Die "Bayerische Erna" wiederbelebt

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Kartoffelbauer Marin Huber ist zufrieden: In diesem Jahr hat er die erste große Erna-Ernte eingefahren.

Walleshausen – Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel. Es gibt mehlige und festkochende, klar. Aber die Unterschiede gehen noch wesentlich weiter. Als cremig und zart im Geschmack, stabil in der Qualität und äußerst robust gilt zum Beispiel die Bayerische Erna, die trotz ihrer Vorzüge 20 Jahre lang von den Feldern verschwunden war. Jetzt ist sie wieder da. Der Walleshausener Kartoffelbauer Martin Huber hat die alte Sorte in einem aufwändigen Verfahren wieder aufgebaut und seine erste Ernte bereits erfolgreich vermarktet.

Wie kommt man auf die Idee, eine Kartoffel wiederzubeleben? „Der Wunsch war immer da, die Sorte wieder anzubauen“, erzählt der 55-Jährige, der seit 1989 seinen Biobauernhof im Geltendorfer Ortsteil Walleshausen betreibt. Die Erna gab es seit den 1970er Jahren, wurde aber kurz vor Ablauf des Sortenschutzes Anfang der 90er vom Markt genommen. „Viele Kunden waren begeistert von ihrem Geschmack. Doch dann war kein Pflanzgut der Sorte mehr zu bekommen“, erinnert sich Huber.

Glücklicherweise gibt es Genbanken. Dort werden Pflanzensorten, die niemand mehr anbaut und züchtet, aufbewahrt und somit vor dem Aussterben geschützt. Von der Genbank für Kartoffeln im mecklenburgischen Groß Lüsewitz besorgte sich Huber ein paar Knollen der Erna, die er zum Pflanzenvermehrungs-Experten Andrew Skea nach Schottland schickte. Den wiederum hatte er 2008 bei einer Exkursion kennengelernt. „Schottland ist als Zentrum der Pflanzenvermehrung bekannt“, erzählt Huber. Zunächst ging es darum, aus der Sorte eventuelle Viruskrankheiten herauszuzüchten. Schritt für Schritt wurden aus Hubers wenigen Knollen die gesunden Triebe selektiert und vermehrt.

„Aus einem Trieb werden zehn Knollen“, erklärt der Öko-Landwirt. Die ursprünglich acht Knollen waren auf diese Weise recht schnell zu 1000 Stück angewachsen. Im vergangenen Jahr war dann es soweit: Ein Spediteur brachte zwei Riesenkisten mit 20.000 Ernas aus Schottland nach Walleshausen – genug für einen halben Hektar Anbaufläche. „Wir haben heuer zehn Tonnen geerntet“, freut sich Huber. Die Hälfte davon ging an einen regionalen Verbrauchermarkt im Allgäu und war innerhalb einer Woche ausverkauft. Die andere Hälfte dient als Pflanzgut für die nächste Saison – Huber hofft im kommenden Jahr auf einen noch deutlich höheren Ertrag.

Der Hitze getrotzt 

Aber jetzt ist er erst einmal froh, dass das Experiment Erna-Wiederbelebung so gut funktioniert hat. Immerhin waren durchaus Risiken dabei – die Sorte hätte sich verändert haben oder schlecht auf die neuen Umweltbedingungen reagieren können. Aber sogar mit der Hitze im Sommer ist Erna leidlich zurecht gekommen. „Eine Kundin hat gleich angerufen“, so Huber. „Sie war ganz begeistert von dem Geschmack.“

Ulrike Osman

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