Mit der Energie des Biomülls

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Mit gutem Beispiel voran: In der Bioabfallvergärungsanlage in Kirchstockach bei München wird aus Biomüll bereits Energie gewonnen.

Landkreis – Was passiert in Zukunft mit unserem Biomüll? Ab dem 1. Januar 2015 muss der Landkreis dafür sorgen, dass Bioabfälle getrennt gesammelt werden. Das Energiepotential aus dem Müll möchte  die Kreistagsfraktion der Grünen nutzen und sich nun näher mit Bioabfallvergärungsanlagen befassen.

Eigentlich hatten die Grünen bereits Anfang Oktober eine Infofahrt zur Bioabfallvergärungsanlage des Landkreises München in Kirchstockach geplant, diese wurde aus organisatorischen Gründen allerdings verschoben. Die Anlage wurde bereits 1997 errichtet, verarbeitet pro Jahr rund 20000 Tonnen Bioabfall und produziert damit rund vier Millionen Kilowattstunden Strom, der zur Hälfte ins öffentliche Netz eingespeist werden kann.

Hintergrund ist der geplanten Infofahrt ist das im Juni vergangenen Jahres in Kraft getreten Kreislaufwirtschaftsgesetz, das die Kommunen verpflichtet, ab dem 1. Januar 2015 Bioabfälle getrennt zu sammeln. Die Grünen regten in diesem Zusammenhang vor geraumer Zeit an, der Landkreis möge sich mit der Verwertung von Bioabfällen beschäftigen – und das ist nun in das neue Klimaschutzkonzept aufgenommen worden. Laut den Experten Doris Möller von KlimaKom und Matthias Heinz von Green City Energy, die das Konzept miterarbeitet haben, steckt noch viel Potenzial in Abfällen sowie Klär- und Deponiegas. Lediglich in der Kläranlage Landsberg werde das Klärgas bereits energetisch genutzt, die biogenen Abfälle werden nicht energetisch verwertet.

Der Abfall aus den Biotonnen im Landkreis Landsberg landet derzeit noch in einer Kompostierungsanlage im Ost­allgäu. Allein diese Menge ergibt laut Klimaschutzkonzept ein technisches Potenzial von etwa 5200 Megawattstunden Strom und 3600 Megawattstunden Wärme. Immerhin werden landwirtschaftliche Abfälle – Gülle, Mist und Energiepflanzen – bereits in 28 Bio- gasanlagen zwischen Lech und Ammersee verwertet – drei weitere befinden sich in der Planung.

Zwar könnte die Verwertung der Bioabfälle und der Klärgase im Landkreis nur einen kleinen Anteil an der Versorgung mit erneuerbaren Energien im Bereich Strom leisten, doch das vorhandene Potenzial werde, wie die Experten darlegen, nur zu etwa 17 Prozent genutzt, im Wärmebereich zu etwa 21 Prozent. Das Fazit im Klimaschutzkonzept lautet daher: Der Landkreis sollte die Nutzung des Bioabfalls zur Energiegewinnung auf jeden Fall weiterverfolgen. „Größere Hand­- lungsmöglichkeiten bestehen im Bereich der kommunalen Kläranlagen“, erklärt Matthias Heinz.

Noch keine Lösung

Wie ab 2015 die Sammlung des Biomülls im Landkreis aussehen soll, ist ohnehin noch nicht geklärt. „Wir warten da noch auf gesonderte Infos“, erklärt Wolfgang Müller, Pressesprecher im Landratsamt. Bislang stehe man aber schon gut da, der Grünmüll wird an den Wertstoffhöfen gesammelt, außerdem gibt es die Biotonne in Kaufering und Landsberg. Konkret gebe es noch keine Lösungen, denkbar wäre, so Müller, aber die flächendeckende Einführung der Biotonne, Alternativen, wie etwa zentrale Sammelstellen kämen ebenfalls infrage. „Die Überlegungen laufen, aber wir müssen sie auch erst auf ihre technische und wirtschaftliche Durchsetzbarkeit prüfen“, so Müller. Im Landsberger Landratsamt warte man außerdem noch auf Anweisungen zur Biomüll-Sammlung aus dem Umwelt­- ministerium.

Janina Bauch

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