erpfting“ eine eigene Klasse für die Asylbewerber eingerichtet.

Im November 2012 kamen die ersten der mittlerweile 32 Asylbewerber in die Luibachstraße nach Erpfting. Zeitgleich fand sich auch ein Team von acht Ehrenamtlichen, die den Afghanen und Syrern Hilfe angeboten haben, etwa bei Behördengängen oder auch beim Deutsch lernen und üben. „Unter den Asylbewerbern sind auch zwölf berufsschulpflichtige Burschen“, berichtet Sieglinde Soyer vom ehrenamt-lichen Team der Asylhilfe Luibachstraße. Sie habe dann bei der BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) Unterstützung beantragt und die Beruflichen Schulen Landsberg aktiviert.

Am 17. September habe es ein erstes Treffen mit den Betreuerinnen aus Erpfting sowie mit den Verantwortlichen aus Landratsamt und Berufsschule gegeben, erinnert sich stellvertretender Schulleiter Lorenz Häckl. Innerhalb eines Monats habe man dann gemeinsam ein Konzept entwickelt und so startet die Berufsschulklasse für die zwölf Flüchtlinge am heutigen Mittwoch. „Vorerst findet die Klasse an einem Tag pro Woche statt“, erklärt Häckl. Von 8 bis 16 Uhr drücken die 18- bis 23-Jährigen aus Erpfting dann die Schulbank.

„Der Deutschunterricht wird überwiegen“, erklärt Häckl, „aber es gibt für die Asylbewerber auch EDV, Staats- und Gesellschaftskunde und Rechnen.“ Am Nachmittag finden dann unterschiedliche und wechselnde Blöcke statt, etwa Hauswirtschaftskurse oder Sport. Ab Januar – wenn die schuleigenen Werkstätten weniger stark ausgelastet sind – beginne dann der fachpraktische Unterricht in der Holztechnik.

„Das wird für uns ein großes Abenteuer“, meint Thomas Schlütsmeier, der Klassenlehrer der Asylbewerber. Denn unter den frisch gebackenen Berufschülern seien sowohl ehemalige Studenten als auch Analphabeten der lateinischen Schrift. „Viele sind gar nicht mehr an die Schule gewöhnt“, erklärt Schlütsmeier, „die sind dann vielleicht schnell erschöpft.“ Daher habe man versucht, ein abwechslungsreiches Unterrichtsprogramm zu gestalten. Wichtig sei vor allem die berufliche Praxis, aber zunächst werde besonderer Wert auf das Kochen gelegt. Hauswirtschaftslehrerin Maria Schenuit kocht mit den jungen Männern deutsche aber auch afghanische und syrische Gerichte. Jeder Schultag wird dann außerdem mit zwei Stunden Sport abgeschlossen.

Noten bekommen die Asylbewerber in der Berufsschule keine, erklärt Schlütsmeier: „Aber am Ende des Jahres erhält jeder Schüler eine Art Gutachten. Darin steht, wie sich jeder besonders verbessert hat oder wo er anknüpfen kann.“ Die jungen Männer aus Erpfting haben sich bereits selbst in der Schule eingeschrieben, Schlütsmeier zeigte ihnen das Klassenzimmer sowie die Schule und erklärte den Stundenplan.

Anfangs komme noch viel Arbeit auf die Lehrkräfte zu, das habe man schon bei der Einschreibung gemerkt. „Wir waren sechs Betreuer für zwölf Schüler“, sagt Thomas Schlütsmeier. Daher habe man auch versucht, die Lehrer nach Eignung auszuwählen, dazu bekommen sie auch Fortbil-dungen von der Regierung und dem Kultusministerium. „Vieles müssen wir jetzt einfach selber erfahren, dabei tauschen wir uns mit anderen Schulen aus“, meint der Klassen- und Betreuungslehrer. „Aber wir sind sehr gespannt auf dieses Experiment.“

Janina Bauch

Meistgelesene Artikel

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

"Wir wollen Hilfe zurückgeben"

Landsberg – Mal eben den Rasen mähen oder kurz zum Arzt fahren – kein Problem für die Meisten. Alleinstehende oder Senioren stoßen jedoch mit diesen …
"Wir wollen Hilfe zurückgeben"

Breitband, Straßen, Seeanlagen

Dießen – Kaum Anlass zu Rückfragen und Diskussionen hat der Haushaltsplan 2017 gegeben, den Kämmerer Max Steigenberger am Montag erneut im …
Breitband, Straßen, Seeanlagen

Kommentare