Konsens gefunden?

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Nächster Schritt für „Urbanes Leben“ auf dem Pflugfabrik-Gelände: Der Stadtrat fällt den Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplanes.

Landsberg – Mit dem Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans „Am Papierbach“ leitet der Stadtrat den nächsten Schritt für „Urbanes Leben“ auf dem Pflugfabrik-Gelände ein. Die Umwandlung des fast sechs Hektar großen Areals in ein modernes Wohngebiet nimmt damit konkretere Formen an. Noch ist aber Vieles offen.

Es war das Top-Thema der Stadtratssitzung, aber so richtig spüren konnte man das nicht. Oberbürgermeister Mathias Neuner war daran gelegen, die Diskussion kurz zu halten. Alles sei bereits mehrfach erörtert worden. Es werde noch nichts in Stein gemeißelt. Abweichende Auffassungen könne man immer noch geltend machen. Das Problem dabei ist: Wenn Zustimmung und Widerspruch so ausgeblendet werden, weiß niemand mehr, worüber im Stadtrat wirklich Konsens besteht. 

Hätte das Gremium die wichtigsten Vorschläge der Lenkungsgruppe beraten, bestünde jetzt mehr Gewissheit über den Verfahrensstand. Klar ist, dass das Prinzip „Soziale Bodennutzung“ (siehe getrennter Bericht) auf das Areal der Pflugfabrik Anwendung findet. Weniger klar ist, in welchen der dreizehn zu bearbeitenden Aufgabenfeldern der Stadtrat von den Vorschlägen der Lenkungsgruppe überzeugt ist. Dies dürften nach Recherchen des KREISBOTEN die wichtigsten Diskussionsthemen sein: Wohin führt der Lechsteg? Auf der Pflugfabrikseite soll der Steg den mittleren Erschließungsweg des Neubaugebiets (den „Lechbogen“) fortsetzen. 

Auf der Altstadtseite fand sich anhand der Kriterien „kein Eingriff ins Gelände des Inselbades, kein Zulaufen auf die Außenwand der Lechturnhalle, keine Störung des Schulbetriebs des IKG, kein zu starker Knick im Lechstegverlauf“ in der Lenkungsgruppe eine „breite Übereinstimmung“ für einen 110 Meter langen geradlinig verlaufenden Steg, der dort endet, wo der Inselbadbach in den Lech fließt. 

Wie kommt man über die Bahngleise? Für die Lenkungsgruppe hätte ein höhengleicher Übergang Priorität; dessen Erfolgsaussichten sind nach der Gesetzeslage aber gering. Als Alternativen kommen eine geradlinige Unterführung für Fußgänger und Radfahrer sowie eine Serpentinen-Variante in Betracht, bei der Fußgänger eine Treppe und Radfahrer eine quer zum Gleis verlaufende Rampe nutzen.

Wieviel Raum erhält Kultur? Kulturschaffende haben darum gebeten, drei Prozent der rund 70.000 Quadratmeter umfassenden Geschossfläche für kulturelle Zwecke zu reservieren. Die Lenkungsgruppe hat dies an den Stadtrat weiter gegeben; sie selbst konnte sich wegen der „beträchtlichen finanziellen Auswirkungen“ auf konkrete Vorschläge nicht verständigen. Räumlich präferiert die Gruppe die ehemalige Schmiedehalle, hält aber auch andere Standorte, etwa das Erdgeschoss des Schrem-Baus, für denkbar. 

Wo entstehen Spielplätze? Nach der in Bayern nicht verbindlichen DIN-Norm 18034 wären 5.000 Quadratmeter an öffentlichen und privaten Spielplätzen erforderlich. Die Lenkungsgruppe hält das nicht für realisierbar; hierfür müsste ein gesamtes Bauquartier entfallen. Da es schon 2.600 qm Spielplätze in maximaler Entfernung von einem Kilometer gebe, sollen nach ihren Vorstellungen 2.400 qm ausreichen. Ein 1.500 qm großer öffentlicher Kinderspielplatz soll nördlich des Jugendzentrums entstehen, die restlichen 900 qm sollen als private Plätze in den Quartieren verwirklicht werden. Dazu meldeten sowohl die Spielplatzreferentin des Stadtrats, Doris Baumgartl (UBV), als auch Moritz Hartmann für das Jugendzentrum Gesprächsbedarf an. 

Offen ist außerdem, ob in Einzelhandelsgeschäften auf dem Papierbach-Areal innenstadtrelevantes Sortiment verkauft werden darf – Hans-Jürgen Schulmeister (LM) und Christoph Jell (UBV) plädierten für einen umfassenden Schutz der Altstadt. Ebenso offen ist, ob es im Gelände der Pflugfabrik Platz fürs Landratsamt gibt. Die jetzt auf viele Standorte verstreute Behörde könnte sich einen Teil-Umzug in das Neu- baugebiet durchaus vorstellen und habe diesen Wunsch gegenüber der Stadt geäußert, erläuterte Landratsamts-Sprecher Wolfgang Müller dem KREISBOTEN. Die UBV hatte dieses Anliegen kürzlich mit einem Antrag unterstrichen. 

Am Ende des eilig absolvierten Tagesordnungspunktes genehmigte der Stadtrat nicht nur den Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans (22 zu 0), sondern stimmte mit 21 zu 1 Stimmen auch den Vorschlägen und Ausführungen zu den dreizehn Aufgabenfeldern zu. Mehr als ein unverbindliches „Weiter so“ war das aber offenbar nicht. Die nächsten Sitzungen müssen zeigen, ob dieser Konsens dauerhaft hält.

Werner Lauff

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